Nummer 41 fordert die Nummer eins

3. Februar 2012, 16:30
2 Postings

Am Samstag trifft Co-Gastgeber Äquatorial-Guinea im Viertelfinale auf Turnierfavorit Elfenbeinküste - Teamchef Gilson Paulo hält trotzdem nichts von einer Außenseiterrolle seiner Mannschaft

Bata/Malabo - Der Schock nach der Tragödie von Port Said sitzt noch immer tief, die Trauer um die 74 Opfer der Stadionkatastrophe am Dienstag ist immens. Nach dem Spiel zwischen Al-Masri und Al-Ahly Kairo (3:1) war es zu schweren Krawallen gekommen. Die Anhänger warfen Steine und Flaschen auf die Gästefans und schossen mit Feuerwerkskörpern, Panik brach aus.

Dennoch wird am Samstag der Afrika-Cup, für den sich Titelverteidiger Ägypten nicht qualifiziert hatte, mit dem Viertelfinale ortgesetzt. Mit einer Schweigeminute gedenken die Beteiligten bei den kontinentalen Meisterschaften den schrecklichen Ereignissen. "Der afrikanische Fußball trauert", sagte Issa Hayatou, Präsident der afrikanischen Fußballkonföderation CAF.

Ein erster sportlicher Höhepunkt verspricht das zweite Viertelfinale am Samstagabend (20.00 Uhr/Eurosport) zu werden. Vor heimischem Publikum in Malabo erwartet Überraschungsmannschaft Äquatorial-Guinea als Co-Gastgeber den Turnierfavorit Elfenbeinküste. Vor dem Anpfiff scheint die Sache eindeutig: Die Ivorer zogen mit drei Vorrundensiegen in Gruppe B souverän ins Viertelfinale ein, kein einziges Gegentor wurde bisher zugelassen. Das Team um Didier Drogba, die Touré-Brüder sowie Didier Ya Konan (Hannover 96) und Arthur Boka (VfB Stuttgart) will erstmals seit 20 Jahren den Titel holen.

Auf der anderen Seite steht Äquatorial-Guinea, das in der afrikanischen Rangliste als 41. (von 53) nicht weniger als 40 Plätze hinter Spitzenreiter Elfenbeinküste liegt. Und das pro Sieg vom Sohn des Staatspräsidenten eine Prämie von einer Million Dollar erhält. Für die Gastgeber ist der Einzug in die K.o.-Runde bei der ersten Turnierteilnahme überhaupt schon ein großer Erfolg, zumal sie in der Vorrunde dem Senegal ein hoch eingeschätzes Team hinter sich ließen.

Die Auswahl des brasilianischen Trainers Gilson Paulo setzt sich zu großen Teilen aus eingebürgerten Spielern zusammen, darunter einigen Nachkommen von Guineern, die vor der Diktatur in ihrem Land in die ehemalige Kolonialmacht Spanien flüchten mussten. Doch auch viele Brasilaner sind darunter. In den ersten zwei Gruppenspielen trat Äquatorial-Guinea ohne einen einzigen im Land geborenen Spieler an. "Ich habe uns nie als Außenseiter eingeschätzt", verströmt Paulo, der erst zwei Wochen vor Turnierbeginn nach dem Abgang von Henri Michel in sein Amt kam. "Vielleicht sehen die Leute in den Medien so, aber wir arbeiten darauf hin, soweit wie möglich zu kommen."

Daher schickt François Zahoui, Trainer der Elfenbeinküste, seine Elefanten mit der Direktive in die Partie, dem Außenseiter den nötigen Respekt zu zollen: "Wenn es eine Mannschaft ins Viertelfinale schafft, ist das kein Glück. Sie haben die großartige Unterstützung der Fans", sagte Zahoui. Er erwartet einen vorsichtigen und eher defensiv orientierten Gegner. "Wir müssen geduldig sein, denn wir haben den Vorteil der größeren Erfahrung."

Wie man Äquatorial-Guinea besiegt, hat Sambia in der Vorrunde gezeigt. Die Elf des französischen Trainers Hervé Renard gewann am dritten Spieltag dank eines Treffer von Chris Katongo mit 1:0 (0:0) und sicherte sich damit als ungeschlagener Erster der Gruppe A das Viertelfinalticket. Dort wartet am Samstag (17.00 Uhr) in Bata die Elf des Sudan. Der Titelträger von 1970, der als einzige Mannschaft im Turnier nur auf Spieler aus der nationalen Liga setzt, qualifizierte sich aufgrund der besseren Tordifferenz für die Runde der besten Acht. Gegen Sambia geht der Sudan erneut als klarer Außenseiter ins Spiel. Seit dem Triumph vor 42 Jahren hat die Auswahl des größten Landes des Kontinents kein einziges Spiel mehr bei einer Endrunde gewinnen können, ehe nun Burkina Faso geschlagen wurde. Das reichte, um als Zweiter der Guppe B das punktgleiche Angola auszubooten.

Für Sambia hätte der sportliche Erfolg eine besondere Bedeutung. 1993 starb die gesamte Nationalmannschaft bei einem Flugzeugabsturz vor der Küste Gabuns. In dem Land also, in dem am 12. Februar das Finale stattfinden wird. "Stellen Sie sich vor, wir könnten dort den Pokal in die Höhe stemmen. Es wäre eine fantastische Möglichkeit jene Menschen zu ehren, die ein ultimatives Opfer für ihr Land gebracht haben", sagt Renard, der gegen den Sudan trotz der Favoritenrolle seines Teams ein schweres Spiel erwartet. (red/sid)

VIERTELFINAL-BEGEGNUNGEN:

Samstag
17:00 Bata
Sambia - Sudan

20:00 Malabo
Elfenbeinküste - Äquatorialguinea

Sonntag
17:00 Libreville
Gabun - Mali

20:00 Franceville
Ghana - Tunesien

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Juvenal Edjogo-Owono (re) und Javier-Angel Balboa müssen mit ihren Dribbelkünsten vor Äquatorial-Guineas Teamchef Gilson Paulo (oben re) bestehen. Und auch für die Elfenbeinküste soll es reichen.

Share if you care.