Klaus Kröll sorgt für ersten ÖSV-Abfahrtssieg der Saison - Bei Minus 16 Grad waren die Zeitabstände minimal
Chamonix - Das lange Warten hat doch noch ein Ende gefunden. Und für die
diesbezügliche Erlösung sorgte Klaus Kröll, der einzige im aktuellen
österreichischen Team, der schon Erfahrung mit einem Abfahrtssieg hat.
"Das war ein brutal knappes Rennen. Ich habe so geschwitzt im Ziel beim
Warten, weil ich oben so schlecht gefahren bin. Die Genugtuung ist aber
jetzt umso größer", sagte der Steirer, nachdem er geschafft hatte, was
zuletzt dem mittlerweile zurückgetreten Michael Walchhofer im März des
vergangenen Jahres in Kvitfjell gelungen war, nämlich als Österreicher
eine Abfahrt zu gewinnen.
Der 31-Jährige tat dies mit dem kleinstmöglichen Vorsprung, distanzierte
den US-Amerikaner Bode Miller um das Hundertstel einer Sekunde. Just in
Chamonix, wo nach den verkürzten Rennen in Kitzbühel und
Garmisch-Partenkirchen wieder auf der ganzen Strecke gesportelt wurde,
lagen die ersten fünf innerhalb von acht Hundertsteln. Der Schweizer
Didier Cuche, zuletzt zweimal Sieger, riss einen Rückstand von vier
Hundertsteln auf, die beiden Vierten, der Tiroler Romed Baumann und Erik
Guay, Weltmeister aus Kanada, waren um acht Hundertstel zu langsam für
den Sieg.
Der zweifache Juniorenweltmeister Kröll feierte den insgesamt vierten
Weltcuperfolg seiner Karriere, den dritten in der Abfahrt nach
Kvitfjelll 2009 und Wengen 2011. 2009 nahm er sich auch den Super-G in
Kitzbühel.
Zwischenzeitlich freilich hatte er seine Zweifel gehabt. Denn als er als
Führender im Ziel wartete, schreckte ihn Miller, der im oberen Teil um
rund eine halbe Sekunde schneller war. "Da habe ich gedacht, dass es mit
dem Sieg schon wieder nichts wird", sagte der Öblarner, der in der
diesjährigen Saison bereits drei dritte Plätze gesammelt hat. Im
Abfahrts-Weltcup liegt Kröll als Zweiter 40 Punkte hinter Cuche.
Am Samstag findet in Chamonix eine zweite Abfahrt statt, am Sonntag eine
Super-Kombi. (bez, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)