Verfahren gegen Chelsea-Verteidiger im Sommer, bereits 2010 war er nach einer Affäre vorübergehend degradiert worden
London - John Terry ist nicht mehr Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft. Grund sind seine angeblich rassistischen Beschimpfungen von Anton Ferdinand. Das bestätigte der nationale Verband FA am Freitag. Sein Vorsitzender David Bernstein hat dem Innenverteidiger des FC Chelsea die Entscheidung in einem Telefongespräch mitgeteilt.
Terry soll am 23. Oktober 2011 seinen Gegenspieler Ferdinand (Queens Park Rangers) bei einem Spiel in der Premier League beleidigt haben. Die Staatsanwaltschaft sieht die Anschuldigungen durch Internet-Videos belegt und hatte daraufhin das Verfahren gegen Terry eingeleitet.
Der 31-Jährige bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet den Vorgang als Hetzkampagne. "Ich werde mit Zähnen und Klauen kämpfen, um meine Unschuld zu beweisen", hatte Terry gesagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Geldstrafe von bis zu 3.000 Euro. Der Prozess soll im Sommer kurz nach der Europameisterschaft beginnen.
Teamchef Fabio Capello hatte Terry bisher den Rücken gestärkt und
seinen Starverteidiger für unschuldig erklärt - so lange, bis das
Gegenteil bewiesen sei. Im Gegensatz dazu kam laut BBC ein Großteil des Verbandsvorstandes zu dem Schluss, dass er als Kapitän der Mannschaft nicht mehr tragbar sei. Terry soll bei der EM
ausgerechnet mit Anton Ferdinands älterem Bruder Rio von
Meister Manchester United die Innenverteidigung bilden.
Terry hatte im Februar 2010 bereits einmal die Kapitänsbinde
verloren. Zu dieser Zeit war eine Affäre mit der damaligen Freundin
seines Teamkollegen Wayne Bridge publik geworden. Bridge hat seither
nie wieder im englischen Nationalteam gespielt, verzichtete sogar auf
die WM-Teilnahme in Südafrika. Bei der glücklosen Endrunde fungierte
Liverpools Steven Gerrard als Kapitän, bis Terry 13 Monate später von
Capello wieder eingesetzt wurde. "Ein Jahr Strafe ist genug", meinte
der Italiener damals. (sid/APA)