Wie uns böse Gewürze quälen
Alle Gewürze san Trotteln. Nein, ich will nicht ungerecht sein, nicht
alle, gegen einen reschen Knofel oder ein paar rattenscharfe Chilis ist
ja nix einzuwenden. Umso mehr nerven die anderen Gewürze. Vor allem
jene, die ich die "schweinischen Sieben" nenne: Majoran, Thymian,
Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano und Liebstöckl.
Wieso "schweinische Sieben"? Weil diese sieben Schlitzohren konstant
dafür "sorgen", dass wir zeitgenössischen Ner-verln zu den üblichen
Alltagsärgernissen (verstopfte Klos, verlegte Schlüssel, verlogene
Politiker usw.) auch noch Gewürzscherereien haben. Die Gewürzschererei
entsteht so: Man steht am Herd, will ein neues Rezept ausprobieren, und
kommt darauf, dass die betreffende Speise mit, sagen wir, Thymian
gewürzt gehört. Man durchsucht alle Küchenschränke und findet darin
Majoran, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano und Liebstöckl, also
alles außer Thymian.
Erfordert das Rezept Oregano, so stellt man fest, dass die
Küchenschränke vor Majoran, Thymian, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum
und Liebstöckl geradezu bersten, lediglich nach dem Hurensohn von
Oregano sucht man vergebens. Die allgemeine Regel für ein Element (X)
aus der Menge der schweinischen Sieben lautet also: If Recipe (Y) needs
(X), then (No X in the kitchen). In jedem Fall ist der Koch gezwungen,
in den Supermarkt zu eilen, um das fehlende Gewürz nachzukaufen. Ich
hasse es selbst bei linden Mailüften, in den Supermarkt gehen zu müssen.
Aber ein Supermarktgang bei minus zehn Grad im Februar ist zermürbend,
eine Tortur. Hol Euch der Teufel, schweinische Sieben!
Die Pointe der Geschichte ist nun die, dass der Gang in den Supermarkt
ohnehin sinnlos ist. Sinnlos, weil sich die sieben Gewürzterroristen in
Wahrheit geschmacklich überhaupt nicht voneinander unterscheiden. Jede
Wette, dass selbst die renommiertesten Großgourmets außerstande wären,
Majoran und Thymian oder Oregano und Basilikum auseinanderzukennen. Das
Zeug schmeckt alles gleich.
Ich aber habe jetzt das Patentrezept gegen die Zumutungen der
schweinischen Sieben gefunden. Wann immer eine Speise nach Majoran,
Thymian, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano oder Liebstöckl
verlangt, verwende ich stattdessen kurzerhand die gleiche Menge Chili.
Es schmeckt genauso gut, nur schärfer. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)