Majoran, Thymian, Schlendrian

Kolumne3. Februar 2012, 17:12
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Wie uns böse Gewürze quälen

Alle Gewürze san Trotteln. Nein, ich will nicht ungerecht sein, nicht alle, gegen einen reschen Knofel oder ein paar rattenscharfe Chilis ist ja nix einzuwenden. Umso mehr nerven die anderen Gewürze. Vor allem jene, die ich die "schweinischen Sieben" nenne: Majoran, Thymian, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano und Liebstöckl.

Wieso "schweinische Sieben"? Weil diese sieben Schlitzohren konstant dafür "sorgen", dass wir zeitgenössischen Ner-verln zu den üblichen Alltagsärgernissen (verstopfte Klos, verlegte Schlüssel, verlogene Politiker usw.) auch noch Gewürzscherereien haben. Die Gewürzschererei entsteht so: Man steht am Herd, will ein neues Rezept ausprobieren, und kommt darauf, dass die betreffende Speise mit, sagen wir, Thymian gewürzt gehört. Man durchsucht alle Küchenschränke und findet darin Majoran, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano und Liebstöckl, also alles außer Thymian.

Erfordert das Rezept Oregano, so stellt man fest, dass die Küchenschränke vor Majoran, Thymian, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum und Liebstöckl geradezu bersten, lediglich nach dem Hurensohn von Oregano sucht man vergebens. Die allgemeine Regel für ein Element (X) aus der Menge der schweinischen Sieben lautet also: If Recipe (Y) needs (X), then (No X in the kitchen). In jedem Fall ist der Koch gezwungen, in den Supermarkt zu eilen, um das fehlende Gewürz nachzukaufen. Ich hasse es selbst bei linden Mailüften, in den Supermarkt gehen zu müssen. Aber ein Supermarktgang bei minus zehn Grad im Februar ist zermürbend, eine Tortur. Hol Euch der Teufel, schweinische Sieben!

Die Pointe der Geschichte ist nun die, dass der Gang in den Supermarkt ohnehin sinnlos ist. Sinnlos, weil sich die sieben Gewürzterroristen in Wahrheit geschmacklich überhaupt nicht voneinander unterscheiden. Jede Wette, dass selbst die renommiertesten Großgourmets außerstande wären, Majoran und Thymian oder Oregano und Basilikum auseinanderzukennen. Das Zeug schmeckt alles gleich.

Ich aber habe jetzt das Patentrezept gegen die Zumutungen der schweinischen Sieben gefunden. Wann immer eine Speise nach Majoran, Thymian, Schlendrian, Rosmarin, Basilikum, Oregano oder Liebstöckl verlangt, verwende ich stattdessen kurzerhand die gleiche Menge Chili. Es schmeckt genauso gut, nur schärfer. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

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