Einheitliche Abschlussprüfung und Fragenkatalog - Frage der Zugangsprüfung offen
Wien - Wer in Österreich das Medizin-Studium abschließt,
soll künftig nachweislich über dieselbe Qualifikation verfügen - egal
ob er in Wien, Graz oder Innsbruck studiert hat. Derzeit arbeiten die
drei Medizin-Unis an einer gemeinsamen Prüfungsdatenbank, auch die
Einführung einer einheitlichen Abschlussprüfung ist angedacht. Das
sechste Studienjahr soll künftig - ähnlich wie in Deutschland - an
allen Unis ein klinisch-praktisches Jahr werden, in dem die Studenten
in den Krankenhausalltag eingeführt werden.
An den Medizin-Unis Graz und Innsbruck gibt es dieses
klinisch-praktische Jahr in Wesentlichen schon jetzt, berichten die
dortigen Vizerektoren Gilbert Reibnegger und Norbert Mutz.
Geht es nach Reibnegger, sollen auch einige Wochen Lehrpraxis bei
einem Allgemeinmediziner Teil des letzten Studienjahres sein. In Wien
sieht dieses noch anders aus: "Derzeit besteht es aus einem Mix aus
Vorlesungen und Praktika", so die Vizerektorin für Lehre, Karin
Gutierrez-Lobos. In Zukunft sollen die Studenten hingegen viel
umfassender als bisher im Rahmen von Praktika in den
Krankenhausalltag integriert werden und dabei neben Fachlichem auch
den richtigen Umgang mit Patienten lernen.
Mit der Umsetzung soll in Wien möglichst bald begonnen werden, ein
Beschluss steht aber noch aus. Mit dem Studienjahr 2014/15 soll das
klinisch-praktische Jahr dann "in Dauer und Struktur österreichweit
gleich" sein, so Mutz' Zielvorgabe.
Mehr Stunden
Während die EU-Kommission für eine Verkürzung des Medizin-Studiums
auf fünf plädiert, würde das geplante klinisch-praktische Jahr zu
einer Verlängerung des letzten Studienjahrs von derzeit 30 auf 40 bis
48 Wochen führen. Dadurch sollen österreichische Medizin-Abgänger am
deutschen Markt kompetitiv werden, so Reibnegger. Vorstellbar sei
diese Maßnahmen schon ab dem Studienjahr 2013/14. Im Gegenzug müssten
dann aber Ärztekammer und Wissenschaftsministerium überlegen, "ob das
derzeitige Modell eines Turnus und eines Facharztes überhaupt noch
zeitgemäß ist. Da gibt es dann den Bedarf nach Harmonisierung in
einem größeren Rahmen", fordert der Grazer Vizerektor.
Bereits umgesetzt haben die Unis einen gemeinsamen
"Kompetenzlevel-Katalog". In diesem ist festgeschrieben, was ein
Student vor der ersten Famulatur bzw. vor Beginn des
klinisch-praktischen Jahres und vor Abschluss des Studiums
beherrschen soll, vom Anamnesegespräch bis zum Schreiben eines EKG
oder dem Analysieren von Laborwerten.
Gemeinsamer Lernzielkatalog
Im Zuge der Erstellung des Katalogs haben die einzelnen Unis auch
überprüft, ob Inhalte zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Umfang
gelehrt werden. "Wenn man bedenkt, dass Studien früher oft zig Jahre
gleichgeblieben sind, ist das sowohl für die Studierenden als auch
die Patientinnen und Patienten eine Verbesserung", betont
Gutierrez-Lobos. In den nächsten Monaten soll zusätzlich ein
gemeinsamer Lernzielkatalog erstellt werden. "Das wird eine Art
Minimalkatalog dessen sein, was ein österreichischer Abgänger von
Medizin in jedem Fall wissen, können und beherrschen können soll."
Die Erstellung einer gemeinsamen Prüfungsdatenbank soll laut
Gutierrez-Lobos bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Ebenfalls in Arbeit ist die Einführung einer "sinnvollen und
kompetenzorientierten Gesamtprüfung" am Ende des Studiums, schildert
Reibnegger. In Graz gebe es schon jetzt am Ende des fünften Jahres
ein Prüfung mit mehreren Stationen mit theoretischen und praktischen
Aufgaben. Reibnegger wünscht sich etwas Ähnliches am Ende des
Studiums. "Das soll keine pingelige Detailprüfung sein, sondern
überprüfen, ob die Absolventen wirklich umfassendes Wissen und
Fähigkeiten erworben haben, um die weitere Ärzteausbildung zu
machen."
Gemeinser Aufnahmetest
Noch offen ist indes, ob im Zuge der Harmonisierung auch ein
gemeinsames Aufnahmeverfahren kommt. Derzeit setzen die Medizin-Unis
Wien und Innsbruck den in der Schweiz entwickelten EMS-Test ein, die
Medizin-Uni Graz hat hingegen ein eigenes Modell entwickelt. Ein
Umstieg auf den EMS ist für Reibnegger derzeit so gut wie
ausgeschlossen. Für Gutierrez-Lobos ist es hingegen noch zu früh, um
etwas darüber zu sagen, auch laut Mutz sind die Unis erst in einer
Phase von "engem Meinungs- und Erfahrungsaustausch". (APA)