Wien, Graz, Innsbruck

Unis arbeiten an gemeinsamen Standards für Mediziner-Ausbildung

3. Februar 2012, 12:34
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    foto: dpa/patrick pleul

    Das sechste Ausbildungs-Jahr soll ein einheitlich klinisch-praktisches Jahr werden.

Einheitliche Abschlussprüfung und Fragenkatalog - Frage der Zugangsprüfung offen

Wien - Wer in Österreich das Medizin-Studium abschließt, soll künftig nachweislich über dieselbe Qualifikation verfügen - egal ob er in Wien, Graz oder Innsbruck studiert hat. Derzeit arbeiten die drei Medizin-Unis an einer gemeinsamen Prüfungsdatenbank, auch die Einführung einer einheitlichen Abschlussprüfung ist angedacht. Das sechste Studienjahr soll künftig - ähnlich wie in Deutschland - an allen Unis ein klinisch-praktisches Jahr werden, in dem die Studenten in den Krankenhausalltag eingeführt werden.

An den Medizin-Unis Graz und Innsbruck gibt es dieses klinisch-praktische Jahr in Wesentlichen schon jetzt, berichten die dortigen Vizerektoren Gilbert Reibnegger und Norbert Mutz. Geht es nach Reibnegger, sollen auch einige Wochen Lehrpraxis bei einem Allgemeinmediziner Teil des letzten Studienjahres sein. In Wien sieht dieses noch anders aus: "Derzeit besteht es aus einem Mix aus Vorlesungen und Praktika", so die Vizerektorin für Lehre, Karin Gutierrez-Lobos. In Zukunft sollen die Studenten hingegen viel umfassender als bisher im Rahmen von Praktika in den Krankenhausalltag integriert werden und dabei neben Fachlichem auch den richtigen Umgang mit Patienten lernen.

Mit der Umsetzung soll in Wien möglichst bald begonnen werden, ein Beschluss steht aber noch aus. Mit dem Studienjahr 2014/15 soll das klinisch-praktische Jahr dann "in Dauer und Struktur österreichweit gleich" sein, so Mutz' Zielvorgabe.

Mehr Stunden

Während die EU-Kommission für eine Verkürzung des Medizin-Studiums auf fünf plädiert, würde das geplante klinisch-praktische Jahr zu einer Verlängerung des letzten Studienjahrs von derzeit 30 auf 40 bis 48 Wochen führen. Dadurch sollen österreichische Medizin-Abgänger am deutschen Markt kompetitiv werden, so Reibnegger. Vorstellbar sei diese Maßnahmen schon ab dem Studienjahr 2013/14. Im Gegenzug müssten dann aber Ärztekammer und Wissenschaftsministerium überlegen, "ob das derzeitige Modell eines Turnus und eines Facharztes überhaupt noch zeitgemäß ist. Da gibt es dann den Bedarf nach Harmonisierung in einem größeren Rahmen", fordert der Grazer Vizerektor.

Bereits umgesetzt haben die Unis einen gemeinsamen "Kompetenzlevel-Katalog". In diesem ist festgeschrieben, was ein Student vor der ersten Famulatur bzw. vor Beginn des klinisch-praktischen Jahres und vor Abschluss des Studiums beherrschen soll, vom Anamnesegespräch bis zum Schreiben eines EKG oder dem Analysieren von Laborwerten.

Gemeinsamer Lernzielkatalog

Im Zuge der Erstellung des Katalogs haben die einzelnen Unis auch überprüft, ob Inhalte zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Umfang gelehrt werden. "Wenn man bedenkt, dass Studien früher oft zig Jahre gleichgeblieben sind, ist das sowohl für die Studierenden als auch die Patientinnen und Patienten eine Verbesserung", betont Gutierrez-Lobos. In den nächsten Monaten soll zusätzlich ein gemeinsamer Lernzielkatalog erstellt werden. "Das wird eine Art Minimalkatalog dessen sein, was ein österreichischer Abgänger von Medizin in jedem Fall wissen, können und beherrschen können soll." Die Erstellung einer gemeinsamen Prüfungsdatenbank soll laut Gutierrez-Lobos bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Ebenfalls in Arbeit ist die Einführung einer "sinnvollen und kompetenzorientierten Gesamtprüfung" am Ende des Studiums, schildert Reibnegger. In Graz gebe es schon jetzt am Ende des fünften Jahres ein Prüfung mit mehreren Stationen mit theoretischen und praktischen Aufgaben. Reibnegger wünscht sich etwas Ähnliches am Ende des Studiums. "Das soll keine pingelige Detailprüfung sein, sondern überprüfen, ob die Absolventen wirklich umfassendes Wissen und Fähigkeiten erworben haben, um die weitere Ärzteausbildung zu machen."

Gemeinser Aufnahmetest

Noch offen ist indes, ob im Zuge der Harmonisierung auch ein gemeinsames Aufnahmeverfahren kommt. Derzeit setzen die Medizin-Unis Wien und Innsbruck den in der Schweiz entwickelten EMS-Test ein, die Medizin-Uni Graz hat hingegen ein eigenes Modell entwickelt. Ein Umstieg auf den EMS ist für Reibnegger derzeit so gut wie ausgeschlossen. Für Gutierrez-Lobos ist es hingegen noch zu früh, um etwas darüber zu sagen, auch laut Mutz sind die Unis erst in einer Phase von "engem Meinungs- und Erfahrungsaustausch". (APA)

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14 Postings
Anne Vian
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alles sehr interessant....

Ich hab in Innsbruck UND Graz im neuen Studienplan studiert. Fazit: alles was man am Ende des Tages gelernt hat, kann man TROTZ des Studiums und nicht wegen. Die ganzen Med-Studienpläne sind meiner Meinung nach zu einem Selbst-Darstellungs-Theater diverser Profs und (Vize-)Rektoren verkommen, die Null-Ahnung von der tatsächlichen Umsetzung und dem Out-Put ihres allzu genialen Studienplans haben. -was ihnen aber auch wurscht zu sein scheint (hab das selbst mehrmals versucht...sinnlos...). Man raubt uns Studierenden mit qualitäts- und sinnlosen Pflichtveranstaltungen (6-8h/d, 5d/wo!!)nur die Lernzeit! Das Gesamt-Ergebnis ist bereits vereinheitlicht: NIRGENS LERNT MAN MEHR WAS! BRAVO!!

Got Your Nose!
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danke. siehe klimas histo-praktikum. 3 stunden versnschlagt, für 2 präparate, jedes davon 5 minuten ausgehändigt. aber hauptsache man muss die ganze stunde anwesend sein, weil so stehts ja im gesetz.

HLAB27
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"Dadurch sollen österreichische Medizin-Abgänger am deutschen Markt kompetitiv werden"

mhmmm wie meinen???

Phan Tast
02

Jaja, verlängert das praktische Jahr auf 48 Wochen. Bekommt nur kein schlechtes Gewissen, dass Med-Studies in ihrer Ausbildung 64 Wochen arbeiten müssen ohne auch nur das Mittagessen erstattet oder einen Wohnplatz bekommen.

Aber wundert euch nicht, wenn die Leute nicht in Ö bleiben, wenn sie in Deutschland eine Entschädigung erhalten (300-700Euro, kostenloses Essen in der Kantine).

trace route
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Zitat "würde das geplante klinisch-praktische Jahr zu einer Verlängerung des letzten Studienjahrs von derzeit 30 auf 40 bis 48 Wochen führen. Dadurch sollen österreichische Medizin-Abgänger am deutschen Markt kompetitiv werden, so Reibnegger."

Da fragt man sich wieder mal, was sich diese Leute bei ihrem Tun und Handeln so überlegen.

Da läuft Österreich Gefahr, dass sich ein eklatanter Ärztemangel entwickelt, und gegenüber der EU wird dieser Ärztemangel schon jetzt behauptet, um die eigentlich EU-rechtswidrigen Quoten bei der Zulassung aufrechterhalten zu können - und dann arbeiten die Verantwortlichen daran, es österreichischen Absolventen möglichst einfach zu machen, dass sie ins Ausland gehen...

HALLO! Schon mal nachgedacht?!? Da wird ja der Ärztemangel NOCH ÄRGER werden!

Genauso soll der Turnus abgeschafft und durch 5-jährige Ausbildung ersetzt werden. Wenn DAS passiert, werden ALLE Absolventen in ein anderes Land flüchten. Sind diese Entscheidungsträger noch zu retten?!?

Postingname1001
 
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Der Grund warum derzeit viele Absolventen fluechten ist der Turnus, weil man hier nichts lernt, wenig verdient und man erst danach die Facharztausbildung machen kann.
Im Ausland (zum Beispiel in Deutschland) muss man keinen Turnus machen, sprich man kann gleich mit dem gewuenschten Fach beginnen.
Eine Abschaffung des Turnus wuerde auch in Oesterreich dazu fuehren, dass man als Absolvent direkt mit der Facharztausbildung anfangen kann, folglich gaebe es keinen Grund zu fluechten.
Alles klar?

trace route
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Eine Abschaffung des Turnus, so wie es die Studentenvertretung an der Meduni Wien fordert, würde lediglich dazu führen, dass künftig all jene, die Praktiker werden wollen, statt bislang 3 Jahre Turnus künftig 5 Jahre "Facharzt für Allgemeinmedizin"

absolvieren müssen. Ich halte es für unverständlich, warum die Studentenvertretung diese Forderung erhebt. Nicht nur dass das ein erheblicher Nachteil wäre für all jene, die Praktiker werden wollen. Es würde auch dazu führen dass es insgesamt WENIGER Ausbildungsstellen zum Praktiker gibt: Wenn die Ausbildung 5 statt 3 Jahre dauert, werden jedes Jahr nur 60 Prozent der bislang jährlich verfügbaren Stellen frei. Das heißt die Wartezeiten auf die Ausbildung zum Allgemeiner würden wieder enorm ansteigen!

Und Facharzt-Ausbildungsstellen würden durch Abschaffung des Turnus KEINE EINZIGE mehr werden! Wollen Sie künftig vielleicht 5 Jahre "Facharzt für Allgemeinmedizin" absolvieren müssen, bevor Sie eine Stelle zum "Facharzt für Innere" bekommen?

trace route
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Nochmals, für alle die es nicht verstehen können oder wollen: Die Frage ob man gleich nach dem Studium mit der Facharztausbildung beginnen kann oder nicht, hängt von zwei Faktoren ab: Erstens der eigenen Kompetenz. Zweitens dem Arbeitsmarkt das heißt

dem Verhältnis Bewerber zu freien Facharzt-Ausbildungsstellen.

Wenn es nur eine begrenzte Zahl von Facharzt-Ausbildungsstellen gibt, kann eben nicht jeder eine bekommen. Da Primarrii verpflichtet sind, ihren Patienten die beste Versorgung zu bieten, geben Primarii völlig zurecht die Facharztstelle den besten Jungärzten, bevorzugt jenen Turnus-Ärzten die sich im ersten oder zweiten Jahr Turnus am besten bewährt haben. Das erste Jahr Turnus (Innere, Chirurgie) ist für so ziemlich jede Facharztausbildung anrechenbar, somit geht NULL Zeit verloren.

Punkto Arbeitsmarkt: Mit dem stärker werdenden Ärztemangel werden immer mehr Absolventen SOFORT eine Fachstelle angeboten bekommen. Rechtlich MÖGLICH ist das schon heute!

trace route
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Was Sie schreiben, ist schlicht und einfach FALSCH. Selbstverständlich kann jeder in Österreich sofort nach Abschluss des Studiums mit der Facharzt-Ausbildung beginnen.

Alle anderslautenden Behauptungen sind schlicht und einfach unwahr. Im Wiener AKH gibt es hunderte Jungmediziner in der Facharztausbildung, die keinen Tag Turnus absolviert haben. In den Bundesländern wird üblicherweise der Turnus begonnen, wer gut ist bekommt schon im oder nach dem ersten Jahr eine Fachausbildingsstelle, und verliert dadurch null Zeit weil das erste Jahr (Innere und Chirurgie) für praktisch alle Fächer anrechenbar ist. Sie schreiben einfach Unwahrheiten.

Warum es in D so einfach ist, gleich ein Fach zu bekommen, liegt am Ärztemangel in D. Der wird aber auch in Ö stärker werden, genauso wird es in Ö einfacher werden, gleich mit einem Fach zu beginnen. Das ist KEINE Frage des Gesetzes, sondern des ARBEITSMARKTES.

der gärtner
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defacto geht das nicht.

egal ob in stadt oder hinterstes kaff, assistelle gibts nur mit ius.

und die assis im akh sind nur dem namen nach assis,
bevor die auch nur ein bisschen ausbildung erhalten, haben die jahrelang auf der station den turnusarzt gespielt oder im labor geschuftet.

trace route
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Falsch.

Sie haben offenbar keine Assistenten-Stelle am AKH bekommen, nicht wahr?

Naja, da muss man eben zu den besten gehören. Das schafft eben nicht jeder.

Wenn Sie's aber nicht mal schaffen, in deinem der Bundesländer nach dem ersten oder zweiten Jahr Turnus eine Facharzstelle zu haben, dann sollten Sie mal anfangen zu fragne, ob Ihre Berufspläne "Facharzt" möglicherweise nicht ganz vereinbar sind mit Ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit...

Eben genau das Problem, was ich immer wieder konstatieren muss: Die neue Generation der Jungmediziner überschätzt sich andauernd...

Phan Tast
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Fachstelle ohne Turnus geht gerade am AHK nur mit Vitamin B, habe ich selber bei einem Kollegin erlebt (Vater war Staatssekretär).

trace route
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Nein, das ist unrichtig. Es ist leider GENERELL so, dass im AKH viele Stellen "nur mit Beziehungen" vergeben werden. Das ist übel und sollte meiner Ansicht nach UNBEDINGT abgedreht werden. Es gibt aber schon heute zahlreiche Kliniken, an denen die...

Stellen nach Leistungskriterien vergeben werden und nicht nach "Vitamin B". Glauben's mir, ich kenn mich wirklich aus mit im AKH.

Jedenfalls bleibt festzuhalten, dass all diese Behauptungen "Man muss den Turnus machen, damit man eine Facharztstelle bekommt" völliger Unsinn sind. Es schockiert mich, wie viele junge Leute diesen Unsinn glauben. Das ist einfach unwahr und schlicht Propaganda der Hochschülerschaft.

Die Hochschülerschaft setzt sich sinnloserweise dafür ein, dass der Turnus abgeschafft und ersetzt werden soll durch einen "Facharzt für Allgemeinmedizin" der 5 Jahre dauert. Das erhöht die Zahl der verfügbaren Fachstellen um NULL, aber wird zur Folge haben dass die Jungen 5 Jahre brauchen um Praktiker zu werden statt bislang 3 !!

trace route
01
Bitte ALLES, nur KEINE Harmonisierung der Aufnahmeverfahren!

Hat sich denn immer noch nicht herumgesprochen, dass der EMS unsinnig ist und gegen Personen die genau und sorgfältig lernen diskrimiert, hingegen oberflächliche Lerner bevorzugt? Da ist es gut, dass es in Graz ein anderes Auswahlverfahren gibt. Eigentlich sollte jede Uni ein anderes Auswahlverfahren anwenden. Nur dadurch wird die Selektion ein bisschen fairer! Wenn ein Test gegen jemanden unfair diskiminiert (wie der EMS), hat man zumindest die Chance, die Aufnahme woanders zu schaffen. Nur wer nirgendwo die Aufnahme schaft, muss das Problem wohl eher bei sich selbst suchen... Wenn es nur einen einzigen "uniformen" Aufnahmetest gibt, und dieser diskriminiert, dann wird die Zulassung EXTREM UNFAIR !!!

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