Es gilt das "R"-Wort

5. Februar 2012, 17:27
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Modularer Querbaukasten (MQB): VW revolutioniert Automobilbau. Schon wieder

Man sollte ja vorsichtig sein mit dem "R"-Wort. Aber was VW-Konzern da seit Jahren vorantreibt, beginnend mit der Plattformstrategie und jetzt gipfelnd in den modularen Baukästen, bewirkt schlichtweg eine Revolution in Produktion und Fahrzeugbau - von der Fabrik bis zum Auto, das wird über kurz oder lang jeder nachmachen (müssen), schon wegen des enormen Einsparungspotenzials.

Was genau unter MQB, dem modularen Querbaukasten also, zu verstehen sei, war soeben Inhalt eines Workshops im Stammsitz Wolfsburg. Kein Wunder, stehen doch die ersten MQBs kurz vor dem Lancement: Audis A3 macht sommers den Auftakt, gegen Jahresende folgt der Golf VII, dann Skoda Octavia und Seat Leon, und bis 2018 sollen ca. 40 verschiedene MQB-Baureihen auf dem Markt sein. Einen ersten Vorgeschmack lieferte die Studie Cross Coupé, die Strategie soll dann eine Bandbreite von Fahrzeugen Größenordnung Polo bis Passat abdecken.

Hauptkennzeichen, jetzt auf die künftigen Autos bezogen: In Länge, Breite, Radstand sind die Konstrukteure flexibel, fix ist lediglich der Bereich zwischen Vorderachse und Pedalerie. Bedeutet: Eine zu dem Behufe entwickelte neue Generation von Diesel- und Ottomotoren ist im Entstehen, kompakter, leichter, stärker, sparsamer, die in fixer Lage montiert werden, in einheitlichem Einbauwinkel von zwölf Grad - und quer, denn dafür steht das Q in MQB.

Längst ist der gesamte Konzern infiziert vom Modular-Virus. Neben dem von VW verantworteten MQB gibt's den von Audi verwalteten MLB (Modularer Längsbaukasten), unter dessen Dach - ebenfalls markenübergreifend - alles konzentriert wird, was die Motoren der Länge nach montiert bekommen. Porsche wiederum erhielt die MSB-Oberhoheit (Modularer Standardbaukasten), und ganz unten gibt's NSF (New Small Family) für Gerätschaft à la VW up!.

Und weil sich nun mal hinter dem modularen Gedanken ein ganzheitlicher Ansatz verbirgt, reduzieren sich Komplexität (und Kosten) bis hin zu Klimaanlagen, Infotainment-Modulen, alternativen Antrieben und sogar Produktionsprozessen, die dadurch ganz dramatisch abgeschlankt werden.

Nur beim Styling läuft's genau andersrum: Da eröffnet die Modul-Idee den Designern völlig neue Freiheiten und Möglichkeiten "auf der Suche nach den idealen Proportionen", freut sich VW-Designchef Klaus Bischoff. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/03.02.2012)

  • Nein, das ist keine Kübelwagen-Neuauflage, sondern ein nackerter Prinzip-Demonstrator für MQB. 40 völlig unterschiedliche Baureihen werden darauf entstehen.
    foto: stockinger

    Nein, das ist keine Kübelwagen-Neuauflage, sondern ein nackerter Prinzip-Demonstrator für MQB. 40 völlig unterschiedliche Baureihen werden darauf entstehen.

  • Zur Umsetzung der MQB-Idee entsteht eine neue Generation Diesel- und Ottomotoren, die alle im selben Zwölf-Grad-Winkel verbaut werden.
    foto: stockinger

    Zur Umsetzung der MQB-Idee entsteht eine neue Generation Diesel- und Ottomotoren, die alle im selben Zwölf-Grad-Winkel verbaut werden.

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