Landung in der Unfallambulanz

  • Für Freestyler sollten Rücken- und Handprotektoren eine Selbstverständlichkeit sein.
    foto: sarah stark/www.pixelio.de

    Für Freestyler sollten Rücken- und Handprotektoren eine Selbstverständlichkeit sein.

Skifahren strapaziert Bänder und Muskeln - Gegen Prellung, Zerrung und Verstauchung helfen Kälteanwendungen, Ruhe und Vernunft

Zu schnell, unaufmerksam oder müde - und schon ist es passiert: Rund 45.000 Skifahrer und Skifahrerinnen landen pro Saison in der Unfallambulanz. "Die meisten Unfälle passieren zwischen 13.30 Uhr und 16 Uhr, wenn die Freizeitsportler erste Ermüdungserscheinungen zeigen", weist Unfallchirurg Christian Kaulfersch auf den Zusammenhang zwischen Überforderung und Verletzungsgefahr hin. Der Leiter des Departments für Unfallchirurgie im Schladminger Diakonissenkrankenhaus rät zur Vorbeugung: "In den Körper hineinhorchen, wenn man merkt, dass man müde wird, eine Pause einlegen oder aufhören. Weiterfahren, nur weil man seine Liftkarte ausnützen will, ist gefährlich."

Nicht jeder Sturz muss gleich im Operationssaal enden. Doch auch scheinbar harmlose Verletzungen können langwierige Folgen haben, wenn sie bagatellisiert werden. Kaulfersch: "Man sollte in jedem Fall zum Arzt, um auszuschließen, dass nicht doch mehr passiert ist." Denn durch falsche Erstbehandlung könnte alles noch schlimmer gemacht werden. Kaulfersch: "Meist geht man zuerst ins Hotel, leiht sich eine Salbe aus, schmiert fest und macht damit das Verkehrte. Diese Patienten landen dann nachts bei uns in der Ambulanz, weil es unerträglich pocht und schmerzt. "

Erste Hilfe bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen: Sofort kühlen (Schnee in Plastiksack füllen und auflegen), keine Salben oder Massagen, keine Wärme, keine durchblutungsfördernden Anwendungen. Es gilt die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagerung.

Wie unterscheidet man Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen? Eine Prellung (Kontusion) holt man sich durch einen Schlag oder Stoß, die Verletzung des Gewebes ist von außen nicht sichtbar. Geplatzte Blutgefäße oder eingerissene Muskelfasern lösen Entzündungen im Gewebe aus, Schwellung, und Bluterguss folgen.

Überdehnt man einzelne Muskelpartien und Bänder, kommt es zu einer Zerrung (Distension). Man kann das Gelenk zwar noch belasten, die betroffene Stelle schwillt aber stark an. Nach einer Erholungspause klingt der Schmerz zwar ab, taucht aber bei erneuter Belastung wieder auf.

Überdehnt oder überstreckt man Gelenkbänder, kann es zu einer schmerzhaften Verstauchung (Distorsion) kommen. Manchmal genügt ein Umknicken (Sprunggelenk) oder eine widerspenstige Schuhschnalle (Daumengrundgelenk), um Gelenkbänder schmerzhaft zu überdehnen.

Knie, Schulter, Hand

Die häufigsten Verletzungen betreffen bei Skifahrenden mit 30 bis 34 Prozent das Knie (Innenband, Kreuzband), mit 28 bis 30 Prozent die Schultern, bei Snowboardern zu 44 bis 46 Prozent Arme, Schultern, Handgelenke. Kopfverletzungen sind mit 16 Prozent stark gesunken, was Christian Kaulfersch auf die hohe Bereitschaft, Helme zu tragen, zurückführt. Kaulfersch: "Das zeigt, wie wichtig technischer Schutz ist. Deshalb plädiere ich auch für Rücken- und Handprotektoren. Für Snowboarder sollten sie selbstverständlich sein, aber auch Freerider und Freestyler brauchen sie."

Der sicherste Schneesport ist das Langlaufen. Wer wenig Sport macht, dann aber im Urlaub plötzlich Ehrgeiz entwickelt und jeden Tag auf der Loipe steht, riskiert jedoch Überlastungserscheinungen - häufig Sehnenentzündungen. "Sehnen- und Sehnenansatz- erkrankungen können auch durch falsches Schuhwerk entstehen", sagt Christian Gäbler, Sporttraumatologe und Leiter der Sport- ordination in Wien. Sehr häufig sieht er Achillessehnenentzündungen - vor allem bei Menschen über 30 Jahren, die einen Spreizfuß haben. Auch Übergewicht ist eine häufige Ursache für Sehnenentzündungen.

Als Therapie bietet er solchen Patienten eine Bestrahlung mit dem mobilen Repuls-Tiefenstrahllicht (150 Euro Miete für zwei Wochen) an. Zweimal täglich wird das betroffene Areal dann zu Hause in Licht gebadet, "das Rotlicht bereitet die Entzündungsmediatoren auf und fördert die Heilung", sagt Gäbler - abhängig nach Ausmaß und Grad der Entzündung dauere die Behandlung zwischen zwei und vier Wochen.

Soll man sich nach einer Verletzung gut bandagiert wieder auf die Piste wagen oder den Rest des Urlaubs auf der Hotelterrasse verbringen? Christian Kaulfersch: "Der Schmerz ist das Limit für die Aktivität. Wenn es wehtut, soll man den Sport vorerst sein lassen." Denn eine Knie-Innenbandverletzung, "eine vergleichsweise harmlose Sache", könnte durch mangelnde Schonung zu einer langwierigen Belastung werden, mahnt der Sportmediziner. "Und aus einer Handgelenkszerrung könnte sich bei einem erneuten Sturz ein Bruch ergeben."

Achtung Kaltfront

Wer in den nächsten Tagen Skiurlaub macht, sollte die Gefahr von Erfrierungen und Kältebrand nicht unterschätzen und sich gut gegen die Kälte schützen. Chris-tian Kaulfersch: "Man muss berücksichtigen, dass sich die Temperatur je nach Wind und Geschwindigkeit verdoppelt bis verdreifacht, so werden aus minus 10 Grad schnell minus 20 Grad." Bei Kindern sind vor allem die Finger gefährdet. Deshalb sollte bei Skihandschuhen auf hohen Kälteschutz geachtet werden. Das Gesicht schützt eine Gesichtsmaske und die gute alte Vaseline - dick aufgetragen. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 06.02.2012)

Share if you care