Fremdsprachen öffnen Türen

  • Versteht man eine Sprache, ist auch der Zugang zur Kultur leichter.
    foto: peter schmidt/pixelio.de

    Versteht man eine Sprache, ist auch der Zugang zur Kultur leichter.

Kulturen und Mentalitäten sind über Sprachen zugänglich - Wie man sich als Anfänger fühlt und was einen antreibt weiterzulernen, erzählt Uniport-Chef Bernhard Wundsam

STANDARD: Seit vergangenem Jahr stehen Sie neben Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, auch dem Innovationszentrum der Universität Wien (IUW) vor. Ein Teil des IUW sind das Sprachenzentrum und die Deutschkurse. Was bieten Sie dort an?

Wundsam: Man kann neben Deutsch aus bis zu 30 Fremdsprachen wählen - von Arabisch über Hindi, Schwedisch bis hin zu Türkisch oder die österreichische Gebärdensprache zum Beispiel. Das Spektrum ist groß und richtet sich an alle über 16-Jährigen - wir liegen damit im klassischen Erwachsenenbildungssegment.

Das Sprachenzentrum gibt es seit zehn Jahren, und es steht auch Interessierten außerhalb der Universität Wien offen. Wir bieten auch Sprachkurspakete für Firmen an. Und: In diesem Jahr feiern wir das Jubiläum "90 Jahre Deutschkurse". Für Herbst sind bereits Veranstaltungen geplant.

STANDARD: Sie selbst haben neben dem Studium der Internationalen Betriebswirtschaft ein Französisch-Englisch-Dolmetsch/ÜbersetzerStudium absolviert. Was reizt Sie am Fremdsprachenlernen?

Wundsam: Für mich war das Eintauchen in eine andere, fremde Kultur immer spannend. Ich bin ein Grammatik-Freak, ich möchte immer zuerst die Struktur hinter der Sprache verstehen, um sie dann auf freiem Feld auszuprobieren. Das Erlernen von Fremdsprachen hatte aber auch immer etwas Spielerisches für mich.

STANDARD: Über Sprachen erfährt man auch zentrale Elemente der jeweiligen Kulturen. Bei den Inuit gibt es unzählige Wörter für Schnee, oder in Japan ganz viele Bezeichnungen für Reis ...

Wundsam: Stimmt. Aber vor allem habe ich sehr vieles über die jeweilige Mentalität gelernt.

STANDARD: Können Sie auf Französisch etwas besser ausdrücken als auf Deutsch?

Wundsam: Über viele Jahre ist mir aus dem Französischen das Wort "convivialité" nicht aus dem Sinn gegangen. Die deutsche Übersetzung, die noch am ehesten passt, ist "Gastlichkeit". Aber ganz zu fassen ist der französische Begriff damit nicht. Convivialité ist eine Mischung aus Gastlichkeit und gemeinsam erlebter Lebensfreude, Zeit miteinander zu verbringen, zum Beispiel gemeinsam zu essen. Es ist nicht einfach zu beschreiben. Man sollte Menschen dazu befragen, die mehrsprachig aufgewachsen sind, so wie Sie. Wie ist das bei Ihnen?

STANDARD: Gute Frage. Im Japanischen zum Beispiel spielt die Introspektion eine große Rolle. Da gibt es auch ein großes Repertoire an Vokabeln, wie ich finde. Ich kann auf Japanisch meine Gefühle präziser ausdrücken als im Deutschen. Das liegt vielleicht aber nur an mir. Haben Sie über eine Fremdsprache auch andere Facetten von sich kennengelernt?

Wundsam: Ja, ganz bestimmt. Dazu gibt es aber auch schon reichlich Theorie - zum Beispiel von Paul Watzlawick über Sprache und Wirklichkeit. Ich persönlich habe über das Erlernen und Ausprobieren einer Fremdsprache sogar sehr viel über mich selbst gelernt.

STANDARD: Inwiefern?

Wundsam: Man bewegt sich in einem fremden Umfeld und mit einem anfangs eher beschränkten Wortschatz zunächst vorsichtig und durchläuft verschiedene Stadien der Integration. Zu Beginn sitzt man da und kann als Einziger nicht über einen Witz lachen, weil man die Pointe nicht verstanden hat. Allmählich beginnt man eine Sprache zu absorbieren, zu genießen und schließlich zu leben.

STANDARD: Und Ihr exotischster Fremdsprachenversuch?

Wundsam: Tschechisch - aber nur zwei Semester lang. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

BERNHARD WUNDSAM (35) ist Geschäftsführer von Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, und des Innovationszentrums der Universität Wien (IUW). Am IUW sind 150 Sprachlehrer beschäftigt; 2011 zählte man rund 12.500 Kursteilnehmer.

Links

www.deutschlernen.at

www.sprachenzentrum.at

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