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Versteht man eine Sprache, ist auch der Zugang zur Kultur leichter.
STANDARD: Seit vergangenem Jahr stehen Sie neben Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, auch dem Innovationszentrum der Universität Wien (IUW) vor. Ein Teil des IUW sind das Sprachenzentrum und die Deutschkurse. Was bieten Sie dort an?
Wundsam: Man kann neben Deutsch aus bis zu 30 Fremdsprachen wählen - von Arabisch über Hindi, Schwedisch bis hin zu Türkisch oder die österreichische Gebärdensprache zum Beispiel. Das Spektrum ist groß und richtet sich an alle über 16-Jährigen - wir liegen damit im klassischen Erwachsenenbildungssegment.
Das Sprachenzentrum gibt es seit zehn Jahren, und es steht auch Interessierten außerhalb der Universität Wien offen. Wir bieten auch Sprachkurspakete für Firmen an. Und: In diesem Jahr feiern wir das Jubiläum "90 Jahre Deutschkurse". Für Herbst sind bereits Veranstaltungen geplant.
STANDARD: Sie selbst haben neben dem Studium der Internationalen Betriebswirtschaft ein Französisch-Englisch-Dolmetsch/ÜbersetzerStudium absolviert. Was reizt Sie am Fremdsprachenlernen?
Wundsam: Für mich war das Eintauchen in eine andere, fremde Kultur immer spannend. Ich bin ein Grammatik-Freak, ich möchte immer zuerst die Struktur hinter der Sprache verstehen, um sie dann auf freiem Feld auszuprobieren. Das Erlernen von Fremdsprachen hatte aber auch immer etwas Spielerisches für mich.
STANDARD: Über Sprachen erfährt man auch zentrale Elemente der jeweiligen Kulturen. Bei den Inuit gibt es unzählige Wörter für Schnee, oder in Japan ganz viele Bezeichnungen für Reis ...
Wundsam: Stimmt. Aber vor allem habe ich sehr vieles über die jeweilige Mentalität gelernt.
STANDARD: Können Sie auf Französisch etwas besser ausdrücken als auf Deutsch?
Wundsam: Über viele Jahre ist mir aus dem Französischen das Wort "convivialité" nicht aus dem Sinn gegangen. Die deutsche Übersetzung, die noch am ehesten passt, ist "Gastlichkeit". Aber ganz zu fassen ist der französische Begriff damit nicht. Convivialité ist eine Mischung aus Gastlichkeit und gemeinsam erlebter Lebensfreude, Zeit miteinander zu verbringen, zum Beispiel gemeinsam zu essen. Es ist nicht einfach zu beschreiben. Man sollte Menschen dazu befragen, die mehrsprachig aufgewachsen sind, so wie Sie. Wie ist das bei Ihnen?
STANDARD: Gute Frage. Im Japanischen zum Beispiel spielt die Introspektion eine große Rolle. Da gibt es auch ein großes Repertoire an Vokabeln, wie ich finde. Ich kann auf Japanisch meine Gefühle präziser ausdrücken als im Deutschen. Das liegt vielleicht aber nur an mir. Haben Sie über eine Fremdsprache auch andere Facetten von sich kennengelernt?
Wundsam: Ja, ganz bestimmt. Dazu gibt es aber auch schon reichlich Theorie - zum Beispiel von Paul Watzlawick über Sprache und Wirklichkeit. Ich persönlich habe über das Erlernen und Ausprobieren einer Fremdsprache sogar sehr viel über mich selbst gelernt.
STANDARD: Inwiefern?
Wundsam: Man bewegt sich in einem fremden Umfeld und mit einem anfangs eher beschränkten Wortschatz zunächst vorsichtig und durchläuft verschiedene Stadien der Integration. Zu Beginn sitzt man da und kann als Einziger nicht über einen Witz lachen, weil man die Pointe nicht verstanden hat. Allmählich beginnt man eine Sprache zu absorbieren, zu genießen und schließlich zu leben.
STANDARD: Und Ihr exotischster Fremdsprachenversuch?
Wundsam: Tschechisch - aber nur zwei Semester lang. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)
BERNHARD WUNDSAM (35) ist Geschäftsführer von Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, und des Innovationszentrums der Universität Wien (IUW). Am IUW sind 150 Sprachlehrer beschäftigt; 2011 zählte man rund 12.500 Kursteilnehmer.
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schöner artikel! stehe auch voll auf die grammatik weil sie die grundstruktur einer anderen sprache/ denkens ist. da versteht man viel über ein anderes land. und manche worte sind wirklich kaum übersetzbar, es gibt keine begriffe dafür. bücher, filme, wirklich gute übersetzungen gibt es selten ..
...den VHS u.a. Kursanbietern so viele Kurse wie möglich abspenstig zu machen, um so viel wie möglich am €-Kuchen mitschneiden zu können.
Denn eines verwundert schon: Trotz der "liaben" Beispiele von convivialité, die Herr Wundsam hier auftischt, wird im Artikel vergessen, dass all diese Kurse voll kostenpflichtig sind - auch wenn man eh schon Studiengebühren berappt hat.
Im Grunde geht es nämlich der Uni überhaupt nicht darum, ob man jetzt 1 Wort oder 25 für Schnee/Reis/Gastfreundschaft kennt (paperlapap!), sondern darum, dass Studierende ordentlich zahlen, um sicherzustellen, dass der Elitekader der UNI nicht zu kurz kommt.
Erkrankt ein/e Teilenehmer/in sind die Stunden verloren. Auch das wurde komischerweise nicht thematisiert.
und nicht Linguist und Fremdsprachen-Pädagoge. Das zeigt ja auf, dass es dem IUW vorrangig ums Geschäft geht.
Wie schlecht er wissenschaftlich für den Job aufgestellt ist, zeigen die Kalauer mit "convivialité" und Mentalität... Und wenn das Tschechische schon exotisch und nicht bewältigbar ist, kann es mit den strukturellen Kenntnissen der Grammatik per se nicht weit her sein.
Nicht für Deutschsprechende! Die beiden Sprachen haben so lange nebeneinander existiert, dass das Tschechische sehr viel vom Deutschen angenommen hat.
Wenn ich nicht weiß wie ich auf Tschechisch etwas formulieren soll verwende ich die wörtliche deutsche Übersetzung - die tschechische Kollegin geht den umgekehrten Weg.
Das passt in mehr als 50% der Fälle. Bei Englisch oder Spanische sollte man das nicht versuchen.
Und:
Bitte nicht schon wieder die längst dekonstruierte Legende von den Inuit-Schneewörtern.
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