Ungehorsame protestieren gegen Auflösung von Pfarren

  • Helmut Schüller ist Proponent der Pfarrer-Initiative. In ihrem ersten Schreiben rief sie zum "Ungehorsam" auf.
    foto: apa/pfarrhofer

    Helmut Schüller ist Proponent der Pfarrer-Initiative. In ihrem ersten Schreiben rief sie zum "Ungehorsam" auf.

Auch die Zusammenlegung von Pfarren und die Abhaltung mehrerer Eucharestiefeiern am Wochenende werden kritisiert

Wien - Nach ihrem "Aufruf zum Ungehorsam" hat die Pfarrer-Initiative ein weiteres Postulat auf ihrer Website veröffentlicht. Der "Protest für eine glaubwürdige Kirche" wendet sich unter anderem gegen die geplante Zusammenlegung bzw. Auflösung von Pfarren. Die Geistlichen wollen damit "dem gegenwärtigen Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein entschiedenes 'Nein'" entgegensetzen, heißt es in der Einleitung.

Eucharistie als "oberflächliches Ritual"

Fünfmal sagen die Pfarrer Nein. So mache sie die Übernahme weiterer Pfarren zu "reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern, denen die eigentliche Seelsorge entgleitet". Auch gegen die Abhaltung von mehr Eucharistiefeiern am Wochenende wehren sich die Pfarrer, "weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual und allzu routinierter Rede werden". Bei der Zusammenlegung bzw. Auflösung der Pfarren werde wiederum "der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen".

"Pflichterfüllungsstress" der Pfarrer

Die Initiative klagt auch abermals über die "Überforderung der Pfarrer", die man in einen "mehrfachen Pflichterfüllungsstress" dränge. Zeit und Kraft für ein geistliches Leben würden wegadministriert und Dienste weit über das Pensionsalter hinaus beansprucht. Schließlich gibt es auch das bekannte Nein zu einem allzu "harten" und "unbarmherzigen Urteil" der Kirche über wiederverheiratete Geschiedene, gleichgeschlechtlich Liebende sowie Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung eingingen, sowie "über die vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen als einem von Menschen gemachten Gesetz".

Schönborn sieht konstruktive Gesprächsbasis

Kardinal Christoph Schönborn kann dem neuen Protestschreiben der Pfarrer-Initiative Positives abgewinnen. Dieses könne "in seiner Konzentration auf die Arbeitsbedingungen der Pfarrer der Versachlichung der Auseinandersetzung dienen", sagte er am Freitag gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur "Kathpress". Und weiter: "Auch wenn wir uns nach wie vor in den Lösungsansätzen unterscheiden, sehe ich eine konstruktive Gesprächsbasis."(APA)

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