Auch die Zusammenlegung von Pfarren und die Abhaltung mehrerer Eucharestiefeiern am Wochenende werden kritisiert
Wien - Nach ihrem "Aufruf zum Ungehorsam" hat die
Pfarrer-Initiative ein weiteres Postulat auf ihrer Website
veröffentlicht. Der "Protest für eine glaubwürdige Kirche" wendet
sich unter anderem gegen die geplante Zusammenlegung bzw. Auflösung
von Pfarren. Die Geistlichen wollen damit "dem gegenwärtigen
Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des
Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein
entschiedenes 'Nein'" entgegensetzen, heißt es in der Einleitung.
Eucharistie als "oberflächliches Ritual"
Fünfmal sagen die Pfarrer Nein. So mache sie die Übernahme
weiterer Pfarren zu "reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern,
denen die eigentliche Seelsorge entgleitet". Auch gegen die Abhaltung
von mehr Eucharistiefeiern am Wochenende wehren sich die Pfarrer,
"weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual
und allzu routinierter Rede werden". Bei der Zusammenlegung bzw.
Auflösung der Pfarren werde wiederum "der Mangel zum Gesetzgeber
erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer
Kirchengesetze abzuhelfen".
"Pflichterfüllungsstress" der Pfarrer
Die Initiative klagt auch abermals über die "Überforderung der
Pfarrer", die man in einen "mehrfachen Pflichterfüllungsstress"
dränge. Zeit und Kraft für ein geistliches Leben würden
wegadministriert und Dienste weit über das Pensionsalter hinaus
beansprucht. Schließlich gibt es auch das bekannte Nein zu einem
allzu "harten" und "unbarmherzigen Urteil" der Kirche über
wiederverheiratete Geschiedene, gleichgeschlechtlich Liebende sowie
Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung
eingingen, sowie "über die vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen
als einem von Menschen gemachten Gesetz".
Schönborn sieht konstruktive Gesprächsbasis
Kardinal Christoph Schönborn kann dem neuen Protestschreiben der Pfarrer-Initiative Positives abgewinnen. Dieses könne "in seiner Konzentration auf die Arbeitsbedingungen der Pfarrer der Versachlichung der Auseinandersetzung dienen", sagte er am Freitag gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur "Kathpress". Und weiter: "Auch wenn wir uns nach wie vor in den Lösungsansätzen unterscheiden, sehe ich eine konstruktive Gesprächsbasis."(APA)