Gewichtsverlust als möglicher Hinweis auf Krebs

3. Februar 2012, 12:27
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Bei der krebsbedingten Mangelernährung kommt es vor allem zum Verlust von Muskelgewebe

Linz - Der morgige Weltkrebstag steht international im Zeichen der Vorsorge. In diesem Zusammenhang sollte jedoch nicht nur an die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen beim Haus- oder Facharzt gedacht werden, sondern auch an die aufmerksame Wahrnehmung von Veränderungen am eigenen Körper.

Bei bis zu 70 Prozent aller Krebspatienten macht sich die Tumorerkrankung bereits Monate vor der Diagnosestellung durch einen - zum Teil sehr deutlichen - Gewichtsverlust bemerkbar. Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber auch der Lungenkrebs, sind typische Beispiele für Tumorerkrankungen, bei denen Betroffene mehrere Kilogramm Körpergewicht verlieren. Bei circa einem Drittel der Patienten beträgt der Verlust sogar mehr als 10 Prozent ihres ursprünglichen Gewichts, noch bevor die Erkrankung überhaupt diagnostiziert wird. 

Scheinbar grundloser Gewichtsverlust

Brust-, Prostata- oder Dickdarmkrebs bedingen, dass jeder fünfte Patient innerhalb weniger Monate im Schnitt 5 Kilogramm ungewollt abnimmt. Dem unerwarteten Gewichtsverlust wird nach wie vor häufig keine besondere Beachtung geschenkt, ganz im Gegenteil: ein paar Kilogramm weniger auf der Waage sind anfänglich für viele Menschen eher Anlass zur Freude als zur Besorgnis. Eine genaue Unterscheidung, ob der Gewichtsverlust bewusst, beispielsweise durch eine Diät herbeigeführt wurde, ob psychisch belastende Situationen wie eine Trennung beziehungsweise der Tod eines Angehörigen den Appetit hemmen oder ob jemand ohne erkennbaren Grund Gewicht verliert, ist hier besonders wichtig", sagt Wolfgang Sieber, Intensivmediziner und Leiter des Ernährungsteams am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, und ergänzt: "Nur die unbeabsichtigte Gewichtsabnahme über einen Zeitraum von mehreren Monaten kann ein Warnzeichen für eine bösartige Erkrankung sein."

In diesem Fall ist es ratsam, rasch den Hausarzt aufzusuchen. Während der Körper im Zuge einer Diät Fettgewebe abbaut, kommt es bei der krebsbedingten Abnahme vor allem zum Verlust von Muskelgewebe. "Dies erklärt, warum sich Betroffene trotz Gewichtsabnahme nicht gesünder und vitaler, sondern eher schwächer und zum Teil müde fühlen", betont Sieber. Der "Substanzverlust" kostet dem Körper Kraft, sodass Patienten schlechter auf Therapien ansprechen, anfälliger für Nebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapie werden und sich die Heilungschancen insgesamt verringern. "Die gute Nachricht ist, dass für diese Patienten mit einer gezielten Ernährungstherapie viel getan werden kann", sagt Sieber.

Studien belegen, dass spezielle medizinische Kostformen nicht nur eine weitere, tumorbedingte Gewichtsabnahme verhindern, sondern dass Patienten auch besser auf Therapien ansprechen sowie weniger Nebenwirkungen zeigen, die Lebenserwartung steigt und die Lebensqualität deutlich zunimmt. Außerdem verringert sich die Anfälligkeit für Begleiterkrankungen, insbesondere Infektionen.

Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz werden die Patienten mittlerweile auf fast allen Bettenstationen am Aufnahmetag auf eine mögliche Mangelernährung untersucht und wöchentliche Verlaufskontrollen durchgeführt. Falls erforderlich, wird eine spezielle Ernährungstherapie eingeleitet, zusätzlich erfolgt einmal wöchentlich gezielt eine Ernährungsvisite, um den Patienten individuell in Ernährungsfragen zu beraten und zu behandeln. "Seit wir dieses systematische 'Ernährungs-Screening' durchführen, beobachten wir eine deutliche Zunahme der Sensibilität aller Mitarbeiter das Thema Mangelernährung betreffend, wovon natürlich in erster Linie unsere Patienten profitieren", erklärt der Ernährungsexperte. Das Heimtückische an der Mangelernährung ist, dass sie von außen oft nicht erkennbar ist, denn auch übergewichtige Menschen können mangelernährt und somit vom Abbau der Muskelmasse betroffen sein. Daher wird die Mangelernährung auch in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen nach wie vor häufig übersehen. (red)

 

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