Welt-Krebstag

Krebs - Übergewicht als Risikofaktor

4. Februar 2012, 08:00

Gesicherter Zusammenhang mit Nieren-, Darm- und Brustkrebs

Heidelberg - Übergewicht und Adipositas bedeuten nicht nur mehr Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar betonten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg die Bedeutung dieser Faktoren für die Gefährdung, an Krebs zu erkranken. Übergewicht und Fettleibigkeit könnten sogar dem Rauchen den Rang als Krebsrisikofaktor Nummer eins ablaufen.

Zu den Erkrankungen, bei denen ein gesicherter Zusammenhang zu Übergewicht besteht, zählen laut den Experten Nieren-, Darm-, Brustkrebs nach den Wechseljahren sowie vor allem Karzinome der Speiseröhre und der Gebärmutterschleimhaut. Zahlreiche epidemiologische Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte kämen zu dem Ergebnis, dass in westlichen Industrieländern etwa die Hälfte aller Krebstodesfälle durch Umwelt- und Lebensstilfaktoren verursacht werden und daher grundsätzlich vermeidbar wären, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung des DKFZ.

Doch der Beitrag einzelner Faktoren zum Gesamtkrebsrisiko wird heute anders eingeschätzt als noch vor einigen Jahren. "Inzwischen sind wir an einem Punkt, an dem wir die Fettleibigkeit als Krebsrisikofaktor mindestens genauso ernst nehmen müssen wie das Rauchen", sagte Otmar Wiestler, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Viszerales Fettgewebe

DKFZ-Epidemiologe Rudolf Kaaks hält es für noch aussagekräftiger, die Krebsarten, bei denen Übergewicht erwiesenermaßen eine Rolle spielt, getrennt zu betrachten: So gelte in der Hälfte der Fälle von Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) Übergewicht als Ursache, beim häufigen Brustkrebs nach den Wechseljahren gehen nach heutigen Schätzungen etwa 20 Prozent auf das Konto von Übergewicht und Fettleibigkeit.

Die Steigerung des Krebsrisikos durch Übergewicht genau abzuschätzen, wird auch durch uneinheitliche Definitionen erschwert. Es mehren sich außerdem die Hinweise darauf, dass der meist verwendete "Body Mass Index" (BMI) kein ideales Maß für gefährliche Fettleibigkeit ist. "Es spricht vieles dafür, dass vor allem das sogenannte viszerale Fett zwischen den Bauchorganen eine gefährliche Rolle bei der Krebsentstehung spielt. Davon können auch relativ schlanke Personen zu viel angesammelt und dadurch ein erhöhtes Krebsrisiko haben", warnte Kaaks.

Welche physiologischen Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Krebs bestehen, erforschte Stephan Herzig, Stoffwechselexperte im DKFZ: "Veränderte Insulin- und Geschlechtshormon-Spiegel werden lange schon als Ursache diskutiert. Inzwischen wissen wir, dass auch die sogenannten Adipokine, Hormone, die das Fettgewebe selbst ausschüttet, das Krebswachstum fördern." Außerdem gilt unter Stoffwechsel-Fachleuten die Fettleibigkeit als chronisch-entzündlicher Zustand; die zahlreichen Entzündungszellen im Fettgewebe geben entzündungsfördernde Botenstoffe ab, was die Krebsentstehung begünstigt. Laut den Fachleuten können Übergewichtige vor allem durch mehr körperliche Aktivität ihr Krebsrisiko senken. Hier sei der Effekt größer als der dokumentierte Gewichtsverlust. (APA)

 

Toeris
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Und woran sterben die Schlanken? Oder leben die ewig?

gays-come-first
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wuerde ich mich aergern, stuerbe ich als gesunder mensch.

Parazelsus
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Also ist jede/r Übergewichtige statistisch gesehen gefährdet. Hat man eigentlich in der Statistik auch berücksichtigt, wieviele Fettleibige eben nicht an Krebs erkanken? Erst dann kann man von einem ursächlichen Zusammenhang sprechen!

Das bin doch ich!
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Der Rest erkrankt eben an Diabetes, Schlaganfall, Herzinfarkt und sonstigen Übergewichtsfolgen.

martinus
 
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Ja, hat man. Man teilt die Personen z.B. in 5 gruppen auf, von ganz dünn bis ziemlich dick, und schaut sich pro Gruppe an wieviele an Krebs erkranken. Das Ergebnis ist: je dicker, desto häufiger tritt Krebs auf. So stellt man aber nur eine korrelation fest, keinen kausalen Zusammenhang. Das ist viel schwerer; dazu muss man wissen was im Körper vor sich geht. Es könnte sein das dick sein selber kein Problem ist, aber der Grund des dick werdens auch der Grund für Krebs ist. Craig Thompson (Chef vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center) meint dazu dass der Konsum von Fett das Krebsrisiko gar nicht erhöht, Proteine etwas, und Kohlenhydrate dramatisch. Zu viele Kohlenhydrate (=> Insulinresidenz) sind der Hauptgrund wieso jemand dick ist.

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