Berufungsprozess: Gericht erhöht Strafmaß für Ex-Gefängnischef Duch - Ersturteil hatte große Empörung ausgelöst
Phnom Penh - Der einstige Folterchef der Roten
Khmer in Kambodscha, Kaing Guek Eav, genannt "Duch", muss lebenslang
hinter Gitter. Damit wurde die Haftstrafe im Berufungsprozess vor dem
von den Vereinten Nationen unterstützten Völkermordtribunal am
Freitag in Phnom Penh verlängert. Der 68-jährige ehemalige
Mathematiklehrer war 2010 zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Die
Strafe wurde jedoch auf 19 Jahre reduziert, da er vor der
Verurteilung bereits im Gefängnis gesessen war. Diese Entscheidung
hatte Empörung bei den Überlebenden der Schreckensherrschaft der
Roten Khmer und den Hinterbliebenen der Opfer hervorgerufen.
15.000 Häftlinge gefoltert und ermordet
Duch leitete das berüchtigte Gefängnis Tuol Sleng (S-21) in Phnom
Penh, in dem zwischen 1975 und 1979 rund 15.000 Insassen gequält und
auf grauenhafte Weise umgebracht worden waren. Das aus 17
kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten
ausländischen Juristen bestehende Sondertribunal war 2006 nach fast
zehnjährigen Verhandlungen errichtet worden. Ihm sind enge Grenzen
gesteckt, andernfalls wäre seine Einsetzung am Veto Chinas, der
früheren Schutzmacht der Roten Khmer, gescheitert. Die Roten Khmer
unter Pol Pot waren 1975 an die Macht gekommen. In den knapp vier
Jahren ihrer durch eine vietnamesische Militärintervention beendeten
Terrorherrschaft kamen bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben,
viele durch Hungersnöte und Zwangsarbeit. Ex-Diktator Pol Pot starb
1998 in einem Dschungelversteck an der thailändischen Grenze.
Ziel der Roten Khmer war es, das südostasiatische Land in eine
kollektivistische Agrargesellschaft umzuwandeln. Die Angehörigen der
Intelligenz wurden systematisch ausgerottet. Nach ihrem Sturz durch
die vietnamesische Armee zogen sich die Roten Khmer in den Dschungel
zurück und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie behielten den
UNO-Sitz und führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die
Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom
Penh. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser
Friedensabkommens, das die Voraussetzung für eine große
UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen schuf.
Tribunal-Mitarbeitern geht das Geld aus
Vor dem Tribunal müssen sich noch der Chefideologe der Roten
Khmer, Nuon Chea, Ex-Staatschef Khieu Samphan und der frühere
Außenminister Ieng Sary sowie dessen Frau Ieng Thirith verantworten.
Ihnen werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit vorgeworfen.
Rund 300 für das Tribunal arbeitende Kambodschaner werden
in diesem Monat nicht entlohnt. Einige der Angestellten wurden
bereits seit Oktober nicht mehr bezahlt, sagte der Sprecher des
Tribunals, Neth Pheaktra. Die ausländischen Angestellten des
Strafgerichtshofes werden von der UNO bezahlt, doch die
kambodschanischen Angestellten, die rund zwei Drittel des
Mitarbeiterstabes ausmachen, von der kambodschanischen Regierung.
Diese finanziert die Gehälter aus Spenden der internationalen
Gemeinschaft, die immer geringer würden, wie es hieß. (APA/Reuters)