"3" übernimmt Orange - A1 holt sich Yesss!

  • "3"-Chef Jan Trionow freut sich über 2,8 Millionen Kunden - "3" hat sich den Kauf von Orange 1,3 Milliarden Euro kosten lassen, nimmt davon aber 390 Millionen Euro durch den Weiterverkauf der Orange-Diskonttochter Yesss! an Marktführer A1 wieder ein.
Yesss! hatte zuletzt laut Firmen-Compass lediglich 15 Mitarbeiter und deutlich rückläufige Umsätze. Allerdings hat A1 auch die Markenrechte von One erworben. Marktbeobachtern zufolge sollen diese vor dem Markenwechsel von One zu Orange weit mehr als 100 Millionen Euro wert gewesen sein. Warum "3" nicht gleich auch Yesss! mit übernommen hat, begründet der "3"-Boss mit der Einmarkenstrategie des Unternehmens. "Wir wollten uns auf eine Kernmarke konzentrieren", meinte er.
Der Kauf von Orange muss noch in Brüssel abgesegnet werden, die 
Yesss!-Übernahme durch A1 (Telekom Austria) muss in Österreich von der 
Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und der Telekom-Regulierungsbehörde RTR 
genehmigt werden.
    foto: ronald zak/dapd

    "3"-Chef Jan Trionow freut sich über 2,8 Millionen Kunden - "3" hat sich den Kauf von Orange 1,3 Milliarden Euro kosten lassen, nimmt davon aber 390 Millionen Euro durch den Weiterverkauf der Orange-Diskonttochter Yesss! an Marktführer A1 wieder ein.

    Yesss! hatte zuletzt laut Firmen-Compass lediglich 15 Mitarbeiter und deutlich rückläufige Umsätze. Allerdings hat A1 auch die Markenrechte von One erworben. Marktbeobachtern zufolge sollen diese vor dem Markenwechsel von One zu Orange weit mehr als 100 Millionen Euro wert gewesen sein. Warum "3" nicht gleich auch Yesss! mit übernommen hat, begründet der "3"-Boss mit der Einmarkenstrategie des Unternehmens. "Wir wollten uns auf eine Kernmarke konzentrieren", meinte er.

    Der Kauf von Orange muss noch in Brüssel abgesegnet werden, die Yesss!-Übernahme durch A1 (Telekom Austria) muss in Österreich von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und der Telekom-Regulierungsbehörde RTR genehmigt werden.

  • Artikelbild
    vergrößern 1039x827

Mobilfunkmarkt schrumpft von vier auf drei Anbieter - Wettbewerbsbehörde: "Paket so schwer vorstellbar"

Seit heute hat Österreich einen Mobilfunkbetreiber weniger - und einen umso größeren Marktführer. Der viertgrößte Netzanbieter "3" hat den drittgrößten Betreiber "Orange" für 1,3 Milliarden Euro gekauft. Gleichzeitig gibt "3" die Orange-Tochter "Yesss!" für 390 Mio. Euro an den Platzhirsch A1 ab, der damit 750.000 "Yesss!"-Kunden sowie einen Teil der Orange-Frequenzen und -Technik erhält. Orange wird vorerst als eigene Marke weitergeführt, soll aber letztendlich in "3" aufgehen. Der neue Orange-Eigentümer erhofft sich Synergieeffekte von mindestens 500 Mio. Euro. Sollte die Rechnung aufgehen muss "3" noch bis zu 70 Mio. Euro an den Orange-Teilhaber "Mid Europa Partners" zahlen.

Bundeswettbewerbsbehörde hat umgehend Bedenken geäußert

Der Deal steht unter dem Vorbehalt der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung aus Brüssel und Wien, wobei die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) heute umgehend Bedenken geäußert hat. "Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar", sagte BWB-Sprecher Stefan Keznickl am Freitag. Die Übernahme von Orange durch "3" und der Weiterverkauf von Yesss! an A1 bedeute eine Reduktion auf drei Anbieter "und damit eine Reduktion des Wettbewerbs". Keznickl schränkte aber ein, dass der Behörde derzeit noch keine näheren Informationen der Netzbetreiber vorliegen würden.

"Wir werden uns weiter preisaggressiv verhalten"

"3"-Chef Jan Trionow versicherte am Freitag vor Journalisten, dass sich für die Orange-Kunden "vorerst" nichts ändere und der Preiskampf fortgesetzt werde. "Der Wettbewerb wird intensiv bleiben. Wir haben viel vor und wollen ein Drittel des Marktes erreichen. Wir werden uns weiter preisaggressiv verhalten."

Mitarbeiter

Das Management von "3" übernimmt das Ruder bei Orange, Orange-Boss Krammer wird das Unternehmen nach dem endgültigen Closing verlassen. Orange hat derzeit rund 800 Mitarbeiter, "3" ca. 570. Wie viele nach der abgeschlossenen Übernahme übrigbleiben werden, wollte Trionow nicht beziffern. Aber auch im Personalbereich werde es Veränderungen geben. Die bestehenden Lieferverträge für die Infrastruktur laufen weiter, weitere Details müssten noch geklärt werden. Offen sei auch, ob der Orange-Standort in Wien-Floridsdorf erhalten bleibt. "3" hat das Hauptquartier im Wiener Gasometer.

T-Mobile mahnt

Die Nummer zwei am Mobilfunkmarkt, T-Mobile Austria, mahnte heute jedenfalls schon einmal eine genaue Wettbewerbsprüfung ein. "Insbesondere die Abgabe der Frequenzpakete 2100, 2600 und 900 MHz an die A1 Telekom Austria bedarf aus unserer Sicht noch einer genauen Prüfung durch die zuständigen Behörden", teilte T-Mobile-Chef Robert Chvatal mit.

"3 wird versuchen die Nummer zwei zu werden"

Orange-Chef Michael Krammer erwartet von der Übernahme Vorteile für die Kunden und den Wirtschaftsstandort. Ins gleiche Horn stößt auch Martin Reitenspieß, Vice Präsident der Abteilung CMT beim internationalen Berater Booz & Company. "'3' wird versuchen die Nummer zwei zu werden", meinte er. Österreich sei jetzt schon im europäischen Vergleich ein Billig-Tarif-Land, mit oder ohne Übernahme wäre es ohnehin nicht mehr weit nach unten gegangen. Von dem Kauf würde jedenfalls der Wirtschaftsstandort Österreich profitieren, da nun mehr Geld für Investitionen ins Netz - wie zum Beispiel in die nächste Mobilfunkgeneration LTE ("Long Term Evolution, 4G) - vorhanden wäre.

Rechnung ohne Hutchison-Konzernchef Li Ka-Shing gemacht

Krammer übergibt mit Orange eines der 150 größten Unternehmen des Landes. Marktbeobachter wunderten sich bei Auftauchen der Übernahmegerüchte, wie es sein könne das die profitable Orange von einem Unternehmen gekauft werde, das selbst nach Jahren nur sehr schwer aus den Startlöchern kam. Branchenweit war erwartet worden, dass bei einer Marktkonsolidierung "3" geschluckt werde. Aber es wurde die Rechnung ohne Hutchison-Konzernchef Li Ka-Shing gemacht, der sehr viel Geld in die Hand nahm und einen gewaltigen Netzausbau initiierte sowie die Konkurrenz mit Kampfpreisen irritierte. Ka-Shing war mit 12 Jahren von China in die damalige britische Kronkolonie Hongkong geflüchtet und gilt heute als reichster Mann Asiens.

Der neue Markt

Orange Österreich befand sich bisher zu 65 Prozent im Besitz der Investorengruppe "Mid Europa Partners", 35 Prozent hielt France Telecom.  Orange war einst aus Connect Austria entstanden, daraus wurde die Marke One und im Sommer 2007 nach Einstieg der Franzosen Orange. France Telecom hatte 1,4 Mrd. Euro für das Unternehmen bezahlt. "Yesss!" hat 740.000 Kunden und erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 56,4 Mio. Euro. Der von der Telekom Austria Group vielbeachtete Cash Flow betrug 2,37 Mio. Euro. Der Umsatz hatte sich von 2007 bis 2010 fast halbiert. Das Unternehmen sei aber schuldenfrei und ermögliche es der Telekom Austria, "Kunden zu gewinnen, welche die bestehende Kundenbasis ergänzen", hieß es von A1. Interessantes Detail am Rande: A1 sicherte sich auch die Markenrechte für "One".

Preisdruck

Durch den hohen Preisdruck in Österreich haben die Handynetzbetreiber zuletzt ihre Zusammenarbeit intensiviert. So betreibt "3" seit kurzem ein "National Roaming Abkommen" mit "T-Mobile". Ab Mitte 2012 helfen sich die Provider gegenseitig bei der Netzabdeckung im ländlichen Raum. "3" kann das 2G-Mobilfunknetz von T-Mobile nutzen und T-Mobile das 3G-Netz von "3". Eine weitere Kooperation gibt es seit April 2011 zwischen "Orange" und "T-Mobile". Sie wollen sich beim UMTS-Netzausbau am Land Antennen und Kosten teilen, die erhoffte Ersparnis wurde mit jeweils 30 Mio. Euro beziffert. (APA)

Share if you care