Gehirnveränderungen machen für Drogen anfällig
Cambridge - Was ist zuerst da: Die Drogensucht, die das Verhalten verändert,
oder Anomalien, die für Sucht anfällig machen? Auf zweiteres weist eine im
US-Journal Science veröffentlichte Studie von Forschern der britischen
Universität Cambridge hin. Sie untersuchten Drogenabhängige sowie ihre gesunden
Geschwister und stellten Veränderungen im Gehirn sowie Schwierigkeiten bei der
Kontrolle von Impulsen fest.
Für die Studie untersuchten die Forscher 50 Geschwisterpaare und verglichen
sie mit 50 gesunden Menschen, die ähnlich alt und intelligent waren. Bei der
Lösung von Aufgaben reagierten die Geschwister langsamer und zeigten bei
Hirnscans Abweichungen in der weißen Substanz des Gehirns. "Die
Nervenverbindungen im Frontalhirn waren weniger effizient als bei der
Vergleichsgruppe", sagte die deutsche Psychologin Karen Ersche, die seit zehn
Jahren in Cambridge arbeitet.
Die Geschwisterpaare hatten häufiger eine schwere Kindheit und beispielsweise
mit häuslicher Gewalt zu kämpfen. Das Risiko, von Stimulanzien wie Kokain oder
Amphetaminen abhängig zu werden, sei achtfach höher, wenn es bereits Drogen-
oder Alkoholabhängigkeit in der Familie gibt. Das sei ein Hinweis auf eine
erbliche Komponente, ohne dass man bislang ein Gen für Suchtgefährdung gefunden
habe. Ersche: "Die brennende Frage ist: Was hat die Geschwister geschützt, die
nicht krank wurden?" (APA, kri/DER STANDARD, Printausgabe, 27.01.2012)