Der Doktor, das Verbotsgesetz und Lenins Idee

2. Februar 2012, 18:53
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WU-Professor Franz Hörmann wurde suspendiert

Franz Hörmann ist der beste Beweis dafür, dass man Menschen nicht in Schubladen stecken kann. Müsste man ihn doch katalogisieren, bräuchte man viele Karteikärtchen in verschiedenen Registern.

Da ist einmal der Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, der sein Doktoratsstudium 1988 mit Auszeichnung abschloss. Titel der Dissertation: "Das Automatisierte, Integrierte Rechnungswesen - Theoretische Konzeption und praktische Realisation mit einem Programmpaket geschrieben in der Programmiersprache C". Der WU blieb er seither treu, heute ist der verheiratete, zweifache Vater außerordentlicher Professor am Institut für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen.

Seine Funktion ruht aber derzeit, er ist "vorläufig vom Dienst suspendiert", wie die WU am Donnerstag mitteilte. Da ist nämlich auch der Franz Hörmann, der meint, dass "die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt ist, weil es keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gab". Er könne nicht sagen, ob es Gaskammern gab, sagte er in einem Interview mit der WU-Studentenzeitung Standpunkte und wiederholte das auch in einem Gespräch mit dem Standard.

Auf Facebook präzisierte Hörmann kurz darauf, dass er zwischen Fachwissen und Erlebniswissen unterscheide und er nur nach letzterem der Aussage zustimmen könne, dass "unter dem verbrecherischen Regime des Dritten Reichs Massenvernichtungslager betrieben wurden". Für WU-Kollegen wie den Mathematiker und VWL-Professor Ulrich Berger ist das Humbug.

Hörmann selbst hofft, dass seine Suspendierung dazu führe, dass das Verbotsgesetz überarbeitet werde. Er sei jedenfalls keinesfalls im rechten Eck daheim, sondern "einer, der Lenins Idee umsetzen will."

Es gibt eben auch den Franz Hörmann, der die Welt verbessern will - unter anderem mit einem Wirtschaftssystem, das er in seinem Buch Das Ende des Geldes beschreibt. Von manchen als Finanzesoteriker belächelt, schaffte es der charismatische Redner immerhin auf die Bühne der Occupy-Bewegung.

Und da ist dann noch der Franz Hörmann, der in einem auf Youtube verewigten TV-Beitrag über Außerirdische sinniert. Sinngemäß meint er da, wir seien wie Meerschweinchen, die unter Beobachtung aus dem All stünden. Das könnte aber auch der Schublade "nicht ernst gemeint" entnommen sein. (Michael Simoner, DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2012)

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