Gewaltfreiheit

Einserkastl2. Februar 2012, 18:46
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Der erste politische Tote der Zweiten Republik war das Opfer eines rechtsextremen Burschenschafters

Festzuhalten ist: Der erste politische Tote der Zweiten Republik, der über 60-jährige Widerstandskämpfer und invalide KZ-Insasse Ernst Kirchweger, war das Opfer eines rechtsextremen Burschenschafters. Kirchweger wurde am 31. März 1965 von Günther Kümel mit Todesfolge niedergeschlagen.

Damals wurde gegen den antisemitischen und offen nationalsozialistischen Universitätsprofessor Taras Borodajkewycz demonstriert. Der spätere Finanzminister Ferdinand Lacina hatte die Vorlesungen mitgeschrieben, der heutige Bundespräsident Heinz Fischer veröffentlichte Lacinas Aufzeichnungen, worauf es zu einer großen antifaschistischen Demonstration und der Gewalttat (des einschlägig bekannten und vorbestraften) Burschenschafters Kümel kam. Kümel wurde von der damaligen Justiz wegen Totschlags angeklagt und zu zehn Monaten wegen Notwehrüberschreitung verurteilt. Heute sehen sich die schlagenden Burschenschafter als "Opfer", gar als Opfer einer "Reichskristallnacht".

Wahr ist, dass einige Ballbesucher von einigen Demonstranten beschimpft und angerempelt wurden und dass man bei einem angeblich Sprengstoff (Kunstdünger) fand (was ist übrigens damit?). In der weiteren Auseinandersetzung mit der burschenschaftlichen Rechten (die ja bereits die FPÖ und damit einen Teil der Gesellschaft dominiert) müssen die demokratischen Kräfte daher unbedingt auf alle Anklänge an Gewalt verzichten.(DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2012)

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