Freundschaft mit Fragen

Kommentar |

Facebook lockt in seinem Börsenprospekt mit einem bisher gut gehüteten Geheimnis

Facebook lockt in seinem Börsenprospekt mit einem bisher gut gehüteten Geheimnis: Eine Milliarde Dollar Gewinn lassen aufhorchen. Der Suchmaschinenkonzern Google brachte es im Jahr vor seinem Börsengang 2004 gerade einmal auf ein Zehntel davon. Der Run der Investoren auf das Facebook-Papier ist programmiert. Doch der Beweis, dass sich mit sozialen Netzwerken im Internet nachhaltig Geld verdienen lässt, ist damit noch lange nicht erbracht.

2011 erlebten Online-Startups eine Nachfrage wie schon lange nicht mehr: Das Rabattportal Groupon etwa sammelte bei seinem Aktienmarktdebüt 700 Millionen Dollar ein, der Onlinespiele-Entwickler Zynga eine Milliarde. Der Hype um Unternehmen, die ihren Nutzern die "Weisheit von Freunden" versprechen und letztlich virtuelles Beziehungsmarketing betreiben, zeigt zunächst eins: In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist viel Kapital unterwegs, das Rendite sucht. Der Aktionär ist hungrig nach einer "guten" Börsenstory - und das ist Facebook allemal.

Bei zwei Milliarden Internetnutzern weltweit gibt es zwar (theoretisch) noch ein Wachstumspotenzial für den Online-Treffpunkt mit derzeit 845 Millionen Nutzern. Doch seit sich zunehmend auch die Elterngeneration dort tummelt, vertschüssen sich viele jener, die Facebook groß gemacht haben - Studenten und Jugendliche. Auf das Freundesnetzwerk kommt nun die große Herausforderung zu: zu zeigen, dass es zumindest so nützlich wie eine Suchmaschine ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.2.2012)

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