Für exzentrische Wähler

2. Februar 2012, 17:55
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In Hinkunft wird man, so es an der Tür klopft, nicht öffnen - Es könnte Petzner mit dem Protokoll sein

Und plötzlich schien es, als würde Stefan Petzners Hand direkt aus dem ZiB-2-Studio durch den Fernseher hindurch ins Wohnzimmer dringen, um den TV-Geschworenen Lesestoff entgegenzuwerfen: "Meine Damen und Herren zu Hause! Sie können das zu Hause auf der Homepage des Parlaments lesen - das Protokoll des Untersuchungsausschusses!" Und kurz danach, das Konvolut wieder hochhaltend: "Sie können es zu Hause nachprüfen, meine Damen und Herren!"

Schon zuvor hatte Petzner mutig alle Tricks der medialen Verhaltensauffälligkeit in den Kampf um die Telekom-Ehre und -Unschuld seiner Gemeinschaft eingesetzt: Er grinste vor dem Duell mit dem Grünen Peter Pilz aus nicht ersichtlichen Gründen. Er kontrastierte die Sätze des bis zum Sadismus gelassenen Pilz ("Es ist für das BZÖ eine hoffnungslose Geschichte") mit Einwürfen ("Falsch, falsch, falsch"). Er ließ Pilz' Ordnungsrufe ("Wir sind hier in keinem BZÖ-Bierzelt") mit flehendem Blick zu einer imaginären Sonne über sich ergehen und forderte Pilz, der für ihn, Petzner, schon lange ein grünes Tuch sein muss, auf, etwas über angebliche Zahlungen von Peek & Cloppenburg an die Grünen zu sagen. Er tat also nicht nur Groteskes, aber vieles, um nur die exzentrischsten der Wähler anzusprechen.

Der Leseappell ans TV-Publikum blieb jedoch sein Glanzstück. In Hinkunft wird man, so es an der Tür klopft, nicht öffnen. Es könnte Petzner mit dem Protokoll sein. Und in U-Bahnen gilt es immer den Fluchtstehplatz bei der Tür zu wählen. Es könnte Petzner auftauchen, um einem die Protokollunschuld des BZÖ aufzudrängen. Kurzum: Der Alltag wird nicht mehr sein, was er bis zu diesem ZiB 2-Auftritt war. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2012)

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