Aufnahmen mit Hilfe eines speziellen STED-Lichtmikroskops zeigen, was sich in den feinen Verästelungen der Nervenzellen tut
Göttingen/Washington- Ersmals haben Forscher scharfe
Live-Bilder vom Gehirn einer lebenden Maus aufgenommen. Dabei konnten sie
beobachten, was sich in den feinen Verästelungen der Nervenzellen tut. Das Team
um Stefan Hell nutzte das von Hell entwickelte STED-Lichtmikroskop, das
Strukturen mit einer Auflösung unter 70 Nanometern sichtbar macht - rund 1000
Mal feiner als ein Haar.
"Der Blick direkt in den Organismus öffnet eine neue Tür in der Neurologie
und kann Erkenntnisse über Krankheiten wie Alzheimer, Autismus oder Parkinson
liefern", sagte Hell. Es gehe darum,
grundlegende molekulare Vorgänge im Gehirn zu entschlüsseln.
Neuartiges Lichtmikroskop
Seine Forschungsergebnisse präsentierte das Team vom Göttinger
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie im Fachmagazin "Science". Der 49-jährige Hell ist für sein neuartiges Lichtmikroskop
bereits mit etlichen renommierten Preisen ausgezeichnet worden. Die Technik
ermöglicht es erstmals, die molekularen Strukturen von lebenden Zellen zu zeigen
- mit früheren Lichtmikroskopen war dies unmöglich. Und mit
Elektronenmikroskopen lassen sich nur präparierte, tote Zellen untersuchen. (APA, red)