Ein Unentschieden als Sieg

Kommentar |

Von den hehren Idealen ist selbst im relativ sicheren Kabul keine Rede mehr

Die Londoner Times publizierte dieser Tage Auszüge aus einem Nato-Geheimbericht, der ein äußerst kritisches Bild der Lage in Afghanistan zeichnet. Darin heißt es über die Taliban: "Kapitulation gehört nicht zu ihrem kollektiven Wortschatz"; außerdem wären sie fest davon überzeugt, das Land im Jahr 2015 wieder unter ihrer Kontrolle zu haben. Vielleicht, möchte man nach den jüngsten Ankündigungen in Washington und Brüssel meinen, gelingt das den Rabiatislamisten schon etwas früher.

Denn nach mehr als zehn Jahren erbitterter Kämpfe am Hindukusch scheint der Westen genug zu haben. Die Kampftruppen werden vom "Friedhof der Imperien" abgezogen. Erreicht haben sie mit einem enormen Einsatz an Menschenleben und Ressourcen immerhin, dass islamistische Terroristen das Land nicht mehr völlig unbehelligt als Operationsbasis nützen können. Von den hehren Idealen, von Frieden, Freiheit und Demokratie aber ist selbst im relativ sicheren Kabul schon lange keine Rede mehr.

Ganz pragmatisch wird stattdessen mit den Taliban über eine künftige Machtaufteilung verhandelt. Zuletzt ganz offen in Katar, aber bereits vor etwa einem Jahr flog eine geheimgehaltene Runde aus afghanischer Regierung, Taliban und USA in einem anderen Golfemirat auf. Das militärische Patt und die zunehmende Ressourcenknappheit lassen den Westen in diesem Kampf auf ein Unentschieden spielen, das die Taliban wie einen Sieg feiern werden. (DER STANDARD-Printausgabe, 03.02.2012)

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    23 Postings
    Erinnert an das unentschieden in Ritter der Kokosnuss

    kein unentschieden, klarer Punktesieg des Imperators nach Anzahl der Morde und Umweltzerstörung

    US: ca 200 Tote - AF: > 50000 Tote?

    Depleted Uranium zur Zerstörung des menschlichen Genoms des Volkes: 1:0

    Ausserdem fallen ab jetzt die Bomben aus Drohnen auf Afganisthan, damit der Krieg für alle sichtbar aus ist.

    So schrecklich kann Wahrheit sein. Oder?

    Billige Folterlager werden sicher auch bleiben.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Bagr... oner_abuse

    Und damit haben die Reps immer frischen Nachschub für versoffene Lebern.

    Assange wird vermutlich auch bald dort sein.

    Naja, so negativ braucht man das nicht sehen. Schließlich kommt diesmal schon mehr als einer heim aus Afghanistan. Ein deutlicher Fortschritt zu früher:

    http://de.wikisource.org/wiki/Das_... Fontane%29

    Da sieht man, all das schöne Steuergeld wurde nicht umsonst verbrannt. Was sollen unsere Politiker auch sonst damit machen? Es gar zum Wohl der eigenen Bürger einsetzen? Das wäre ja unzumutbar...

    Sagen wir es mit Pyrrhus, noch so ein Sieg und wir sind verloren.

    Mit einer hightech Armee gegen AK 47 nichts gerissen und das als Unentschieden bezeichnen. Hut ab kann man da nur sagen.

    Erinnert an den schwarzen Ritter in "Ritter der Kokosnuss": "Nennen wir es unentschieden"...

    überfall auf ein fremdes land, hunderttausende tote, nichts erreicht, abzug.
    das nennen Sie ein "unentschieden"?

    Nichts erreicht ? Der Kopf ist auf alle Faelle ab. Genuegt doch.

    Die Afghanen werden ihr Land wieder übernehmen,

    und so ist es auch richtig.

    "werden ihr Land wieder übernehmen"

    haben sie es schon mal nicht gehabt?
    (ausser aQ Zeiten)

    Und sie dürfen wieder nach Herzenslust aufhängen, steinigen, erschiessen, Hände abschlagen. Alles kein Problem.
    Was sie allerdings nicht dürfen, ist nochmals eine terroristische Operationsbasis zulassen und uns Asylanten schicken.

    Empfehler "Russland im Zangengriff" von Scholl-Latour.

    Und nicht die Greuelpropaganda der Kolonialkrieger.

    Das ist unter Ihrer würde.

    Sie glauben ja wahrscheinlich auch nicht die aus dem Brutkasten reissen-Propaganda des Irakkrieges.

    Wann werden Sie endlich kapieren

    dass die Talibanirren nicht "die Afghanen" sind, sondern aus Pakistan eingewanderte Fanatiker, nachdem sie zuvor in pakistanischen Koranschulen gehirngewaschen wurden. Usurpatoren also, die das afghanische Volk mit ihrem wirren und totalitären Religionsverständnis "beglücken" wollen. Da kann man den Afghanen - vor allem der weiblichen Hälfte - wirklich nur alles Gute wünschen...

    Die Propaganda können Sie sich an den Hut stecken.

    Von Amis gemacht, offenbar für Amis.

    In meinem Bekanntenkreis glaubt den Schrott niemand.

    Wenn der letzte Ami verschwunden ist, ist Afghanistan wieder FREI.

    Dass auch die NATO

    nicht gerade zimperlich ist wissen wir ja eh, das macht aber die steinzeitlichen Talibanfundis als Albtraum der afghanischen Gesellschaft um nichts besser.

    Gegenüber den Besatzern ein wahrer Segen.

    Es wird ein Massaker geben,

    wie schon bei der ersten Machtübernahme durch die Taliban. Frauen werden das Haus nicht mehr verlassen dürfen, wer nur den leisesten Geruch des alten Regimes hat, wird liquidiert.
    Und der Westen wird wieder der Schuldige sein, jetzt, weil er dort ist, dann, weil er weg ist.Der lange Weg durch das Mittelalter bricht an.

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Afghanistan den Westen eingeladen hätte. Ihm gebührt in jedem Fall die Schande und die Schuld.

    "dass Afghanistan den Westen eingeladen hätte."

    Doch. Durch 9/11, London, Madrid etcetc.,was ohne die afghanische Operationsbasis nicht möglich gewesen wäre.
    Das war eine Einladung, die man nicht absagen konnte.
    Das Problem wurde souverän gelöst, der Rest allerdings ist kein Ruhmesblatt.

    Man hat aber gelernt, und das scheint im Falle des Iran bereits Wirkung zu entfalten.

    Der Dorftrottel hat sich als Nation Builder versucht

    Natürlich hat der Westen wesentlichen Anteil an den Entwicklungen. Man hat den erstbesten dahergelaufenen westfreundlichen Korruptionisten und seine Clique an die Macht gebracht und sich nachher gewundert, warum denn nicht alle jubeln.

    Leiden werden darunter wieder hauptsächlich die Afghanen, wie schon seit mehr als 30 Jahren.

    Ende von Afghanistan-Einsatz

    Ja, da ist ein ehrenvoller Rückzug des Genetivs wohl angesagt.

    Wenigstens beugt sich der Genetiv dem Volkswillen.

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