Transparenz

Die Neiddebatte geht in die zweite Runde

2. Februar 2012, 18:26

Transparenz gibt es bei EU-Förderungen nur bei Firmen - Private sind ausgenommen

Wien - Radatz Feine Wurstwaren steht da, und daneben 164.193,00 Euro für eine Investitions- und Regionaloffensive. Oder: Waldpflegeverein Tirol, der mit 4,07 Mio. Euro im Jahr 2010 die höchste in Österreich ausgezahlte Agrarförderung erhielt. Oder die Obst Partner Steiermark, die 2,83 Mio. Euro für nicht näher erklärte "Marktordnungsmaßnahmen" erhielten.

Die Transparenzdatenbank, in der die EU-Agrarzahlungen aufgelistet sind, sorgt auch nach ihrer Entschlackung für Aufregung. Zwar sind seit April 2011 keine Fördernehmer mehr aufgelistet, die natürlichen Personen sind. Es kann also nicht mehr nachgesehen werden, wie viel ein Bauer erhielt - und ob der Nachbarbauer in dem Förderungsspiel vielleicht besser ausstieg. Auch kann in der Regel nicht mehr eruiert werden, wie viel ein Großbauer adeliger oder kirchlicher Provenienz bekommt. Doch sind die weiterhin publizierten Daten auch nicht ohne.

Die Informationen in der Transferdatenbank zeigen, dass das große Geld bei den EU-Agrarförderungen nicht an die Bauern selbst geht, sondern an viele andere Nutznießer, kritisieren viele Bauern unter der Hand: Also Firmen, Institutionen, Fortbildungseinrichtungen, Marketingorganisationen oder auch Umweltgruppen erhalten ordentliche Förderungen für Leistungen, die nur sehr indirekt dem Bauer bei seiner Arbeit zugute kommen: Da gibt es etwa gleich neun ländliche Fortbildungsinstitute, die jeweils erkleckliche Förderungen, teilweise weit über eine Million Euro, bekommen. Da gibt es Versuchswirtschaftsanstalten oder Landjugend-Gruppen, die Vorfeldorganisationen der Landwirtschaftskammern sind.

Auch die von der Welthandelsorganisation WTO gebrandmarkten Exporterstattungen gibt es noch immer. So erhielt die Firma Alpenrind 162.000 Euro und die Vorarlberger Kraft Foods knapp 250.000 Euro, um mit den (teureren) EU-Waren auf dem (billigen) Weltmarkt reüssieren zu können. Diese Ausfuhrerstattungen werden regelmäßig als besonders marktverzerrend angesehen, da ein reifer und reicher Markt wie die EU damit die Exportbemühungen von armen Ländern unterbietet. Die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner hat erst kürzlich angekündigt, von Ausfuhrerstattungen ganz abgehen zu wollen.

Auch Vermarktungsorganisationen werden so üppig gefördert, dass es selbst Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP) zu viel wurde. Im Zuge der Sparmaßnahmen kündigte er an, Gastro-Initiativen zusammenlegen zu wollen. Dabei handelt es sich um Genuss Region Österreich, Beste Österreichische Gastlichkeit, Vereinigung Kulinarischer Initiativen Österreich und Kulinarisches Erbe.

Wirklich hinterfragt werden alle diese Zahlungen auch im Zuge der Budgetdebatten nicht. Schließlich stammt ein Großteil der Mittel aus Brüssel. (ruz, DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2012)

Der Klose
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es ist alles so kompliziert

während die unten mit atemnot.... die dort oben einsackeln was geht....
Machterhalt um jeden Preis

pluralis modestatis
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Neiddebatte ?

WARUM eigentlich Neiddebatte ?

Ist der Bestohlene dem Dieb dessen Beute neidig ?

Wohl nicht.

Finn McCool
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So ähnlich muss es wohl sein

Der rechtschaffene Bürger ist es dem Gesetzesbrecher neidig, dass er seine Probleme rasch und unbürokratisch selbst in die Hand nimmt ohne mühsam und langwierig den Rechtsweg zu beschreiten.

Wir sind es KHG neidig, dass er mit einem einzigen Bargeld-im-Koffer Fahrt über 200.000 Euro lukriert, und das auch noch steuerfrei, während wir jahrelang dafür arbeiten und auch noch Steuern zahlen müssen.

Wir sind es der Mafia neidig, dass sie einen nervenden Nachbarn/Polizisten einfach mit Betonpatschen verschwinden läßt, während wir dazu nicht den Schneid haben, sondern ihn nur verklagen und uns durch endlose Gerichtsverfahren quälen.

So muss das wohl gemeint sein mit der Neiddebatte.

Cronos
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Ich drehe den Spieß um und sage die wahren Diebe sind wir Konsumenten in Zusammenarbeit mit der Politik.

Die Politik zwingt die Bauern unter den Produktionskosten zu verkaufen, damit wir Konsumenten in den Urlaub fliegen können, dass dritte Handy in 2 Jahren haben können etc. etc....
Im Gegenzug bekommen Bauern Ausgleichszahlungen, die oft an Bedingungen geknüpft sind (Cross-Compliance), für die sie sich dann rechtfertigen müssen.
Wir Konsumenten stehlen indem wir nicht bereit sind, jene Preise zu bezahlen, die ein in Ö. produziertes Produkt kosten müsste!

Cronos
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Das ganze hat auch einen umverteilenden Effekt. Dadurch, dass die Lebensmittel billig sind, können es sich auch Arme leisten ( durch Studien bestättigt) bis zu 25% des Mülls gute, zum Teil ungeöffnete Packungen mit Lebensmitteln weg zu werfen.

Bauern bekommen die Preisdifferenz über Ausgleichszahlungen, die aus dem Budget kommen, wo Personen mit hohen Löhnen mehr einzahlen, als jene, die am unteren Ende des Einkommens sind.

Insofern eine Umverteilung von oben nach unten.

Kleinhirn
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Interessant wäre eine Analyse wieviel von dem Geld wirklich dazu verwendet wird um die Lebensmittelpreise niedrig zu halten, und wieviel dazu verwendet wird um warme Luft zu produzieren.
Exportförderungen(außerhalb EU) für Kraft Food, "Marktordnungsmaßnahmen", Waldpflegeverein, Fortbildungseinrichtungen, Marketingorganisationen,Versuchswirtschaftsanstalten oder Landjugend-Gruppen sind mMn nicht klassische Preisdrückungsmechanismen, sondern das klingt eher nach Umverteilung zum Machterhalt und zur persönlichen Bereicherung.
Hier wäre eine genau Analyse interessent. Das wäre aber zu aufwendig, und wissen wills eigentlich auch keiner.

Cronos
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Wäre tatsächlich von Interesse.
Die von Ihnen angeregte Analyse müsste aber über alle Bereiche gehen.

Denn unter dem Aspekt des Machterhalts könnte ich auch das geplante, neue Tierheim in Wien, in Frage stellen. Ich persönlich halte es für Geldverschwendung, für eine Luxuslösung einer dekadenten Gesellschaft, solange es Obdachlose gibt.

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