Budget

Steuerverzerrung dank Pauschalierung

2. Februar 2012, 18:25
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    foto: apa/gindl

    Bauernhöfe mit viel agrarischer Fläche werden derzeit bei den meisten Förderungen bevorzugt - beim Agrardiesel ebenso wie bei den Betriebsprämien.

Steuerpauschalierung ist beliebt - Wohl, weil Berechungsgrundlagen dafür veraltet sind oder im Finanzministerium überhaupt verschwunden

Wien - Die Grundlagen für die Pauschalierung von Landwirten sind veraltet - dies ist bekannt und sorgt insbesondere auf SP-Seite für Ärger. Schließlich haben 97 Prozent aller Landwirte dieses steuerschonende Abgabenmodell gewählt, das in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Basis damaliger Einheitswerte für Grund und Boden errichtet wurde.

Doch auch bei anderen Berufsgruppen gibt es steuerliche Pauschalierung, und auch hier können die Grundlagen dazu veraltet sein, wie der Steuerexperte Werner Doralt kritisiert. Er spricht von einem exemplarischen Fall, der derzeit beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) anhängig ist. Dabei geht es darum, dass sich ein Lokalbesitzer über die Gastwirtepauschalierung rund 90.000 Euro pro Jahr Steuern erspart hat. Pikantes Detail dazu: Die vom VfGH beim Finanzministerium dazu angeforderten Berechnungsgrundlagen zur Pauschalierung sind nicht mehr da. Weil die Sache schon so lange zurückliegt, wurden die Unterlagen "skartiert" , das heißt, die Akten wurden vernichtet.

Für Doralt ist dies symptomatisch für den Umgang mit Pauschalierungen, die für ungefähr 30 Berufsgruppen möglich sind und besonders bei den Landwirten für steuerliche Verzerrung sorgen.

Dabei hatte die ÖVP-Politikerin Maria Fekter in einer ihrer ersten Reden als Finanzministerin betont, dass diese ausgebaut werden solle. Denn es handle sich um ein unbürokratisches Instrument, für das Kleinunternehmer nicht viele Steuerkenntnisse benötigten und das die Finanzbeamten entlaste.

Angesichts der klammen Staatskassen ist von der Idee zu mehr Pauschalierung aus dem Finanzministerium nicht mehr viel zu hören. Trotzdem klammern sich agrarische Interessenvertretungen an Fekters Aussage, in der Hoffnung, sie können damit die Einkommenspauschalierung der Bauern retten. Ihr Argument: Das Durchschnittseinkommen der Landwirte liege sowieso nur bei 12.941 Euro netto; weitere Belastungen seien einfach nicht drin und würden das Bauernsterben beschleunigen.

"Es ist ein fundamentaler Irrtum der Funktionäre, wenn sie meinen, dass eine Steuerpauschalierung dazu dienen soll, Betriebsschließungen zu verhindern" , kontert Doralt. "Steuerpauschalierungen sind kein Steuergeschenk" . Sowieso müssen trotz der (übrigens: steuerfreien) Agrarförderungen in Milliardenhöhe viele Landwirte aufgeben. Die Zahl der Betriebe sank von knapp 290.000 im Jahr 1990 auf unter 190.000.

Dass im Spannungsfeld Landwirt und Steuern Bewegung angesagt ist, ist auch Bauernbundpräsident Jakob Auer (ÖVP) klar. Um die Neiddiskussion abzudrehen, pusht er eine neue Einheitswertfestellung. "Da wird es Gewinner und Verlierer geben" , sagte er kürzlich. Ein Konzept für eine neue Einheitswertfeststellung wurde dem Finanzministerium vorgelegt. Diese Feststellung ist wichtig bei der die Festsetzung von Grundsteuern und muss nach einem VfGH-Urteil vom Sommer des Vorjahres sowieso im Laufe des heurigen Jahres auf neue Schienen gestellt werden.

Das Steueraufkommen, das die Bauern, die zu 40 Prozent im Haupt- und 60 Prozent im Nebenerwerb werken, leisten, ist jedenfalls denkbar gering und betrug im Jahr 2009 rund 93 Millionen Euro. Davon entfielen 30 Millionen Euro auf die Einkommenssteuer, 27 Millionen auf die Grundsteuer A und 20 Millionen Euro auf die Abgabe land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Zum Vergleich: Die gesamte Einkommenssteuer 2009 betrug 2,60 Milliarden Euro; der Bauernanteil machte nur 1,2 Prozent aus. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2012)

WISSEN: Ein erbitterter, häufig ideologisch gefärbter Streit hat sich rund um den Agrarsektor entsponnen. Die wichtigsten Knackpunkte:

Umwidmungsgewinne: Bauernbundchef Jakob Auer (ÖVP) hat Bereitschaft signalisiert, dass eine Abgabe auf Umwidmungsgewinne bei landwirtschaftlichen Flächen eingeführt wird, die zwischen 20 Prozent (Auer) und 70 Prozent (Maria Vassilakou, Grüne Wien) liegen soll. Einige Bundesländer wie Oberösterreich haben so etwas bereits eingeführt; Nutznießer sollten Gemeinden/Städte sein. Doch argwöhnen Kritiker, dass niemals die von den Bauern genannten 500 Mio. Euro/Jahr ins Budget gespült werden können. Vielmehr sei dies ein Versuch der VP-Seite, mit einem hohen Betrag in die Verhandlungen zu gehen, um bei anderen Bereichen weniger nachgeben zu müssen.

Mineralölsteuerrückvergütung: 50 Millionen Euro werden jährlich aus Mitteln des Finanzministeriums dafür an die Bauern verteilt. Da sich die Abgabe am Hektarbesitz orientiert, bevorzuge sie Großbauern, wird von SP-Seite kritisiert. Die Bauern kontern, dass auch andere Wirtschaftszweige in den Genuss der MÖSt-Befreiung kommen: Flugbenzin, Schiffsdiesel, Energieabgaben-Rückerstattung für die Industrie sowie ÖBB summieren sich auf 450 Millionen Euro. (ruz)

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Posting 1 bis 25 von 200
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Kriti Kaster
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Apropos Pauschalierungen

Journalisten und Schauspieler haben pauschalierte Werbungskosten - schon wieder ein Privileg ...
So kaufen sich seit Jahrzehnten die Finanzminister ihre Promis.

Wichtige Information
00
Tut es !

Lässt den Politikern eure Meinung wissen !

Genau eure hier genannten Meinungen sollte jeder der Politik wissen !

Genau deshalb wurde der politische Kummerkasten eingerichtet !

http://www.politischerkummerkasten.at

Mit freundlichen Grüßen =)

--> um positive Bewertung wird gebeten =)

GE
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Teil 2

Förderungen
Man sollte Einrichtungen wie Zuckerbetriebe, Gewerbebetriebe und auch Red Bull sowie die ganzen Hackschnitzelwekr nicht mehr fördern sondern nur mehr den Bauern der auch echt arbeitet!

el ka
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volle zustimmung

als die transparenzdatenbank für landwirtschaftliche förderungen noch öffentlich einsehbar war im internet, hab ich nicht schlecht gestaunt, welche betriebe millionen förderungen bekommen haben!

einzelne namen von bauern waren nur ein verschwindend geringer anteil an förderungsnehmern

Politiker sind Gauner!!
00
der einzige journalist beim standard

der namentlich bekannt ist ist der franz hirscher äh nein
rauscher hans oder wie heißt der wichtige ??

Pekir
00
Die Pauschalierung von Landwirten ist schon OK, wenn zwei Maßnahmen getroffen werden:

1) Senken der Fläche, für die die Pauschalierung anzuwenden ist auf 50%
2) Erhöhung der Einheitswerte seit letzter Erhöhung vor rund 30 Jahren um die Inflationsrate
3) Ausnahme von Sonderbetriebsformen wie Imker, die bei minimaler Betriebsfläche doch teilweise recht beträchtliche Umsätze erwirtschaften.

Damit ist aus ausgeschlossen, dass Kinder von Landwirten, die aufgrund der Pauschalierung ein viel niedrigeres Einkommen als tatsächlich aufweisen, Begünstigungen wie leichteren Zugang zu Stipendien erhalten.

Bioberni31
05
Weg mit den Agrarprivilegien die der EU Unsummen kosten.

Wenn igendwo auf einem afrikanischem Markt ein europäisches Hendl billiger ist als die ortsansässigen Bauern produzieren können rennt was massiv falsch. In Wirklichkeit ist das Steuergeldvernichtung pur - nur weil die Agrarlobby gut schmiert.

Statt weiter Großbauern zu fördern sollte das Geld lieber für die Entwicklung erneuerbarer Energien verwndet werden, da hat Gesamteuropa und künftige Generationen mehr davon. Und ich hab kein Problem damit wenn Lebensmittel zum Teil aus Afrika kommen weil die bessere Produktionsfaktoren (Kosten, KLima, Bodenfruchbarkeit) haben, in Wirklichkeit könnte man so Afrika einen gewaltigen Entwicklungsschub geben.

Überall fordern die Konservativen den freien Markt, nur nicht im Agrarsektor. Komisch oder?

Politisch unkorrekt
02
Ich kann die Aussagen in diesem Artikel nur so interpretieren dass jeder Bauer in AT im Durchschnitt 1000,--/Gewinn/Monat erwirtschaftet - und das nach Miete, Treibstoffverbrauche etc.

Denn die Landwirte wohnen doch "im Betrieb" und tanken ihre Autos mit Agrardiesel, oder?

Die Frage ist nicht gehässig gemeint. Mir geht es nur darum klarzustellen das hier auf das billige Leben der Bauern vergessen wird, diese brauche nicht 40 % ihres Einkommens für Miete zu zahlen.

111sonne
00
noch dazu kommt

kein urlaub, kein krankenstand (die arbeit muss trotzdem getan werden) selbstbehalt bei der krankenversicherung, ja ja, die landwirte habens schön.
vielleicht verziechten ja mal die abeiter und angestellten auf ihre 5 bis 6 wochen urlaub, arbeiten auch samstag und sonntag - dann würden auch diesen euro 1.000,- im monat bleiben.

Echinacea
22
Landwirte wohnen im Betrieb - haben sie eine Ahnung,

wie man einen Hof auf Schuss hält - Haus, Stall, Remise, Maschinen und, und - es ist immer ein Unterschied, ob man normaler Landwirt ist oder nicht - Theorie und Praxis - die normalen Bauern in unserem Land verdienen wirklich wenig, aber bei den großen könnens ruhig vorbeischauen, da fällt viel unter Pauschalierung -

Echinacea
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Landwirte wohnen im Betrieb - ha en

Echinacea
00
Landwirte wohnen im Betrieb - ha en

Therimon
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Was dabei mE hinzukommt ist ...

... dass Landwirte im Schutze dieser Pauschalierung durchaus auch ernstzunehmende Konkurrenz für ansässige Gewerbebetriebe darstellen. Konkreter Fall: der Bauer hat sich einen Bagger angeschafft und übernimmt so unternehmerische Tätigkeiten, die dem ansässigen Gewerbetreibenden abgehen bzw. dieser im Anbot niemals erreichen kann. Der Bauer untergräbt so also den Unternehmer resp. Wirtschaftsstandort.

max ritz
00
aus eigener Erfahrung

ein Baum zu fällen: der Bauer wollte es für 600,- machen, der Prfessionelle verlangte nur 400,-. die Bauern wissen schon nicht mehr was sie verlangen sollen.

Therimon
00
Und jetzt stellen sie sich mal vor ...

... der Bauer wäre normal einkommenssteuerpflichtig, so wie ein gewöhnlicher Unternehmer. Und P.S.: ich lebe hier auf einem Bauernhof in ländlichem Umfeld.

Der Troll
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Nur zur Info professionelle Holzfäller sind oft auch Bauern oder stammen von Bauernhöfen ab.
Und der mit den 400 war vermutlich kein Profi sondern ein Preisdrücker und hat mit Sicherheit auch keine Steuer gezahlt.

amber103
10

Wo genau, ausgenommen geringfügiger Tätigkeit, kann man als Bauer einen steuerlichen Vorteil herausschlagen? Bitte um Beispiele.

Tatsache ist, dass sowohl Steuer als auch SV inzwischen selbst bei Selbstvermarktern voll zuschlagen.

F. Croma
32
Muss heuer die Dächer und Gebäude

sanieren - hoffe das geht sich mit 70000€ aus. Wie lange zahlen sie Miete um diesen Betrag zu erreichen?
Ein Bauer kann seinen "Agrardiesel" natürlich in sein Auto tanken, aber dann fährt er mit dem Traktor zur Tankstelle (flächenabhängige Steuerrückerstattung!)

Marilynn E.
01

ein gewerbetreibender bezahlt für seine autofahrten auch mineralölsteuer. wo ist die rechtfertigung, daß der bauer keine zahlt?

amber103
20

Europaweit gibt es ähnliche Regelungen. Die MÖSt wurde überall zur Finanzierung des Straßenbaus eingeführt, man wollte aber nicht, dass dadurch auch die Preise für Lebensmittel in die Höhe getrieben wurden. In einigen Ländern wurde daher die Verwendung von Heizöl für Traktoren erlaubt, bei uns zahlt man eben einen Fixbetrag pro Hektar, der im übrigen deutlich unter dem tatsächlichen Verbrauch liegt.

Da es solche Regelungen praktisch überall gibt, wäre eine Abschaffung ein klarer Wettbewerbsnachteil für unsere Bauern, die beim EU-Beitritt sowieso schon sehr geringe Flächenförderungen im Vergleich zu anderen Ländern hinnehmen mussten. Nur dank der Umweltprogramme bekommen unsere Bauern vergleichbare Beträge wie die Deutschen oder Franzosen

F. Croma
00
Die Mineralölsteuer

war zweckgebunden für den Strassenbau (glaube bis 1987). Der Bauer verfährt überwiegend den Treibstoff auf seinen Feldern so die "teils" einsichtige Argumentation und für seine Fahrten mit dem Auto muss er ja so und so die Steuer bezahlen. Frage mich wie es aussieht bei Dieselloks oder im Schiffverkehr - wissen sie es?

amber103
00

Die ÖBB bekommt ebenso wie die Bauern einen Ausgleich. Daher zahlt sich die Elektrifizierung der Strecken nicht aus, obwohl sie den Strom selbst produzieren kann.
Schiffe tanken gerne mit Heizöl.

Dreistein
 
00

Dass die landwirtschafltich genutzten Flächen nach dem Einheitswert besteuert werden ist Ok. Nicht OK ist aber, dass div. andere Leistungen von diesen Einheitswerten berechnet werden - beispielsweise Stipendien und andere Zuwendungen. Unbedingt eingeführt gehört eine Umwidmungssteuer, wenn landwirtschaftliche Flächen in Bauland umgewidmet werden.

Tirol6020
05
Klientelpolitik pur: Bauern und Frächter

Die armen Bauern werden gefördert, weil sie sonst ihre Produkte nicht los würden, weil die Importware günstiger ist, weil nämlich der LKW-Verkehr die von ihm verursachten Kosten nicht bezahlen muss.
Gratulation: Ein perfekt stimmiges System, um zugleich Agrarindustrie im Ausland und die Wähler-Klientel auf Kosten der eigenen Volkswirtschaft zu unterstützen.
Dafür dürfen wir demnächst noch weitere Belastungen der Einkommen aus unselbständiger Arbeit erwarten. Zahlen wir doch gerne...

Der Troll
00

Hört sich an wie eine Belangsendung aus der Wiener AK.

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