Korruption

Der Ausschuss und das Recht zu lügen

2. Februar 2012, 18:39
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    foto: apa/fohringer

    Falls das Innenministerium fehlende Akten nicht bis Ende nächster Woche nachliefert, wollen Pilz und Petzner die Ministerin Johanna Mikl-Leitner als Auskunftsperson vor den Ausschuss zitieren.

Peter Pilz und Stefan Petzner hören dasselbe, interpretieren aber unterschiedlich - Einig sind sie nur in der Kritik am Innenministerium: Dieses halte Akten zurück

Wien - Peter Pilz (Grüne) und Stefan Petzner (BZÖ) sitzen im selben Untersuchungsausschuss, sie hören dieselben Zeugen - und interpretieren das Gesagte dann doch auf vollkommen konträre Weise. Nach dem Auftritt Hubert Gorbachs am Mittwoch gehen die Ansichten darüber auseinander, ob sich der ehemalige Verkehrsminister politisch verantwortungslos verhalten hat oder nicht.

Peter Pilz sagt, er habe klassische Sachbeweise und Zeugen, die belegen, dass "Schmiergelder an Personen des BZÖ geflossen" seien. "Dazu brauche ich die Aussage Gorbachs nicht. Er hat als Beschuldigter das Recht zu lügen, und ich kann nicht beweisen, inwieweit er davon Gebrauch macht" , sagt Pilz. Fix sei: "Für ihr Geld hat die Telekom bekommen, was sie wollte." Ganz anderer Meinung ist der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner. "Wir müssen unterscheiden zwischen strafrechtlicher Aufklärung und politischer Verantwortung. Es wurde bewiesen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen Zahlungen der Telekom und erlassenen Gesetzen" , erklärt Petzner. "Die Telekom hat einen Brief an das Christkind geschrieben, unter dem Baum waren aber nicht die gewünschten Packerln."

Es sei dennoch richtig gewesen, Gorbach nach Bekanntwerden der Gerüchte aus dem BZÖ auszuschließen. Ob er nun - da sich die Vorwürfe in Petzners Augen nicht erhärten - wieder zurückdarf? "Jetzt läuft die strafrechtliche Untersuchung. Wird er freigesprochen, ist das eine neue Sachlage." Allerdings gehe er davon aus, dass Gorbach kein Interesse mehr habe, zum BZÖ zurückzukehren.

Einer Meinung sind Pilz und Petzner, wenn es um die Versäumnisse der Ministerien geht: Bestimmte Einvernahmeprotokolle werden vom Innenministerium zurückgehalten, betonen beide.

So fehlen etwa jene von dem ehemaligen BZÖ-Geschäftsführer Arno Eccher (für 14. Februar geladen) und Ex-Gastinger-Sprecher Christoph Pöchinger (für 15. Februar geladen). Das Innenministerium entpuppe sich als ein "Zentrum der Vertuschung" , sagte Pilz.

Wenn bis Ende nächster Woche nicht alle Unterlagen vorliegen werden, soll Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP) vor den Ausschuss geladen werden. Dieser Maßnahme würden alle fünf Parteien zustimmen.

Bei den nächsten Sitzungen von 14. bis 16. Februar werden Zeugen zur "Schmiergeldwäsche" für das BZÖ befragt werden, kündigte der Grünen-Abgeordnete an. Derzeit sei der Ausschuss bei der Aufklärung von über 1,2 Millionen Euro Schmiergeldern von der Telekom Austria: Ein Zahlungsstrom, nämlich 268.800 Euro, gehe an die frühere Sekretärin von Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach, ein zweiter Zahlungsstrom von insgesamt 960.000 Euro an das BZÖ. Petzner sagt, man habe von Zahlungen "an Einzelpersonen" nichts gewusst.

Leistung bei Geld für Fußball

Nichts gewusst haben will er auch in der Kärntner Korruptions-Affäre um Zahlungen der Telekom an Jörg Haiders Retorten-Fußballklub SK Austria. Er hat aber nichts dagegen, sie im Ausschuss zu behandeln.

Wie der Standard berichtete, soll die Telekom 2,5 Millionen an Sponsorgeldern gezahlt haben - ohne Gegenleistung. Die Telekom habe Kartenkontingente angekauft und dafür eine Werbeleistung erhalten, entgegnet Petzner. Worin diese konkret bestand, könne er nicht sagen. Nur eines weiß Petzner sicher: "Jörg Haider hatte damit nichts zu tun."(Saskia Jungnikl, Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2012)

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15 Postings
TrickkisteX
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Dafür zahlen wir Steuern...

Lasst ein paar Wähler bzw. Bürger die über kein Parteibuch verfügen und keine Politiker oder Beamten sind mitwirken bei den Ausschüssen.
Was da wieder abgeht ist eine Frechheit und für diese bezahlen wir auch noch...

Tu felix Austria...

prove
00

Neben all den "ist mir nicht erinnerlich" und "dazu habe ich keine Wahrnehmung"-Sprüchen kommt bei mir noch folgende Annahme dazu:

Kann es sein, dass manche sich lieber eine (anonyme) Anzeige (freiwillig) umhängen lassen, beim U-Ausschuss sich deshalb der Aussage entschlagen dürfen, im Wissen, dass die Justiz die Anzeige (nach dem Ende des Ausschusses) eh wieder zurücklegt (das richten dann schon die ÖVP-Freunderl im Justizministerium)

länge ist die neue breite
00

eh...

länge ist die neue breite
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Mein opa hätte gesagt - "Wannst no amoi so deppert liagst, gibts links und rechts zwa Verkehrte!"

Snoopy47
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..Sachbeweise und Zeugen..

höre ich bei jeder Gelegenheit, jedem Skandal und trotzdem geht weder bei der Justiz und schon gar nichts beim U-Ausschuß weiter.

burniman
02

Bin scho gspannt wie sie den u-auschuss diesmal in der versenkung verschwinden lassen.
Die letzten 2 Ausschüsse wurden ja auch nicht zu ende geführt sondern nach unzähligen verzögerungen gekonnt aus dem öffentlichen bewusstsein entfernt.
Bsp was ist aus dem hypo ausschuss gewordden ?

Franz Schwingenschrot
01

Was macht Petzner im Ausschuss? Hat das Solarium seines Vertrauens geschlossen?
http://gedaunknsplitta.blog.de

Geoffrey of Monmouth
01

Der ganze Ausschuss ist doch eine Farce bzw. ist das eh jeder Ausschuss, denn kaum wird einer Vorgeladener etwas gefragt, springt das Parteisoldaterl hinzu. Oder aber es ist ihnen nicht erinnerlich oder dazu haben sie keine Wahrnehmen (was immer auch das heißen mag).

Bei dem schlechten Gedächtnis mancher Leute, fragt man sich, wie sie es überhaupt schaffen, sich am Morgen die Schuhe zuzubinden. Für die Politik ist sowas natürlich ideal.

Kralj Matjaz
11
Polit - Kasperl

..auch wenn die Protokolle, über die die beiden da streiten, erst gelesen werden müssen...bevor wir uns ein Urteil bilden können...wenn die Petznerin sagt, Frau und Herr hätten im UA gesagt, es gäbe keine Schmiegeldzahlung, daher gibt es keine Korruption....ja hallo...ist der tatsächlich so ein Dusel , weil etwas vorspielen verlangt ja auch schon eine Intelligenz....also muss ich von einer Unterbelichtung ausgehen oder...??

Wilbourn
03
fast jedes Jahr gibt es einen U-Ausschuss

Es ist ja echt schlimm dass es überhaupt so weit kommt, aber:
Jeder neue U-Ausschuss übertrifft punkto Lächerlichkeit den vorigen. Das beginnt schon bei der Besetzung der Mitglieder. So ein U-Ausschuss ist doch nur ein Spielchen für unsere Parlamentarier aus der zweiten Reihe.
Wenn es nichts mehr zu lügen oder vertuschen gibt werden halt aussagekräftige Dokumente "geschwärzt"(unkenntlich gemacht).
Hier wird doch nur das Volk vera*****
Unseren Politikern ist einfach nichts mehr peinlich.

jovanotti_for_president
01
Wieso schlimm?

Endlich wird einmal was aufgedeckt!
Gorbachs ehemalige Mitarbeiter haben bestätigt, dass die Telekom Ende 2006 klar für ein für sie günstiges Gesetz interveniert hat und es gibt erste Hinweise für entsprechende Schmiergeldzahlungen an Gorbach und das BZÖ.

Ausserdem ist es das eine oder andere Ministerium, dass schwärzt und vertuscht und nicht der Ausschuss selbst.

Es ist unabdingbar, die politische Verantwortung bei Korruptionsskandalen (wo Politiker oder Ministerien involviert sind) aufzuklären.
Wir würden sonst weiterhin verarscht werden und würden es nicht einmal merken...

walter helfmann
00
deswegen heisst es ausschuss.

aereo
15

Der Petzner ist im U-Ausschuss so sinnvoll besetzt wie der Strasser in Brüssel.

echt1
01

und wie sinnvoll der u-ausschuss ist, zeigen die aussagen oder besser gesagt, sonstige verdächtige äusserungen und verweigerte stellungnahmen, alles ohne irgendwelcher konsequenzen

jovanotti_for_president
00
Stimmt

Man sollte dem Ausschuss mehr Rechte einräumen, z.B. dass sie später wegen Falschaussage (oder Verweigerung dieser) ähnlich wie vor Gericht bestraft werden könnten.
Nur so könnte wirklich politische Verantwortung geklärt werden.

Aber immerhin, es kommen inzwischen interessante Details zum Vorschein. Z.B. dass sich die Telekom ohne weiteres Gesetze erkaufen kann.

Vielleicht erhöht dies den Druck auf die Politiker/Regierung, endlich WIRKLICH saubere und transparente Parteifinanzierung und ECHTE Korruptionsbekämpfung zu ermöglichen.

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