"Das ist so was von Zweite Welle!"

2. Februar 2012, 17:28
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Zwei Studentinnen bastelten das Video "Sh*it White Feminists Say" und nehmen darin sich und andere privilegierte Feministinnen auf die Schippe

1851 auf der Frauenrechtsversammlung in Ohio. Die als Sklavin geborene Afroamerikanerin Sojourner Truth will das Wort ergreifen, aber das Sprechen am Podium wird ihr aufgrund ihrer Hautfarbe verweigert. Mutig stellt sie sich dem Verbot mit der Frage entgegen: "Ain't I a Woman? – Bin ich etwa keine Frau?"

Dass das politische Bündnis des Feminismus nicht schlichtweg mit "Frauen" zu fassen ist, ist ein klassisches (Streit-)Thema der Bewegung. Es gibt weit mehr Identitäten als das Geschlecht. Der soziale, kulturelle, religiöse, ökonomische oder auch der politische Hintergrund prägt die Forderungen von Feministinnen. Forderungen, mit denen sich nicht alle Frauen identifizieren können.

Ernst, aber doch nicht durch und durch

Die Kritik "Das ist doch weißer Mittelstands-Feminismus" können die verschiedensten Projekte, Initiativen und politischen Zusammenschlüsse noch immer nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schlichtweg, weil sie sich ja oft tatsächlich vorwiegend aus einer bestimmten Gruppe von Feministinnen zusammensetzen, die mit der Lebensrealität von anderen Frauen – beispielsweise der von Arbeiterinnen – herzlich wenig am Hut haben.

Das Thema ist also noch immer ernst. So ernst aber nun doch wieder nicht, dachten sich zwei junge Privilegierte (oder anders gesagt: Harvard-Studentinnen), die sich über sich und alle, die sich in ihnen wiederfinden, gehörig lustig machen. Unter dem für YouTube-Videos beliebten Titel "Sh*t … Say" ("Sh*t Project Managers Say", "Sh*t Mom Bloggers Say") haben die beiden jungen Frauen kürzlich das Video "Sh*t White Feminists Say" hochgeladen, das die gängigsten "White Feminist"-Sager präsentiert:

emiller619

"Wie androzentrisch! Hast du diese Werbung gesehen? Das ist so was von Erste Welle! Das ist so was von Zweite Welle! Welches Pronomen bevorzugst du? Ich meine, es ist mein Körper, meine Entscheidung! Hmmm - Simone de Beauvoir. Aber dieser Gedanke ist total sozial konstruiert! Das so was von heteronormativ! Ich bin über diese Binarität total hinweg! Ja - aber welche Frauen? Radikal subversiv! Ist das Bio? Fair Trade?"

Den beiden macht es sichtlich Spaß, sich durch diese Sätze zu wühlen, und sie tänzeln durch die "White Feminist"-Parade mit viel Schmäh und noch mehr Ironie. Und ganz nebenbei erinnern sie mit dem Video auch noch an die Ignoranz gegenüber so vielen anderen Problemfeldern für Frauen, von denen die beiden Studentinnen keinen Schimmer haben. Denn es gilt auch, was ein/eine UserIn unterhalb des Videos als weiteren Vorschlag für "Sh*t White Feminists" postete: "Lasst uns das problematisieren!" (red, dieStandard.at, 2.2.2012)

  • Es hat ihnen sichtlich Spaß gemacht.
    screenshot youtube

    Es hat ihnen sichtlich Spaß gemacht.

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