Kritik an Le Pen wegen Teilnahme an Rechtsextremistenball

2. Februar 2012, 17:17

SOS-Rassismus verurteilt "Ball für Nostalgiker des Dritten Reichs" - FN-Chefin prangert "Manipulation" an

Paris - Die französischen Medien sind sich einig darin, dass die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, Chefin der "Front National" (FN), einen Fauxpas auf dem Weg zur Verniedlichung des extremistischen Gedankenguts ihrer Partei gemacht hat, indem sie sich vergangenen Freitag am Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg beteiligte. Sie hat sich "selbst in eine Falle gelockt", sagte der Chefredakteur des Politmagazins "Le Point" im Radiosender RMC.

Die Wochenzeitschrift "Le Nouvel Observateur" erinnerte daran, dass die Burschenschaft nach Angaben des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) eine "neonazistische, pangermanistische und antisemitische Organisation" sei, "von der man es versteht, dass sie keine Juden auf ihren Ball einlädt". Das Magazin fragt sich, ob die Ursachen für diesen Ausrutscher in der Vater-Tochter Beziehung von Marine mit dem FN-Gründer Jean-Marie Le Pen zu suchen sei und schreibt: "Letztendlich ist Wien nicht nur die Hauptstadt des Walzers und des Rechtsextremismus, aber auch jene der Psychoanalyse."

"Pangermanisten-Walzer"

Überdies betont die linksgerichtete Zeitschrift, Marine Le Pen könne es keinesfalls nicht gewusst haben, dass Martin Graf, der sie gemeinsam mit Heinz-Christian Strache zum Ball eingeladen habe, "Beziehungen mit neonazistischen Kreise pflegt". In dem Artikel wird auch daran erinnert, dass Strache den ehemaligen SA-Sturmführer Otto Scrinzi bei dessen Ableben Anfang Jänner in einer Stellungnahme gelobt habe. "Marine Le Pen tanzt den Pangermanisten-Walzer in Wien", titelte das Wochenmagazin "L'Express" und betonte weiter, dass bei dem Ball "jedes Jahr die Auschwitzleugner eine Ovation erhalten".

Die Menschenrechtsorganisation "SOS Rassismus" verurteilte in einer Aussendung die Teilnahme Le Pens an einem "Ball für Nostalgiker des Dritten Reichs" und erinnerte daran, dass die Veranstaltung zum selben Zeitpunkt stattfand, als der 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz gefeiert wurde. "SOS Rassismus" stellt sich die Frage, ob dies "ein reiner Zufall" sei. "Marine Le Pen tritt die republikanischen Werte, die sie für sich in Anspruch nehmen will, auf skandalöse Weise mit Füßen", schreibt die Organisation in der Aussendung und betont weiter: "Martin Graf, Mitglied der FPÖ, ist einer der härtesten und gewalttätigsten Vertreter der extremen Rechten in Europa."

Marine Le Pen selbst betonte, dass sie vom umstrittenen Charakter des Balls nichts gewusst habe, obwohl ihr Vater nach Angaben Gettengos 2008 Ehrengast dort gewesen sei. In einer Pressekonferenz verurteilte die FN-Chefin jede Form von Totalitarismus und sprach in Bezug auf die um sie entstandene Polemik von einer "Manipulation". "Der Nationalsozialismus war ein Horror. Es tut mir manchmal leid, nicht in der Epoche geboren zu sein, um ihn bekämpfen zu können", betonte die Präsidentschaftskandidatin.

Le Pen forderte weiter, dass man vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) Rechenschaft fordere, weil er den syrischen Diktator Bashar al-Assad und den ehemaligen libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi empfangen habe. Den französischen Sozialisten warf sie mittels der sozialistischen Internationale eine "ideologische Nähe" mit dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und dem tunesischen Ex-Präsidenten Ben Ali vor.

Man könne es sich nicht vorstellen, dass Frau Le Pen nicht gewusst hat, mit wem sie da tanzen ging", reagierte Delphine Batho, Sprecherin des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande (PS), auf die Anschuldigungen der FN-Chefin. "Je mehr sie sich verteidigt, umso mehr versinkt sie in einem Diskurs, der in einer Form der Relativierung des Nationalsozialismus mündet, die stets ein Geschäftsfonds für die extreme Rechte gewesen ist", so Batho in einer Aussendung. (APA)

Kommentar posten
20 Postings
Wilhelm Guschlbauer
00
Es ist mir neu, dass "Le Point" ein links-gerichtetes Blatt sei.

Ich lese es bisweilen - beim Frisör oder Zahnarzt - es ist eher Zentrum-rechts. Linker als der "Figaro" oder "Minute", natürlich, aber das ist wahrlich keine Kunst.

palmström
03
bei aller freundschaft und realismus

aber wien als hauptstadt des rechtsextremismus zu bezeichnen ist eine feindselige frechheit

fällt eher in die kategorie von blindwütiger beschimpfung, ohne wirklich zu wissen wiewowaswann

diejenigen, die kollektive pauschalisierungen immer entrüstet ablehnen, führen sie selber ins treffen, wenns ihnen grad in den politischen kram passt

so nicht, genossen

dennoch: hoffentlich bricht diese manifeste affaire strache das politische genick

Der Freund Deiner Frau
00

Der Dad hat sich gestern dann auch noch damit gebruestet, selbst schon auf diesem "formidablen Ball, der das Wien des 19. Jhdt zelebriert" gewesen zu sein.

"Es ist quasi Strauss, ohne Kahn"

Nochmal eins draufgesetzt....

Tolle Werbung fuer Oesterreich, sogar den rappenden Strache hat man im TV gesehen.

V995
14
überal wissen sie das diese burscherl rechtsextrem sind

nur die övp weiß davon nichts

Igor Gassner
02
Ein paar Linksradikale die sich

gegenseitig Europaweit zuhächeln sind nicht die Bevölkerung sondern eine vom Establishment gepuschte Randgruppe-Mon œil

Freedom to the people
62
Österreich kann einem wirklich nur noch peinlich sein.

Meine Güte, was für ein Land!

Douncal
00
Was noch peinlich ist ...

Peinlich ist auch wenn man alles in einen Topf schmeißt ...

palmström
01
sagt offenbar einer, der nichts ändern will

weil er so schön wen zum permanentbeschimpfen hat

ziemlich billig

Logyal
11
Logik andersrum

Daheim konterte Marine le Pen zuletzt die Gleichsetzungen ihrer Partei mit Nazis:
1.Sie verurteilte Nazis als Entgleisung
2. sie greift die Kritiker an mit der Logik: Wenn Ihr Nazis mit uns gleichstellt, ist das eine Verniedlichung des Nationalsozialismus.

HC's Umkehrlogik mit Opferrole und "Reichskristallnacht" ist da wesentlich plumper...

Faeryl
68

scheiße warum wird in frankreich ein öffentlicher diskurs über ein österreichisches thema geführt, wo bei uns nichtmal zwei tageszeitungen darüber berichten? haben die franzosen/ französinnen wirklich schneller kapiert, was der wkrball und im gesamten die österreichische burschenschafterstruktur ist? unglaublich.

die österreichische bevölkerung hat es eindeutig verbockt. wir sind schon am weg ins 4te reich. vielleicht lösen wir diesen weltkrieg mal wirklich selbst aus, ohne gleich in die opferrolle zu fallen.

Ernst Kratochwil
01
"...scheiße warum wird in frankreich ein öffentlicher diskurs über ein österreichisches thema geführt, wo .."

Weil auf Dauer, ein Diskurs über die soziale Situation in Frankreich, der Menschen in den Zuwanderervierteln, die No-Go-Areas und die laufend abgefackelten Fahrzeuge, für die Franzosen zu demprimierend ist?

der gärtner
24
die burschenschaften, die fpö und strache

sind zwar eindeutig nationalistisch, aber sicher keine na**s.

soweit differenziert man in österreich schon,
in frankreich aber nicht.

mlzt
10

"Die soziale Heimatpartei": Heimat = National, sozial" = "sozial" => Nationalsozialismus = "Heimatsozialismus => "Soziale Heimatpartei" = Nazis!

leftjustified
01

Die Grünen => grün ist eine Farbe, ebenso wie braun => Die Braunen => Nazis...

Also ich mag die FPÖ definitiv auch nicht, aber Ihre Argumentation ist schon ein wenig Kindergartenniveau

mlzt
00

Zumiondest lässt sich in diesem Fall aber nicht so leicht eine Namensanalogie zu "Linkslinks", oder Kommunismus herstellen.

Der Freund Deiner Frau
00

Ich wuerde sagen, in den Burschenaften gibt es viele Nazis.

Und FPOE und Strache kokettieren zumindest immer noch damit.

Faeryl
32

Der strache und mit ihm die FPÖ ist rechtsextrem bis rechtsradikal. Und haben sie sich schon mal mit den nicht so bekannten Burschenschaften auseinandergesetzt? Natürlich gibt es auch nicht Rechtsradikale Burschenschaften in Österreich, aber im Vergleich zu den deutschen sind die österreichischen Burschenschaften rechts ohne Ende. Und das hat man auch in Frankreich erkannt.

Yvonne Girard
25
Bei uns

nimmt auch ein Päsident des Nationalrates an dieser Verantaltung teil. Sehr aktiv sogar - ohne jeglichen Genierer...

Faeryl
11

auf das bin ich nichtmal eingegangen. wie sollte man sich den erwarten, dass jemand zurücktritt, wenn das thema nichtmal öffentlich diskutiert wird.

rasenmähermann
00

Die Geschichte fängt ja schon damit an, dass Graf überhaupt Nationalratspräsident wurde.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.