Russland will weiter Waffen liefern

3. Februar 2012, 06:38

Verhandlungen über UN-Resolution in New York ergebnislos - Suche nach Asyl-Platz für Präsident Assad

Damaskus/Beirut - Trotz der anhaltenden Gewalt in Syrien will Russland weiter Waffen an das arabische Land verkaufen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow sagte am Donnerstag laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen, derzeit gebe es keine Einschränkungen für Rüstungsexporte nach Syrien, und Russland müsse seine Verpflichtungen gegenüber Damaskus erfüllen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits am Dienstag bei einem Besuch in Australien erklärt, dass Moskau seine "vertraglichen Handelsverpflichtungen" gegenüber Syrien erfülle und dass die an Damaskus verkauften Waffen nicht gegen Demonstranten eingesetzt würden.

Russland, ein langjähriger Verbündeter und wichtiger Waffenlieferant Syriens, blockiert seit Monaten eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, die die Gewalt gegen regimekritische Demonstranten in Syrien verurteilen würde. Auch einen neuen Resolutionsentwurf, der ein Waffenembargo und den Rücktritt des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad fordert, lehnte Russland bisher ab.

Verhandlungen ergebnislos

Die Verhandlungen über die Resolution in New York sind am Donnerstag erneut ergebnislos vertagt worden. Das Treffen am Donnerstag sei "nicht so gut" gewesen, sagte der indische UNO-Botschafter Hardeep Singh Puri in New York. Sein Kollege aus China, Li Baodong, erklärte: "Wir sind nahe dran, aber noch nicht angekommen." Es seien noch "weitere Beratungen" nötig.

Verbündete in Europa gesucht

Unterdessen suchen die USA und ihre Verbündeten in Europa und der arabischen Welt laut westlichen Regierungsvertretern nach einem Exil für Assad. Drei Staaten hätten Aufnahmebereitschaft signalisiert. Europäische Länder seien nicht darunter. Dagegen hätten sich die Vereinigten Arabischen Emirate offen für die Idee gezeigt, Assad Asyl zu gewähren. Beobachter bezweifeln aber, dass sich der Machthaber in Damaskus zu einem solchen Schritt entschließen könnte. Geklärt werden müsste auch die höchst umstrittene Frage, ob man Assad Straffreiheit gewährt.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül sagte vor Journalisten, er habe der Familie Assads Asyl in der Türkei in Aussicht gestellt. Derzeit gebe es keine entsprechende Bitte. Die syrische Opposition hatte vor wenigen Tagen von einem angeblichen Fluchtversuch von Assads Ehefrau Asma und ihren Kindern berichtet.

Angst vor Unruhen

In Syrien erhöhte das Regime aus Angst vor Unruhen zum 30. Jahrestag eines Massakers die Armeepräsenz in der Protesthochburg Hama. Sicherheitskräfte und Militärs seien an Brennpunkten postiert worden, berichten Oppositionelle. Es sei zu Massenfestnahmen gekommen. 1982 hatte Hafiz al-Assad, der Vater des jetzigen Präsidenten, dort einen Aufstand sunnitischer Islamisten blutig niederschlagen, zigtausende Menschen waren getötet worden.

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat auch Jordanien angekündigt, seine Beobachter aus dem Land abzuziehen. Am Wochenende hatte die Arabische Liga entschieden, die Mission auszusetzen. (Reuters, dpa, red, DER STANDARD-Printausgabe, 02.02.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 97
1 2 3
BlackFriday
 
30

ein skandal, wer preisgünstige russische waffen kauft, kauft keinen überteuerten ami-schrott mehr

Georg Schütt
11
Russland erklärt, es gebe keine Sanktionen, die Waffenlieferungen verbieten,

aber gleichzeitig verhindert es genau diese Sanktionen.

Ich hoffe, sehr, dass der zu zahlende Preis für die Außenpolitik aus Zynismus und Hohn nicht zu gering ausfalle.

TomGard
 
41
Hallo boison de higgs, bin noch Antwort schuldig (vgl.Post.list)

Die "Meldungen" waren die Wehklagen und Angebereien, die sich allesamt auf Dörfer, Kleinstädte, Vorstädte bezogen. D.h.: die vorgesehene Eskalation, Massaker zwischen den ethnisch-religiösen Gruppen in den Städten und Schaffung einer "Katastrophenzone" Homs blieb trotz scharfer Armee-Offensive aus.
Aisling Byrne zit. in "UN shenanigans on Syria" aus einem exklusiven Debka-Artikel, der am Beispiel der Hoaxes um Zabadani behauptet und illustriert, daß die "Rebellen" in Syrien die Präsenz von Banditen und kriminellen Banden haben, aber nichts gegen die Armee vermögen, soll der Versuch nicht dazu führen, daß sie ausradiert werden. Byrne, in Beirut stationiert, verfügt zudem über beste Quellen beim CIA, wie Du leicht recherchieren kannst.

"Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit"
37

naja, die waffen, die russland jetzt liefert, werden in zwei, drei monaten spätestens eh der syrischen opposition gehören, und freunde in der arabischen welt wird putin sich mit solchen aktionen nicht gemacht haben.

egal9
62

Das sagt Honzo ja auch schon seit Wochen.

Bloß was soll dann das Gerede von Sanktionen?
Sollten die Fans der FSA Russland nicht sogar dankbar sein, dass es die FSA ungewollt mit Waffen beliefert?

Oder ist das nicht nur hohles Geschwätz?

Wenn das Gerede von den zehntausenden Überläufern wahr ist (und jeden Tag kommen ja tausende hinzu..), warum denn der Ruf nach der NATO oder der AL? In ein paar Wochen oder Monaten wäre die Syrische Armee nicht mehr aktionsfähig. Schneller ginge es mit der NATO auch nicht.

Oder ist das auch nur hohles Geschwätz und die Zahl der Überläufer wird maßlos überhöht?

"Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit"
13

das weiß ich natürlich auch nicht, weil ich wie sie auf die berichte verschiedenster medien angewiesen bin, und nicht unterschieden kann was wahr und was lüge ist.
die nahe zukunft wird es weisen, aber mein bauchgefühl sagt mir, dass assad den weg von gaddhafi gehen wird.

barney
413
Vollständigkeit

Zwecks Herstellung der Scheinobjektivität bitte ich den Standard um eine Liste der Staaten und Diktatoren, die von den USA mit Waffen versorgt werden!

Loonquawl
33
klar, wenn ein staat das macht, rechtfertigt das natürlich automatisch wenns ein anderer macht.

diamant
62
Darunter sind aber derzeit keine die ihre Bevoelkerung dahinmorden!

casus belli
23

Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain?
Alles Staaten wohin wir(Deutschland) und andere Länder Waffen liefern und auch dort sterben Menschen durch diese.

diamant
10
'Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain'

Da passiert echt dasselbe wie in Syrien derzeit?

Welch ein Skandal das unsere Medien darueber schweigen, nicht?

casus belli
01

Ich bitte darum, dass sie meinen Text genau lesen...
Sie behaupteten, dass es keine gibt die ihre Bevölkerung dahinmorden. In den genannten Ländern sterben auch Demonstranten und nein die Medien schweigen dazu nicht. Dass das im kleineren Stil passiert, ist klar ändert aber nichts an der Tatsache.
Bahrain(mit Hilfe des Saudi-Arabischem Militärs):
http://de.wikipedia.org/wiki/Prot... hrain_2011
In Kuwait und SA gibt es direkt noch nicht viele Tote, da diese mit Geld etc. Mundtot gehalten werden:
http://www.nzz.ch/nachricht... 05997.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Prot... abien_2011

Alien Nation
21
Nein dass erledigt der Chef schon selbst.

zimbo
 
54
Doch,

der Irak, Afghanistan Yemen, Somalia, Pakistan

um ein paar Beispiele zu nennen.

egal9
64

Dummerchen. In den aufgezählten Ländern werden nur Terroristen bekämpft..
Und wer Terrorist das bestimmt die USA.

Ach wie praktisch.

Seine Durchlaucht
314
"Russland will weiter Waffen liefern"

Russland soll gleich ein paar Atomwaffen liefern - an Syrien und an den Iran auch gleich.

Dann ist Ruhe dort drunten und die britischen und amerikanischen Kriegsschiffe im Golf fahren wieder nach Hause und idealerweise nehmen sie auch noch ihre paar Tausend bezahlten Provokateure - welche derzeit Syrien destabilisieren - mit.

Loonquawl
12
das war hoffentlich ironie

Seine Durchlaucht
00
Die Geschichte hat gezeigt,

daß Staaten mit Atomwaffen NICHT angegriffen werden.

Sascha K.
00
Nein, wieso ?

supermike
76
Dafür gibts ein brilliant

Würde Putin an Syrien und den Iran Atomwaffen liefern, hätte er in meinen Augen eher einen Friedensnobelpreis verdient als Obama !!!

x aeins
26

Gratuliere zu deiner Brillianz. Alle Diktaturen der Welt, am besten auch die afrikanischen Diktatoren, mit Atomwaffen versehen, und das Paradies bricht aus!

BlackFriday
 
01

ja dann haben wir alle eine strahlende zukunft

diamant
23
'Dann ist Ruhe dort drunten'

Das glauben aber auch nur 'Leichtmatrosen'......

TomGard
 
10
Interessanter Vorschlag, doch leider ...

leider wird in Pakistan seit einigen Jahren schon, wenn auch "auf kleiner Flamme", das Paradigma eines Zugriffs auf ein atomar bewaffnetes Staatswesen erprobt. Ein beträchtlicher Teil der vielen Tausend Opfer in Belutschistan geht auf das Kto. dieser Strategie.
Leider.

Michel de Nostredame
208
Antichrist Putin, der Beschützer und Unterstützer des Bösen

... wo immer es gerade notwendig ist, sei es jetzt in Syrien, Iran, Nordkorea, Myanmar oder Darfur. Überall wo gerade Genozid am eigenen Volk stattfindet, hält Putin seine schützende Hand darüber.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 97
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.