Frauenquoten machen Mut

2. Februar 2012, 20:03
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Experimente zeigen, dass Frauenförderung wirkt - An 360 StudentInnen wurde getestet, wie Frauen und Männer auf verschiedene Maßnahmen reagieren

Innsbruck - Gerade zehn Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den österreichischen Top-200-Unternehmen sind Frauen, in die Vorstände bzw. Geschäftsführungen schaffen es gar nur 4,4 Prozent - so eine Erhebung der Arbeiterkammer aus 2011. Dass Quoten und andere, oft umstrittene Fördermaßnahmen Frauen den Aufstieg auf der Karriereleiter erleichtern können, haben nun Innsbrucker Wirtschaftswissenschafter in einer im Fachblatt Science veröffentlichten Studie gezeigt.

Fest steht: Frauen meiden eher als Männer den Wettbewerb um Spitzenjobs. Wie sich Förderungen auswirken, ist aber weitgehend ungeklärt. "Seriöse Daten aus der Praxis zu diesem Thema zu gewinnen ist nahezu unmöglich", sagt Studienautor Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft der Uni Innsbruck.

Sutter hat daher mit seinem Kollegen Loukas Balafoutas ein Experiment mit 360 StudentInnen durchgeführt, um zu testen, wie Frauen und Männer auf verschiedene Maßnahmen reagieren. Dazu wurden Gruppen aus je drei Frauen und Männern gebildet. Sie mussten möglichst viele Additionen von fünf zweistelligen Zahlen durchführen. Die Probanden konnten dabei wählen, ob sie pro richtig gelöster Aufgabe 50 Cent erhalten oder sich in einen Wettbewerb mit den anderen begeben: Dann bekamen sie 1,50 Euro pro gelöster Aufgabe, aber nur dann, wenn sie zu den zwei besten im Wettbewerb zählten.

Das Experiment wurde in fünf Varianten durchgeführt: Gab es keinerlei Fördermaßnahmen für Frauen, war "die Wettbewerbsbereitschaft der Frauen nur halb so hoch war wie die der Männer", so die Studie. Bei Variante zwei musste mindestens eine Frau unter den zwei Gewinnern sein, was einer Quotenregelung entspricht. In der dritten und vierten Variante erhielten Frauen automatisch einen bzw. zwei Punkte dazu. Das kommt einer Bevorzugung bei gleicher oder schlechterer Qualifikation gleich.

Bei den Varianten zwei, drei und vier wählten die Frauen deutlich öfter die Wettbewerbs-Variante des Spiels. Bei den Männern änderte sich in den verschiedenen Spielarten nichts. Variante fünf (Wiederholung des Wettbewerbs, wenn keine Frau unter den Gewinnern war) zeigte keinen signifikanten Unterschied.

Die Leistung wurde durch die Förderungen nicht beeinflusst. Auch wenn man die Zusatzpunkte herausrechnet: Die Gewinnerinnen schnitten besser bzw. gleich gut wie ihre männlichen Kollegen ab. In einem Koordinationsspiel stellten die Forscher außerdem fest, dass Frauen, die durch Fördermaßnahmen aufstiegen, später im Team nicht diskriminiert wurden. (APA, kri, DER STANDARD/Printausgabe 3.2.2012)

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