Zum Wirt burnouten gehen

2. Februar 2012, 17:06
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Am besten schon am Nachmittag in der Arbeit den Hut draufhauen und zum Wirt gehen, meint der Dichterfürst

Neulich auf der Party stand wieder die unvermeidliche Frage im Raum: Ist der Babysitter daheim jetzt um halb zwei Uhr früh noch wach, oder ist er endlich eingeschlafen, weil ihm das Warten und das Fernsehprogramm zu dumm geworden sind? Die Frage ist um diese Uhrzeit bezüglich der weiteren Abendgestaltung entscheidend. Wenn nämlich der Babysitter schon eingeschlafen sein sollte, büselt er sowieso bis acht Uhr früh durch. Man kann also ruhig noch bleiben und weiter alkoholen. Falls er aber wach ist, wird es langsam eng, weil er noch in einen Club schauen will.

Unrunde sittende Jugend

Wenn Eltern dauernd um eine halbe Stunde zu spät nach Hause kommen, wird die sittende Jugend unrund. Sie schützt bei der nächsten Anfrage zum Kinderhüten eventuell einen beinahe vergessenen Test auf der Uni oder eine Sangriaparty im ersten Bezirk vor, bei der sie leider unabkömmlich sei. Dann geht bei den Eltern wieder die Diskussion los, wer im Nachtleben dringender gebraucht werde und wer ruhig auch einmal auf etwas verzichten könne. Außer jenen Freunden, die dem Beruf des Kabarettisten nachgehen, ziehen bei solchen häuslichen Streitigkeiten interessanterweise immer die Männer den Kürzeren.

Das ist unerfreulich und gab Bubi und dem Dichterfürsten schon manchen Anlass, wortreich ihr Schicksal zu beklagen. Eine gute Möglichkeit diese Problematik zu umgehen, haben die beiden darin gefunden, schon am Nachmittag in der Arbeit den Hut draufzuhauen und zum Wirt burnouten zu gehen. Später beim Schichtwechsel zu Hause ist das aber leider oft auch nicht lustig. Blicke töten. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 3.2.2012)

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    Wenn Eltern dauernd um eine halbe Stunde zu spät nach Hause kommen, wird die sittende Jugend unrund.

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