Neuer Exoplanet hat die bisher besten Voraussetzungen für Leben

2. Februar 2012, 17:14
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GJ 667Cc liegt in 22 Lichtjahren Entfernung und befindet sich genau in der habitablen Zone seines Muttersternes

In nach kosmischen Maßstäben unmittelbarer Nachbarschaft zur Erde hat ein internationales Forscherteam einen Exoplaneten entdeckt, der das Potenzial dafür hat, Leben zu beherbergen. Die sogenannte "Super-Erde" - ein Planet also, der massiver ist als die Erde, aber deutlich unter der Masse von Gasriesen liegt und vermutlich eine feste Oberfläche besitzt - befindet sich in 22 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Skorpion und dürfte nach Ansicht der beteiligten Wissenschafter die bisher besten Bedingungen für Leben aufweisen.

Der Exoplanet mit der Bezeichnung GJ 667Cc hat die rund viereinhalbfache Masse unserer Erde und umkreist auf einer Umlaufbahn von 28,15 Tagen einen Zwergstern der Klasse M. Der Stern ist Teil eines Dreifach-Sternsystems, dessen übrigen beiden Bestandteile sich in großer Entfernung von GJ 667C befinden."Diese Super-Erde bietet die bisher besten Voraussetzungen für die Existenz von flüssigem Wasser und möglicherweise Leben, wie es auch auf der Erde vorkommt", erklärt einer der Leiter der Studie, Guillem Anglada-Escudé von der Universität Göttingen. Ob die fremde Welt tatsächlich Wasser in flüssiger Form aufweist, ist allerdings noch unklar.

Steven Vogt, Astronom an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz, ist trotzdem euphorisch: "GJ 667Cc liegt genau in der habitablen Zone, daran gibt es gar keinen Zweifel: der Planet liegt nicht irgendwo am Rande dieses Bereiches, er liegt mitten drin." Vogt ist Mitautor der Studie, die demnächst in der Fachzeitschrift "The Astrophysical Journal Letters" veröffentlicht wird. Der Planet liege praktisch nebenan, so Vogt weiter. "Es existieren kaum 100 Sterne, die näher sind, als GJ 667C, das Muttergestirn des neu entdeckten Planeten."

Suche nach Anzeichen für Leben

Die Super-Erde erhält von dem Zwergstern, den sie umkreist, etwa ein Zehntel weniger Licht als unsere Erde von der Sonne. Da ein großer Teil dieses Lichts aber im infraroten Bereich liegt, kann der Planet insgesamt etwa genauso viel Energie aufnehmen wie unsere Erde. Der Zwergstern weist im Gegensatz zu unserer Sonne kaum metallische Elemente auf. "Unsere Entdeckung zeigt, dass bewohnbare Planeten in unterschiedlicheren Umgebungen entstehen können als bisher angenommen", so Anglada-Escudé. "Mit einer neuen Generation von Messinstrumenten könnten Wissenschafter solche Zwergsterne systematisch auf ähnliche Planeten hin untersuchen und auf diesen wiederum gezielt nach spektroskopischen Anzeichen für Leben forschen."

Die Distanz von 22 Lichtjahren entspricht etwa 209 Billionen Kilometern. Die Forscher entdeckten die neue Super-Erde, als sie eigentlich eine andere Super-Erde in demselben Sternsystem untersuchen wollten. In ihrer Studie analysierten sie mit einer neuen Methode Daten der Europäischen Südsternwarte (ESO) und des Magellan II-Teleskops in Chile sowie des Keck-Observatoriums auf Hawaii. In zukünftigen Untersuchungen wollen die Wissenschafter herausfinden, ob sich in dem Sternsystem möglicherweise noch ein sogenannter Gasriese und eine weitere Super-Erde befinden. Die Wissenschafter haben ihre Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift "The Astrophysical Journal Letters" veröffentlicht. (red)

  • 22 Lichtjahre von der Erde entfernt befindet sich das Dreifach-Sternsystem mit zwei Zwergsternen der Klasse K (links) und einem Zwergstern der Klasse M (Mitte). Rechts am Bildrand die nun entdeckte Super-Erde GJ667Cc, die den mittleren Zwergstern umkreist.
    illu.: universität göttingen

    22 Lichtjahre von der Erde entfernt befindet sich das Dreifach-Sternsystem mit zwei Zwergsternen der Klasse K (links) und einem Zwergstern der Klasse M (Mitte). Rechts am Bildrand die nun entdeckte Super-Erde GJ667Cc, die den mittleren Zwergstern umkreist.

  • Grafische Darstellung der Umlaufbahnen verschiedener Planeten um den 
Zwergstern der Klasse M. Der 
blau-türkise Bereich, in dem die nun entdeckte Super-Erde (Planet c) 
liegt, bietet gute Voraussetzungen für die Existenz von flüssigem 
Wasser. Die bereits bekannte Super-Erde (Planet b) liegt zu nah am 
Zwergstern und ist zu heiß. Möglicherweise existiert eine weitere 
Super-Erde (Planet d), die aber wahrscheinlich zu weit entfernt ist.
    foto: universität göttingen

    Grafische Darstellung der Umlaufbahnen verschiedener Planeten um den Zwergstern der Klasse M. Der blau-türkise Bereich, in dem die nun entdeckte Super-Erde (Planet c) liegt, bietet gute Voraussetzungen für die Existenz von flüssigem Wasser. Die bereits bekannte Super-Erde (Planet b) liegt zu nah am Zwergstern und ist zu heiß. Möglicherweise existiert eine weitere Super-Erde (Planet d), die aber wahrscheinlich zu weit entfernt ist.

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