Menschenrechtler fordern Anklage gegen Duvalier wegen Menschenrechtsverbrechen
Washington/Port-au-Prince - Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) hat gegen die
Entscheidung der haitianischen Staatsanwaltschaft protestiert, den ehemaligen
Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier nur wegen Korruption anzuklagen. Sie
forderte die haitianische Regierung am Donnerstag auf, zu erklären, warum
Duvalier nicht auch wegen Menschenrechtsverbrechen belangt werden soll.
Die Staatsanwaltschaft hatte zu Beginn der Woche in Port-au-Prince erklärt,
die unter "Baby Doc" begangenen Verbrechen seien verjährt. Die CIDH dagegen ist
der Meinung, dass dies nicht der Fall ist. Während der Herrschaft Duvaliers und
zuvor seines Vaters Francois "Papa Doc" Duvalier (1971-1986) kamen rund 30.000
Menschen ums Leben. Duvalier schaffte in jenen Jahren mehrere Hundert Millionen
Dollar auf ausländische Konten.
Haitis aktueller Präsident Michel Martelly hatte zu Beginn seiner Amtszeit
erklärt, er wolle die Haitianer miteinander versöhnen. Er suchte deshalb im
vergangenen Jahr die noch lebenden Ex-Präsidenten auf, darunter auch Duvalier.
Dieser war ebenso wie der 2004 gestürzte Präsident Jean-Bertrande Aristide
Anfang 2011 nach Haiti zurückgekehrt, um, wie er sagte, dem armen Land zu
helfen.
In der in Washington veröffentlichten Erklärung forderte die CIDH die
haitianischen Behörden auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen,
die Verbrechen zu untersuchen, ein Urteil zu fällen und eine Strafe zu
verhängen. (APA)