"Baby Doc" soll nur wegen Korruption angeklagt werden

2. Februar 2012, 16:00
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Menschenrechtler fordern Anklage gegen Duvalier wegen Menschenrechtsverbrechen

Washington/Port-au-Prince - Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) hat gegen die Entscheidung der haitianischen Staatsanwaltschaft protestiert, den ehemaligen Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier nur wegen Korruption anzuklagen. Sie forderte die haitianische Regierung am Donnerstag auf, zu erklären, warum Duvalier nicht auch wegen Menschenrechtsverbrechen belangt werden soll.

Die Staatsanwaltschaft hatte zu Beginn der Woche in Port-au-Prince erklärt, die unter "Baby Doc" begangenen Verbrechen seien verjährt. Die CIDH dagegen ist der Meinung, dass dies nicht der Fall ist. Während der Herrschaft Duvaliers und zuvor seines Vaters Francois "Papa Doc" Duvalier (1971-1986) kamen rund 30.000 Menschen ums Leben. Duvalier schaffte in jenen Jahren mehrere Hundert Millionen Dollar auf ausländische Konten.

Haitis aktueller Präsident Michel Martelly hatte zu Beginn seiner Amtszeit erklärt, er wolle die Haitianer miteinander versöhnen. Er suchte deshalb im vergangenen Jahr die noch lebenden Ex-Präsidenten auf, darunter auch Duvalier. Dieser war ebenso wie der 2004 gestürzte Präsident Jean-Bertrande Aristide Anfang 2011 nach Haiti zurückgekehrt, um, wie er sagte, dem armen Land zu helfen.

In der in Washington veröffentlichten Erklärung forderte die CIDH die haitianischen Behörden auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen, die Verbrechen zu untersuchen, ein Urteil zu fällen und eine Strafe zu verhängen. (APA)

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