Berufungsgericht bestätigt "bandenmäßigen Betrug" - Auflösung der Sekte wegen Gesetzesänderung nicht möglich
Paris - Die wichtigsten Gruppierungen der Scientology-Organisation
in Frankreich sind zu einer hohen Geldstrafe wegen "bandenmäßigen Betrugs"
verurteilt worden. Ein Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag in Paris ein
früheres Urteil, demzufolge zwei Einrichtungen von Scientology eine Strafe von
insgesamt 600.000 Euro zahlen müssen. Fünf Scientologen wurden zudem zu
Geldstrafen oder Bewährungsstrafen verurteilt.
Den beiden Einrichtungen - dem in Paris ansässigen Celebrity-Zentrum und
seiner Buchhandlung - war vorgeworfen worden, Anhänger in den 90er Jahren
psychisch unter Druck gesetzt zu haben, um sich an ihnen zu bereichern. Der
erste Prozess war durch die Strafanzeige einer Frau ins Rollen gekommen, die
rund 20.000 Euro für Bücher, Medikamente und "Kommunikationskurse" der
Organisation gezahlt hatte.
Die 1954 vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete
Scientology-Bewegung gilt in den USA als Religion, in Frankreich wird sie
hingegen als Sekte eingestuft. In einigen deutschen Bundesländern wird sie vom
Verfassungsschutz beobachtet. Bekannteste Vertreter sind die Hollywoodstars Tom
Cruise und John Travolta. Die Organisation will weltweit rund zehn Millionen
Anhänger haben, davon 45.000 in Frankreich.
Im ersten Verfahren hatte die Anklage auch die Auflösung der
Scientology-Organisationen in Frankreich verlangt. Dies war aber unmöglich, weil
im Mai 2009 - einige Monate vor der Urteilsverkündung - eine Gesetzesänderung
verabschiedet worden war, die Sekten vor Auflösung schützte. (APA)