Gutachter des US-Gesundheitsministeriums äußerten Bedenken über detaillierte Veröffentlichung zu Labor-Erreger
New York - Gutachter des amerikanischen
Gesundheitsministeriums haben Grippe-Forschern empfohlen, die wichtigsten Daten
von einem im Labor entwickelten Supervirus unter Verschluss zu halten. Das
berichtete das US-Magazin "Science" auf seiner Website.
Man habe Bedenken, dass "eine detaillierte Veröffentlichung der Experimente
Einzelnen, Organisationen oder Regierungen helfen könnte, ähnliche Viren für
schädigende Zwecke herzustellen", hieß es im Gutachten. Die USA und andere
Länder fürchten, dass Terroristen mit dem gefährlichen und hochansteckenden
Virus Biowaffen bauen könnten.
Freiwillige Unterbrechung
Aus Angst vor Bioterrorismus hatten Wissenschafter bereits Mitte Jänner
freiwillig ihre Experimente mit der neuen Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1 für 60 Tage unterbrochen. Die
Viren waren von Ron Fouchier (Erasmus Universität in Rotterdam/Niederlande) und
Yoshihiro Kawaoka (US-Universität von Wisconsin-Madison) hergestellt worden.
Beide Teams entdeckten, dass es nur weniger Mutationen bedurfte, um den
tödlichen Erreger unter Säugetieren - Menschen eingeschlossen - hochansteckend
zu machen.
Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA hatten die
Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus besser einschätzen
und Vorbeugung treffen zu können. Die Forscher wollen mit ihren Arbeiten dazu
beitragen, mögliche Veränderungen des Vogelgrippe-Erregers in der Natur frühzeitig zu
entdecken.
Das H5N1-Virus ist hochgradig gefährlich. Es tötet fast alle Vögel und bis zu
60 Prozent aller infizierten Menschen. Seit 2003 sind weltweit fast 600
Erkrankungsfälle bei Menschen bekanntgeworden. (APA, red)