Scientology Frankreich wegen "bandenmäßigen Betrugs" verurteilt

2. Februar 2012, 15:07
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Anhänger psychisch unter Druck gesetzt und ausgebeutet - Verurteilung zu 600.000 Euro Strafe

Paris - Die wichtigsten Gruppierungen der Scientology-Organisation in Frankreich sind zu einer hohen Geldstrafe wegen "bandenmäßigen Betrugs" verurteilt worden. Ein Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag in Paris ein früheres Urteil, demzufolge zwei Einrichtungen von Scientology eine Strafe von insgesamt 600.000 Euro zahlen müssen. Fünf Scientologen wurden zudem zu Geldstrafen oder Bewährungsstrafen verurteilt.

Den beiden Einrichtungen - dem in Paris ansässigen Celebrity-Zentrum und einer dazugehörigen Buchhandlung - war vorgeworfen worden, Anhänger in den 1990er Jahren psychisch unter Druck gesetzt zu haben, um sich an ihnen zu bereichern. Der erste Prozess war durch die Strafanzeige einer Frau ins Rollen gekommen, die rund 20.000 Euro für Bücher, Medikamente und "Kommunikationskurse" der Organisation gezahlt hatte.

Antrag auf Auflösung gescheitert

Die 1954 vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Scientology-Bewegung ist in den USA als Religion anerkannt, in Frankreich wird sie hingegen als Sekte eingestuft. In einigen deutschen Bundesländern steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Bekannteste Vertreter sind die Hollywoodstars Tom Cruise und John Travolta. Die Organisation will weltweit rund zehn Millionen Anhänger haben, davon 45.000 in Frankreich.

Im ersten Verfahren hatte die Anklage auch die Auflösung der Scientology-Organisationen in Frankreich beantragt. Dies war jedoch unmöglich, weil im Mai 2009 - einige Monate vor der Urteilsverkündung - eine Gesetzesänderung verabschiedet worden war, die Sekten vor Auflösung schützt. (APA)

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