Zahl der Toten in Europa stieg auf über 200

3. Februar 2012, 09:10
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Alleine in der Ukraine über 100 Kälteopfer

Der extreme Frost in Europa hat die Zahl der Kältetoten auf über 200 steigen lassen - vor allem im Osten ist die Lage dramatisch. In der Ukraine sind erneut mindestens 38 Menschen der Eiseskälte mit Temperaturen bis minus 32 Grad zum Opfer gefallen. Damit  erhöhte sich die Zahl der Erfrorenen auf 101, wie das Zivilschutzministerium am Freitag in Kiew mitteilte. In Polen starben nach Angaben des Innenministeriums bisher 29 Menschen. Auch in Österreich waren zwei Kälteopfer zu beklagen.

Mehr als 1.200 Menschen werden in der Ukraine wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt. Beobachter vermuten, dass es tatsächlich noch weit mehr Opfer gibt. Die Regierung des zweitgrößten Flächenstaats Europas erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende mit heißen Getränken und Essen versorgt werden, deutlich auf fast 3.000. Die meisten Opfer sind Obdachlose. 64 Leichen seien in den Straßen gefunden worden, hieß es.

Auch die meisten Toten in Polen lebten auf der Straße. In Rumänien wurden bisher mindestens 22, in Bulgarien zehn Tote gezählt. In Tschechien kostete die Kälte seit Wochenbeginn mindestens vier Menschen das Leben.

Tausend unbefahrbare Straßen

Auch anderen Ländern macht der strenge Winter zu schaffen: In der Türkei störten Schneefälle den Verkehr und die Energieversorgung. Auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul seien am Vortag 180 Flüge ausgefallen. In Secmen im Südosten des Landes ist eine Frau unter den Trümmern ihres von einer Lawine verschütteten Hauses ums Leben gekommen. In ländlichen Regionen im Osten seien etwa 1.000 Straßen nicht mehr zu befahren. Teilweise sei das Stromnetz zusammengebrochen.

In Bulgarien beeinträchtigt die eisige Kälte auch die Schifffahrt auf der Donau. Eisschollen
behinderten am Donnerstag das Weiterkommen bei Silistra und Russe, teilte die bulgarische Donaubehörde mit. In Russe sank die Temperatur auf minus 15,6 Grad - das ist der tiefste Wert seit 50 Jahren für einen 2. Februar.

Heißer Tee in Litauen

Wegen der klirrenden Kälte haben die Behörden der litauischen Hauptstadt Vilnius mit der Ausgabe von heißem Tee begonnen. Bei Tagestemperaturen von unter minus 20 Grad verteilten Fahrkartenkontrolleure an den meistfrequentierten Bushaltestellen dampfende Pappbecher an wartende Fahrgäste.

In Lettland ist es wegen der Kälte zu zahlreichen Bränden gekommen. Insgesamt musste die Feuerwehr am Donnerstag mehr als 50 Mal ausrücken, meldete die Nachrichtenagentur BNS am Freitag. Grund für die Brände waren nach Angaben der Feuerwehr häufig defekte Heizanlagen oder verunreinigte Rauchfänge.

Glühwein für Affen

In einer Warschauer Wohnsiedlung seien seit Donnerstag 16 Gebäude von der Hauptleitung abgetrennt und derzeit ohne Heizung und heißes Wasser, berichtete der Warschauer Lokalsender TVN Warszawa. Die Reparaturarbeiten könnten bis Freitag dauern, hieß es. In der Nacht
auf Freitag werden die bisher kältesten Temperaturen des Winters mit minus 30 Grad und darunter erwartet.

Um sie bei den frostigen Temperaturen vor Atemwegserkrankungen zu schützen, werde Affen im Zoo von Karaganda, Lettland, heißer Rotwein zu trinken gegeben. "Letztendlich sind Primaten doch wie Menschen: Sie mögen alkoholische Getränke - einige übertreiben es sogar", sagte die Chef-Veterinärin des Tierparks, Swetlana Piljuk, am Freitag. Der Zoo achte aber streng darauf, dass angehende Affenmütter sowie -Babys nichts bekommen.

Schweden knapp am Kälterekord

Auch die an Frost und Schnee gewöhnten Nordeuropäer bekommen die Extremkälte über Europa immer heftiger zu spüren. Vor allem im nördlichen Teil Schwedens wurde am Freitag bei Temperaturen unter 30 Grad minus der Zugverkehr auf mehreren Hauptstrecken eingestellt. Mit eingefrorenen Weichen und zugeschneiten Strecken lief einfach nichts mehr. In der Ortschaft Kvikkjokk-Arrenjarka in Lappland wurden am selben Tag erstmals unter 40 Grad gemessen. Minus 42 Grad seien schwedischer Kälterekord für diesen Winter, berichtete der Rundfunksender SR.

Eis und Schnee in Italien

In Norditalien blockierten Eis und Schnee ebenfalls Straßen und Schienen. Zwei Züge aus Mailand blieben über Nacht stecken und konnten erst mit zehnstündiger Verspätung weiterfahren, teilte die italienische Staatsbahn mit. In der italienischen Metropole fielen zahlreiche Flüge aus. An der südlichen Adria lag am Donnerstag Schnee, was dort sehr selten ist. Auch an den kroatischen Küsten schneite es. Ferrari musste die Präsentation seines neuen Formel-1-Wagens in Maranello absagen - nicht einmal mit dicken Schneeketten wäre der Wagen vorwärtsgekommen.

Ein seltener Anblick bot sich Einwohnern und Touristen in der italienischen Hauptstadt: Es schneite. Der Schneefall sorgte für chaotische Zustände, der Verkehr wurde vor allem in der Innenstadt Roms teilweise lahmgelegt. (APA/red)

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