Möglicher Pleite-Kandidat

Der Portugiese in der Krise

Analyse | Daniela Rom, 2. Februar 2012, 13:13

Portugal gilt als Musterschüler - Trotz aller Sparbemühungen droht der klamme Staat zur nächsten Feuerprobe für Europa zu werden

Neues Jahr, neue Probleme. Obwohl: So neu sind die Probleme gar nicht. Griechenland kämpft immer noch um seinen Schuldenschnitt mit den Gläubigern. Europa gipfelt einmal mehr in Brüssel, um einen langfristigen Weg aus der Krise zu finden und Brandmauern gegen zukünftige Schwierigkeiten zu bauen. Doch dem nicht genug: Seit mehreren Wochen geistert auch Portugal wieder durch das mediale Krisenschloss. Ein Schreckgespenst, von dem bis vor kurzem eher Gutes zu hören war.

Portugal galt sogar als Musterschüler. Im Frühjahr 2010 musste das ärmste Land Westeuropas auf ein Hilfspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen. Als Gegenleistung für die 78 Milliarden Euro verpflichtete sich Portugal zu einer Senkung des Budgetdefizits auf 5,9 Prozent für das Jahr 2011. Der liberal-konservative Ministerpräsident Pedro Passos Coelho versicherte aber, Portugal werde das noch überbieten und 2011 das Defizitziel für 2012 von 4,5 Prozent erreichen.

Mit drastischen Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen schien das Land auf dem richtigen Dampfer zu sein. Erst vor einer Woche setzte die portugiesische Regierung auch ein Abkommen über tiefgreifende Arbeitsmarktreformen durch, auch wenn der größte Gewerkschaftsdachverband des Landes noch die Unterschrift verweigerte. Mit dem Verkauf des Stromriesen EDP ist zudem das Privatisierungsprogramm erfolgreich gestartet.

Zu wenig

Doch das alles reicht nicht aus. Denn seit Jahren verharrt das Land in einer Wirtschaftsflaute. Die Aussichten für die Zukunft sind auch nicht gerade rosig. Die portugiesische Zentralbank prophezeite für die Jahre 2011 bis 2013 eine nie da gewesene Wirtschaftsflaute. Für das abgelaufene Jahr schätzt die Banco de Portugal den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf 1,6 Prozent, 2012 werde es eine Schrumpfung um 3,1 Prozent geben. Auch wenn für 2013 ein Plus von bestenfalls 0,3 Prozent angenommen wird, dürfte das nicht ausreichen, um die maroden Staatsfinanzen zu sanieren. Damit sind die Vorhersagen der Zentralbank pessimistischer als die der Regierung und der Geldgeber des Hilfspakets, aber auch diese gehen von einer Rezession von 3,0 Prozent für dieses und einem Wachstum von lediglich 0,7 Prozent im nächsten Jahr aus.

Märkte rechnen mit gröberen Problemen

An den Finanzmärkten wuchs zuletzt das Misstrauen in die Zahlungsfähigkeit Portugals. Anleger befürchten, Portugal könnte zum zweiten Pleite-Kandidaten nach Griechenland werden und damit die Eurozone noch mehr in Bedrängnis bringen. Wegen der Gelder aus dem Euro-Rettungsschirm ist Portugal derzeit nicht am langfristigen Kapitalmarkt aktiv, am Sekundärmarkt ging es mit den Portugal-Bonds dieser Tage aber rund. Die Renditen der fünf - und zehnjährigen Staatsanleihen stiegen zwischenzeitlich auf 20,91 beziehungsweise 15,66 Prozent (zum Vergleich: Österreichs zehnjährige Anleihen notierten zuletzt bei knapp drei Prozent) und lagen damit jeweils auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro. Bei den kurzfristigen Papieren hingegen refinanzierte sich das Land problemlos, auch wenn die Nachfrage rückläufig war. Bei Auktionen zweier kurz laufender Geldmarktpapiere mit drei- und sechsmonatiger Laufzeit gingen die zu zahlenden Renditen sogar zurück. Dabei dürfte Portugal auch von der EZB-Geldschwemme profitieren. Die Europäische Zentralbank hatte im Dezember den Geldmarkt mit einer Billion Euro geflutet - Banken investieren dieses Geld in starkem Ausmaß in Anleihen.

Am Markt für Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps, CDS) steht Portugal bereits auf einer Stufe mit Griechenland. Dort verlangen die CDS-Emittenten von ihren Kunden für die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets portugiesischer Anleihen eine rekordhohe Anzahlung in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Derartige Auftakt-Zahlungen werden üblicherweise nur bei CDS für Verbindlichkeiten von Staaten verlangt, die als am Rande der Zahlungsunfähigkeit stehend gelten, sind sich Experten einig. Analysten glauben, das Land werde noch im zweiten Halbjahr 2012 nicht mehr in der Lage sein, weitere Anleihen am Kapitalmarkt zu platzieren. Der Effekt wären dann wohl Gespräche über ein neues Rettungspaket.

Wogen glätten

Portugals Regierungschef Passos Coelho versuchte nach dem Alarm der Finanzmärkte die Wogen zu glätten. Das Land werde "weder mehr Geld noch mehr Zeit brauchen", um die Vorgaben für das Rettungsschirm-Geld zu erfüllen und das Land zu sanieren. Auch bei der Ratingagentur Fitch glaubt man laut der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht, dass Portugal gefährlich für die Eurozone sei. Die Regierung arbeite engagiert und glaubhaft. Auf kurze Sicht sehe Fitch keine signifikante Gefahr für den Rest der Eurozone.

Was es für die Eurozone bedeuten würde, wenn neben Griechenland auch noch Portugal einen Schuldenschnitt und damit auch mehr Geld aus den Töpfen des Rettungsfonds benötigen würde, darüber kann nur spekuliert werden. Die geplante Brandmauer der EU dürfte damit noch ein bisschen höher werden müssen. Hedgefonds, die mittlerweile auch den "Worst Case" durchrechnen, ist eines klar: Die Folgen eines Zusammenbruchs der Eurozone oder des Austritts von mindestens einem Land aus dem Währungsverbund sind nicht kalkulierbar. (rom, derStandard.at, 2.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 115
1 2 3
das ist fix
00
11.2.2012, 07:56

385 Tonnen Gold besitzt Portugal

Die sollten zuerst einmal das verkaufen was sie nicht unbedingt brauchen und erst dann die andern EU-Staaten anpumpen.

http://www.handelsblatt.com/politik/i... 36686.html

http://www.spiegel.de/wirtschaf... 31,00.html

It is so hot in here...
00
10.2.2012, 10:21
Wie hoch ist der Schuldenstand in Portugal?

Und weche Zahlungen sind 2012 von Portugal zu leisten?

Bitte um Info... Danke

Mentari Estoray
11
Umverteilungsaktion

2007 hatte die größte Vermögensumverteilung der Geschichte des Menschheit begonnen und sie ist noch lange nicht zu Ende.

Zuerst erhöhte man den Wert von Geld indem man reales abwertete (zB Immoblase) und dann erhöhte man den Preis lebensnotwendiger Güter und von Energie.
Damit hatte man bewirkt, dass Schulden schwerer wogen und Geldvermögen wertvoller wurden.

Die logische Konsequenz ist, dass die Einkommensschere plötzlich viel stärker wiegt! Verschuldete Menschen wollen ihre Schulden abtragen, können es aber nicht weil die Ausgabenseite wächst. Der Konsum geht zurück, Geld und Schulden werden immer "teurer". Die Geldmenge muss dennoch wachsen. Es bildet sich eine "Geldblase" OHNE Inflation.

Anders gesagt, wir werden Schuldensklaven.

Peter_23
00
Sie haben es fast verstanden.

Es ist aber keine böse Macht im Hintergrund die Sie mit dem nebulosen Wort "man" in der Passage "erhöhte man den Wert" umschreiben. Wer soll denn das sein und warum sollte dieser "man" das wollen, das können und das auch schaffen? No, no.

Ihre Erklärung wird dann treffend, wenn Sie statt diesen "man" einfach die reale Ursache einsetzen: Die Zinsen und der Zinseszins. Das Problem ist geschöpftes Geld das gegen Zinsen ausgeliehen wird (=Kredite, Schulden) ohne bei der Geldschöpfung die dafür nötigen Zinsen mitzuschöpfen.

Denken Sie mal darüber nach.

dasandere
01
Auch wenn ich ihrer Meinung bin,

so bleibt die Frage des Zeitpunkts. Unkoordiniert und spontan kommt das alles nicht so ins Rollen..

dasandere
00
Auch wenn ich ihrer Meinung bin,

so bleibt die Frage des Zeitpunkts. Unkoordiniert und spontan kommt das alles nicht so ins Rollen..

Nörgler
10
Soll der Reim lustig sein?

Passt besser zum Niveau der Krone/Österreich

dasandere
00
An dieser Stelle der Geschichte

endet also schließlich die alte Story von Ricardo und dem Wein aus Portugal und dem Tuch aus England..

Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

NicoPelikan
01
Strukturkrisen kann man nicht mit Finanzinstrumenten loesen

Portugal hat Probleme, seitdem es keine Kolonien mehr leersaugen kann.
Griechenland mangelt es an Industrialisierung, neben den bekannten Problemen Korruption, Steuerhinterziehung und Kapitalflucht.

andreas wreiser
 
00
Genau, das sehe ich auch so

Die Abwertungspolitik in den Südländern,
hat in den Jahrzehnten vor dem Euro,
doch gut funktioniert,
währen dessen eine Abwertung durch Löhne oder Sozialleistungen direkt in den Bürgerkrieg führt.

Außerdem haben Länder mit eigener Währung,
trotz doppelt oder dreifach so hohen Schulden,
USA, GB, Japan,
keine Probleme mit den Ratingagenturen wie vergleichsweise Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien

andreas wreiser
 
00
sorry sollte Antwort zu ROTWESSROT sein

ROTWEISSROT
03
Bei so unterschiedlichen Kulturen tut eine Gemeinschaftswährung nicht gut

Exportschwachen Ländern MUSS die Möglichkeit gegeben werden, ihre Währung abzuwerten. In diesem Fall bringt der EURO Armut über die griechische Bevölkerung und Reichtum den Banken

lichaot
00
Sie meinen als positives Beispiel wohl Ungarn!

Die EZB muss endlich direkt Staatsanleihen kaufen, damit die Zinsen dieser in einem vernünftigen leistbaren Rahmen bleiben.
Nur ein Ende des Bankenförederungsprogramms der EZB hilft.

ROTWEISSROT
00
Oder vielleicht Schweden und Norwegen ?

oder die Schweiz

Ungarn hat einen Orban der halt auch viel kapuut macht

Metal Heini_
00
Diese Länder MÜSSEN gesundschrumpfen

und nicht jetzt noch Wachstum generieren sollen. Die Schulden werden vorher auf die Hälfte zusammengestrichen und neue defakto unmöglich gemacht. Als nächstes müssen sie 50 Jahre abwarten, um aus den Fehlern lernen zu können und eine neue Mentaliät zu finden.

Pareidolic
11
Wie oft noch?

Wie viele Länder müssen denn eigentlich noch alle das selbe tun, brutale Sparpakete alle mit dem Resultat dass das Wachstum einbricht, die Einnahmen fallen und die Anleihen teurer wären, bis mal irgend jemand in Europa drauf kommt dass vielleicht die bisher verfolgte Strategie nicht die richtige war, und dass vielleicht doch an der altbekannten Theorie was dran ist dass in einer Wirtschaftskrise der Staat durch Investitionen Nachfrage schaffen muss?

AG65
00
Hoffentlich bleibts

AG65
01
nur bei Griechenland und Portugal

Ich denke, das Problem der Eurokrise ist, dass Politiker + Bürokraten in Brüssel ein Wunschdenken haben, wie Finanzmärkte funktionieren und man Länder rettet, das aber wirklich nicht der Realität entspricht.

Mit anderen Worten, ohne werten zu wollen, Politiker und Finanzmärkte reden/handeln aneinander vorbei.

Jeder halbwegs Gebildete sollte erkennen, dass die bisherigen Lösungen des Griechenlandproblems für die Märkte schlichtweg versagt haben und auch weiterhin versagen werden. Und nachdem also in Griechenland nix weitergeht und weit breit keine Lösung in Sicht ist, zweifeln die Märkte verständlicherweise halt nun auch die Zukunft Portugals an. Und danach, wenn sie Portugal abgeschrieben haben, knüpfen sie sich das nächste Land vor....

without_von_delay
32

abseits davon ob die Währungsunion gut oder schlecht ist.

Die wirtschaftlich schlechteren Ländern tragen jetzt die Konsequenzen dafür jahrelang Geld verprasst zu haben, riesige Verwaltungsapparate aufgebaut zu haben und Steuerhinterziehung ermöglicht zu haben.

Wies aussieht triffts früher oder später alle EU Länder und mit Sparpaketen die die Kaufkraft und Wirtschaftsleistung senken wird man das wohl nicht in den Griff bekommen.

Ich seh da nicht das Problem in der bösen Währungsunion aber das liegt vll. daran, dass ich wirtschaftlich nicht sehr gebildet bin sondern versuche meinen Hausverstand zu nutzen.

rice bite
00
So stumpfe Reime

als Titel einer Story hätt ich mir vom Standard nicht erwartet. Danke, ich bin wieder auf der Erde.Wolf Martin lässt grüßen.

sturmy
00
in den Wind gesprochen...http://youtu.be/zNdYekfUJ5M

linker Schlechtmensch
00
Und

die Portugiesin?

Jean Paul Sattnitz
00
sonst reimt es sich nicht mehr ...

... und tuts nicht dauernd auf irgendwelchem sinnlosen gender-empfindlichkeiten herumreiten ... linker schlechtmensch, du.

PEACETIME
17
Es ist eine Systemkrise und ein Zinsprodukt (das Kleingedruckte)

Es ist doch einem Vollpfosten klar, dass etwas, was schon bei Griechenland nicht funktioniert anderswo im selben Raum ebenso nicht funktioniert. Wenn was nicht läuft, mehr vom Selben ist vollkommen idiotisch, aber genau die Handlung, die, die EU setzt.
In diesem Sinne, und durch das Festhalten am Zinssystem ( welches Armut, ewiges, nicht erfüllbares Wachstum verlangt und für Kriege verantwortlich zeichnet), durch die Nichtemanzipation von der desolaten USA wird die EU zum Europäischen Untergang.
Mal schauen, ob dann die nächste, noch größere Zentralisierung ( von Macht) als die alleinige, ultimative und alles rettende Lösung der Probleme vorgeschlagen wird. Reden ohnehin viele schon vom Bundesstaat Europa und einer Weltregierung...

Tildy
24
Die Krise ist vorbei wenn alle Schulden zurückbezahlt sind.

Das System ist jedoch so geplant, dass Schulden nicht zurückbezahlt werden können. Ich denke auch, dass Schulden gar nicht dafür gedacht sind, zurückgezahlt werden zu können. Wenn man bedenkt, dass letztendlich alles Geld nur Schuld ist, geht das ja gar nicht, denn es gebe in dem Fall kein Geld mehr im Umlauf :)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 115
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.