25-Jährige gibt Beziehung mit Costa-Kapitän zu

2. Februar 2012, 12:25
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Ermittlungen auch in Frankreich - Zehn Gesellschaften für Bergung des Wracks angeschrieben

Rom - Knalleffekt in den Ermittlungen um das Kreuzfahrtunglück vom 13. Jänner vor der toskanischen Insel Giglio: Eine junge Frau aus Moldawien, die Kapitän Francesco Schettino entlasten wollte, hat bei den Einvernahmen nun zugegeben, dass sie mit dem Schiffsführer ein Verhältnis hatte. Sie sei mit Schettino zusammen gewesen, als das Kreuzfahrtschiff einen Felsen rammte. Sie sei auch auf der Kommandobrücke des Schiffes gewesen. "Ich bin in Schettino verliebt", betonte sie. Sie sei sein Gast an Bord gewesen.

Unterdessen haben auch französische Ermittler damit begonnen, das Unglück zu untersuchen. Die Reederei "Costa Crociere" hat zehn internationale Gesellschaften wegen der Bergung des Wracks angeschrieben.

"Ich liebe Schettino, es ist unfair, ihn zu zerstören. Alle sind gegen ihn", wurde die 25-jährige Moldawierin Domnica Tschemortan von der Turiner Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstagausgabe) zitiert. Er habe mit seinem Verhalten mehrere Menschenleben gerettet. "Costa Crociere" versicherte, dass die Frau keine blinde Passagierin an Bord gewesen, sondern auf der Passagierliste gestanden sei. Tschemortan berichtete, dass sich alle Besatzungsmitglieder an Bord des havarierten Schiffes professionell verhalten hätten.

Auch in Frankreich ermitteln die Staatsanwälte

Die Frau sagte, sie habe für die Costa-Reederei auf anderen Schiffen gearbeitet und an Bord der Costa Concordia ihren 25. Geburtstag feiern wollen. Ihre Aussagen wurden vom Oberstaatsanwalt der toskanischen Stadt Grosseto, Francesco Verusio, als besonders wichtig bezeichnet.

Unterdessen hat die französische Staatsanwaltschaft nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP eigene Ermittlungen zum Kentern des italienischen Kreuzfahrtschiffes eingeleitet. Wie die Strafverfolgungsbehörde am Donnerstag mitteilte, wird sie sämtliche Überlebenden mit französischem Pass befragen lassen. Von den 4.229 Passagieren kamen 462 aus Frankreich. Vier von ihnen starben, zwei werden noch vermisst.

Mit den Ermittlungen will die französische Staatsanwaltschaft zur Aufklärung der Katastrophe beitragen und mögliche Versäumnisse bei den Evakuierungs- und Rettungsmaßnahmen identifizieren. Zudem soll das Ausmaß der verursachten finanziellen und psychischen Schäden evaluiert werden.

Bergung unter Einhaltung der Umweltschutzkriterien

"Costa Crociere" hat inzwischen Kontakt zu zehn internationalen Gesellschaften aufgenommen, die das Wrack vollständig bergen sollen. Dies berichtete der Chef des italienischen Krisenstabes, Franco Gabrielli. "'Costa Crociere' hat versichert, dass die Bergung die Umweltschutzkriterien voll erfüllen wird", sagte Gabrielli bei einem Treffen mit den Bewohnern der Insel Giglio am Donnerstag.

Die ungefähr 1.000 Bewohner der Insel wollen eine finanzielle Entschädigung verlangen. Sie sehen die Zukunft der Insel als Touristenziel beeinträchtigt und erwarten Einbußen bei der Fischerei. Es sind bereits Möbel aus dem Wrack geschwemmt worden, die sich in Barrieren rund um die "Costa Concordia" verfingen. Über mehrere Tage hinweg gelangten auch chemische Produkte, Spül- und Waschmittel ins Wasser.

Die "Costa Concordia" war am 13. Jänner vor der Insel Giglio vor der toskanischen Küste auf einen Felsen aufgelaufen und halb untergegangen. Bisher wurden 17 Todesopfer geborgen, 15 werden noch vermisst. Die Suchaktionen im Inneren des Schiffs wurden aus Sorge um die Sicherheit der Taucher mittlerweile für beendet erklärt. (APA)

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