Ungarischer Größenwahn?

Gastkommentar | 2. Februar 2012, 12:43
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Europas Feuilleton diskutiert über Ungarns Abkehr von der Demokratie

"Quo vadis, Hungaria? Kritik der ungarischen Vernunft" ist der Titel der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Osteuropa, die sich schwerpunktmäßig mit den politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen in Ungarn auseinandersetzt. Gábor Halmai, Professor für Verfassungsrecht an der Eötvös-Lóránd-Universität in Budapest, unterzieht die neue Verfassung einer kritischen Analyse, und der ehemalige ungarische Kulturminister und Professor für Politologie an der Budapester Central European University, András Bozóki, leitet die aktuellen Entwicklungen aus einer Kombination aus nationalen Opfermythen und Größenwahn ab.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, unter Ausschluss der Opposition?

Halmai findet an der Verfassung nicht nur ihren Inhalt bemerkenswert, sondern auch ihren Entstehungsprozess, der, anders als es in einer Demokratie üblich ist, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit und auch weitgehend unter Ausschluss der Opposition stattgefunden hat. Dass dies überhaupt möglich war, verdankt Regierungschef Viktor Orbán seiner Zweidrittelmehrheit im Parlament. Diese qualifizierte Mehrheit, die für die Änderung der Verfassung bzw. der sogenannten Kardinalsgesetze notwendig ist, hätte der Stabilität Ungarns dienen sollen. Derzeit dient sie jedoch dazu, Orbáns Politik auch nach einer Abwahl für lange Zeit festzuschreiben.

Einheitliche ungarische Nation

Darüber hinaus beinhaltet die im Schnellverfahren erarbeitete und beschlossene Verfassung auch eine Reihe von inhaltlichen Mängeln. Halmai meint: "Ein wichtiges Kriterium für eine demokratische Verfassung ist, dass jeder Bürger, der in ihrem Geltungsbereich lebt, sie als seine eigene betrachten können sollte. Das ungarische Grundgesetz verfehlt diese Anforderung in mindestens zweifacher Hinsicht. Zum Ersten definiert die Präambel mit der Überschrift 'Nationales Bekenntnis' als Subjekt der Verfassung nicht die Gesamtheit aller Menschen, die im Geltungsbereich ungarischen Rechts leben, sondern die ungarische 'Ethno-Nation'. [...] Gleichzeitig schließt sie jene Ungarn ein, die außerhalb der Landesgrenzen leben. Die Erhebung der 'einheitlichen ungarischen Nation' in den Rang des Verfassungssubjekts suggeriert, dass sich der Geltungsbereich des Grundgesetzes gewissermaßen auf das gesamte historische, vor-trianonische Ungarn erstreckt, mit Sicherheit aber die Orte einschließt, wo heute noch Ungarn leben."

Formelle und informelle Regeln

Bozóki kritisiert in seinem Artikel "Autoritäre Versuchung" ebenfalls die Abkehr Ungarns von demokratischen Verhältnissen. Er leitet die derzeitige Krise der ungarischen Demokratie aus dem Konsenszwang, der Informalität, der Partokratie, dem Scheitern der Wirtschaftsreformen und der Illusion der Stabilität ab. Er argumentiert, dass das Verhältnis Ungarns zur Demokratie auch in der Vergangenheit ein ambivalentes war, da es stets ein Misstrauen gegenüber jeder Form der Machtausübung gab. "Die Geschichte hatte die Ungarn gelehrt, die ihnen von den fremden Eroberern aufgezwungenen formellen Regeln nur scheinbar einzuhalten und unter der Oberfläche die Regeln und Kultur der informellen Gesellschaft aufzubauen. Die Dualität von formellen und informellen Regeln, die heikle Anpassung an sie, ihre Ambivalenz und trickreiche Ausnutzung hatten sich tief in das Verhaltensmuster der ungarischen Gesellschaft eingegraben. Man gab dem Kaiser, was des Kaisers war, Steuern zu zahlen vermied man jedoch tunlichst."

Bozóki betont, dass "die jetzige Krise der ungarischen Demokratie darauf verweist, dass die Demokratie nicht auf ihren institutionellen Rahmen eingeengt werden darf, denn Institutionen können leicht von Führern leergefegt werden, die das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit nicht respektieren". Dennoch sieht der Autor auch eine Chance in der gegenwärtigen Situation, denn "die Demokratie ist niemals ein für alle Mal vollendet, sie ist vielmehr ein dynamischer Prozess, ein labiles Gleichgewicht zwischen Kräften und Gegenkräften. Wenn die ungarische Demokratie dank gesellschaftlichen Widerstands die gegenwärtige autoritäre Herausforderung überlebt, stehen die Chancen gut, dass sie hernach stärker sein wird als je zuvor." (derStandard.at, 2.2.2012)

Info

Den vollständigen Text von Gábor Halmai können Sie hier nachlesen.

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Posting 1 bis 25 von 28
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cosmopolit
22

Der Autor hat in seinen Artikel zu erwaehnen:

Die mehrheitliche ex-kommunistische Opposition wollte gar nicht an der der Ausarbeitung der neuen und moderen Verfassung teilnehemen und boykotierte sie auch offen aus pol. Kalkül. Kurz gesagt hielten diese an die in den 50zigern Jahren unter Diktatur entstandenen alten Verfassung fest.

Der Grössenwahn Ungarns ist unbegründetet. Auch Österreich übt mit der in der öst. Verfassung verankerten Schutzmachtfktion über Südtirol ein Recht aus das sich über die Grenzen des Staates hinausbewegt. In gegensatz zu Östereich mit Südtirol hat Ungarn jedoch 4. " südtirolprobleme" die seit 90 jahren auf Lösung mit den Nachbarstaaten in Form von Autonomiestatuten warten.

Sandor Kocsis
00

Sie vergessen zu erwähnen, dass ganz wohl viele Ungarn (die mit diesen tollen Pickerln am Auto) gerne ein größeres Land hätten.

Und, dass die ungarischen Parteien in den Nachbarländern auch schon in Regierungen saßen

Ich glaube auch nicht an die politische Machbarkeit, und wäre für Autonomien. Mit dem Gehabe, der Sprache der jetzigen Regierung wird das schwer umzusetzen sein. Mit der Minderheit wird hüben und drüben der Landesgrenzen politisches Kleingeld verdient.

Rührei aus der Walachei
22
Bin schon neugierig wann die ersten ungarischen Radiastationen ins Burgenland flüchten.

Und von dort aus in Freiheit in ihr verarmtes und undemokratisches Land hineinsenden. Radio Free Hungary oder so ähnlich wird das heissen.

contact
00
Bitte nicht!

das wäre dann ein willkommener Anlass, das Burgenland heim ins Ungarnreich zu holen.

Johannes Benn
44
.

wovor hat das linksliberale europa angst? vermutlich vor einer positiven entwicklung in ungarn. sollte die rechnung orbans aufgehen, die geburetenrate steigen, die kriminalitaet sinken, sollten die buerger mit der neuen situation zufrieden sein wuerde das erste mal seit langem ein konkurrenzmodell entstehen.

salgon
10

Ja, ich seh grad auch wie glänzend sich Ungarn in den letzten Jahren entwickelt hat.
Die Meinungs- und Pressefreiheit ist auf einem noch nie dagewesenen Niveau von Erhabenheit, Überparteilichkeit und Unabhängigkeit angelangt.

Die wirtschaftliche Situation verbessert sich sozusagen stündlich und der Forint wird wahrscheinlich die neue Hart- und Leitwährung in Europa, ach was, wahrscheinlich der ganzen Welt!

Außerdem erreicht die Integration von Minderheiten wie z.B. der Roma und Sinti inzwischen ein Niveau, dass man nur als Glückseligkeit bezeichnen kann, welche ihnen durch den absoluten Pazifismus, denn sie durch andere Volksgruppen erfahren, zuteil wird.

zinn glaeckl
00

sollte.

Rührei aus der Walachei
34
Ungarn wird in Gewalt und Armut versinken.

Wenn die so weitertun.

wuzzelbaer
32
In ungarischen Ämtern

das war neulich im Fernehen klar zu sehen

hängen Landkarten mit den Umrissen Ungarns in vortrianonische Grenzen!

Das bedeutet: österreichisches Land ist in Ungarn auf amtlichen Karten als magyarisches Gebiet verzeichnet!!!

Die hiesige Bundesregierung weiß das offenbar nicht. Sie sollte es aber wissen und gegen diesen unglaublichen Skandal lauthals protestieren!

cosmopolit
41
Schengen EU ohne Grenzen, EU land der Regionen

Prinzip der EU: Im heutigen grenzenlosen Schengen Eu sollte es keine Grenzen mehr zwischen den "nationalstatten" geben, die meistens keine Nationalstaaten sind, (sonden meistens heterogene Bevölkerung aufweisen zB: Sk, Rum.).

Die österreichische Regierung sollte sich lieber bei der Republik Ungarn endlich einmal offiziell entschuldigen, dass Sie als Kriegstreiber im 1Wk, der auch noch das schuldlose Ungarn damit mit in den Abgrund riess (das 2/3 seines vormaligen Territoriums und MEHRERE MILLIONEN landsleute in die nachfolgerstatten verlor), dann noch die Frechheit besass das 1000 Jahre zu Ungarn gehörige 4-Burgenland bzw. Deutsch Westungarn noch vom völlig ausgebluttetetn "Bruderstaat" ohne jeglichen Grund zu enteigenen.

rosso2
32

das ewige Gejammer dass die armen Ungarn von allen vorzugsweise von den Habsburgern geknechtet wurden ist nicht mehr anzuhören.Franz Ferdinand sagte mit recht dass Ungarn alle 100 Jahre neu erobert werden muß.Die haben mit den Türken permanent konspiriert mit den Franzosen ebenso und ihre Minderheiten immer schlecht behandelt.Wirtschaftlich haben die Ungarn nie was weitergebracht außer Mulatschak(ich weiss falsch geschrieben) Magenbitter und Gänseleber allenfalls noch Salami mit Csardas ist dort gut.Ihre führenden Schichten haben das Geld im Ausland und ihre Leute werden übel behandelt.Die Ungarn haben diese Regierung, die sie haben wollen;wir übrigens auch

zinn glaeckl
11
in westungarn, in der polgár iskola (bürgerschule)

waren die deutschen kinder menschen zweiter klasse, die lehrer nannten sie die "schiachen schwobn".
und wenn die lehrer mit ihnen schimpften, sagten sie: "a rossz seb edyemek". (ungefähr: der böse aussatz soll dich fressen.)
Das ist die beweisbare historische wahrheit.

man muss hier aber auch anfügen, dass die "magyaronen", also deutschsprachige mit einer höheren (ungarischen) bildung, sich in der regel besonders national-ungarisch gebärdeten. (beamte, lehrer, pfarrer etc.)
das wird auch dadurch unterstrichen, dass diese bevölkerungsgruppe (mit deutscher muttersprache!) bei der ödenburger volksabstimmung für den verbleib bei ungarn eintrat.
als dank dafür wurden sie 1945/46 von den ungarn vertrieben. viele gingen nach baden-württemberg.

cosmopolit
00

Sie vergessen zu erwaehen wie der Österreische staat mit Minderheiten seit Bestehen der 1. u. 2. Republik umgeht. Minderheiten wurden systematisch assimiliert und diskrimminiert und keinesfalls in irgendeiner Weise emanzipiert.
Bsp: kroatische und ungarische Vornamen im Bgld wurden in Urkunden verdutsch etc..
Slowenienproblematik.......

Sandor Kocsis
00

hat er nicht vergessen - Sie haben nur über Ungarn gesprochen.
Und, nur, weil die Österreicher es auch getan haben, ist es gut, dass Ungarn auch so schlecht gehandelt hat?

Bagolyvár
00
Nein, aber es ist ein Grund etwas leisertreten,

und in sechs Sätzen soviel Blödheit zu äußern, dass man sie nicht einmal in einem Aufsatz widerlegen könnte.

Karl Buschina
01
Die österreichische Regierung und das österreichische Volk sind nicht für die Handlungen der habsburgischen Herrscher verantwortlich.,.

omar chamra
54
Heute Frueh hat Malev Pleite angemeldet, die Demokratie

wird so oder so abgeschafft, ein autoritaeres Regime eingerichtet und hier schwadronieren einige ueber Globalisierung und Weltverschwoerung gegen Ungarn.
Wirtschaftlich fuehrte Orban & Matolcsy in die Katastrophe. Im Inland demonstrieren ihre Anhaenger gegen die EU und IWF, im Ausland betteln die stolzen Magyaren unter ihrem Anfuehrer Orban um Anleihen bei der EU und IWF.

Tintininafrica
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Medien

Natürlich sind "freie Medien" wichtig usw.(wenn es solche gäbe). Ich frage mich jedoch, warum über obskure Artikel in obskuren Zeitschriften, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit erscheinen, so ausgiebig berichtet wird. Vielleicht, weil das dort gerade Geschriebene einem in den Kram passt? Das ist OK, aber dann soll man das auch deutlich sagen. Hievon abgesehen weiss jeder, der sich ein bisschen in Ungarn auskennt, dass Halmai alles andere als ein angesehner Verfassungsjurist ist. Vom Bozoki braucht man gar nicht zu reden.
Na ja, Manipulation besteht nicht nur darin, dass man einfach lügt sondern vor allem im Auswahl dessen, was "News" (sic) ist.

globetrottel
01

Jaja - versuche, den Überbringer der Botschaft zu diskreditieren, und lenke damit vom Inhalt der Botschaft ab..

Altes rechtes Rezept !

Bagolyvár
10
Ist auch richtig so!

1, Schau nicht nur an was gesagt wird,
2, Schau es an wer es sagt,
3, Frage dich was er damit wohl (=übel) bezweckt!

Schluck nicht alles, denn es gibt nichts schlimmeres als wenn jemand das Vorgekaute unverdaut wiedergibt.

contact
10
Wissen Sie,

wir sind es noch gewohnt, uns unser eigenes Bild zu machen. Sowohl über die Texte als auch über die Personen.
In Ungarn ist das anscheinend nicht mehr üblich.
Da reicht die Zuweisung links-liberal, um die Argumente gar nicht mehr zu lesen. Und bei den anderen ist es wohl gleich.

Igor Gassner
57
Eurozine

in Wien Rausgegeben Chefredaktuer war vorher mit dem Courier International liiert. Mehr brauchen wie nicht wissen.

Ich nenne so was Pseudomedien hrausgegeben von Banken Geheimdiensten und sonstigen Institutionen die die Welt in ihre Richtung beeinflussen wollen und über befreudete Blätte die in Medienringen organisiert sind die wieder übder die Agenturen von den großen der Finazwelt kontrolliert werden gepuscht so als wäre da was. Aber da is nix.

Ungarn ist nur das erste Problem es gibt auch andere Osteuropäische Länder die aus diesem Spiel aussteigen könnten.

Marcus Maccabaeus
912
Wenn die gesamte Globalistenbande auf den Orban einprügelt, dann macht er offensichtlich irgend etwas verdammt richtig!

Tan S. Taafl
73
Sie haben Angst vor Globalisierung?

Vielleicht nicht intelligent genug, sich zu behaupten? Es ist leider wirklich so, dass die Unbegabten durch globalen Wettbewerb unter Druck kommen, aber dafür gibt es ja auch sozialstaatliche Transfers.

Marcus Maccabaeus
00
Ja wenn sie mit chinesischer Sklavenarbeit konkurrieren wollen, bitte sehr!

Leute wie sie habens einfach nicht geschnallt: Globalismus heisst irgend wo billig zu produzieren und wo anders teuer zu verkaufen. Das ganze funktioniert jedoch nur temporär und deshalb haben wir jetzt die Finanzkrise!
Wenn sie glauben, dass sie sich unter solchen Umständen dauerhaft behaupten können, werdens noch ihre blauen Wunder erleben!

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