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Dass in Palatschinken, Biskotten & Co Eier aus aller Herren Länder stecken und wohl eher nicht händisch aufgeschlagen werden, sei den meisten nicht bewusst.
Wien - Bei einem Schnitzel denkt keiner an Hühner, sagt Robert Ortner. Auch nicht bei Schaumrollen und Palatschinken. Dass darin Eier aus aller Herren Länder stecken und wohl eher nicht händisch aufgeschlagen werden, sei den meisten nicht bewusst. Ortner wundert sich daher auch nicht wirklich darüber, warum kaum einer sein Unternehmen kennt, obwohl es doch in Österreich in aller Munde ist.
Der Niederösterreicher ist Spezialist für Flüssigeier. 10.000 Tonnen verlassen jährlich seine Produktion in Biberbach. Die Bundesbahn karrt sie in riesigen Tanks zu Großabnehmern wie Ölz, Recheis, Spitz, Manner und Felix. Bäcker, Wirte und Eissalsons sind ebenso treue Kunden wie die Küchen der Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie wollen das Ei in allen Formen und Mischungen: in Fünf-Liter-Packungen, als fixfertiges Spiegelei unter verschweißter Folie, als gefrorene lange Stange und gewürzte Eierspeis, die nur noch in die Pfanne gehauen gehört.
Der Bedarf der Lebensmittelindustrie danach ist groß, und Ortner deckt in Österreich davon 80 Prozent ab. Ob für Frittaten oder Biskotten, das Ei werde auf Kundenwünsche zugeschnitten. Die Betriebe wollten Halbfertiges und damit wenig Arbeit. "Denn die kostet Geld."
Ortner ist gelernter Maurer. In der Flüssigeibranche begann er als Staplerfahrer und stieg dann rasch zum Betriebsleiter auf. Zahlen seien seine Stärke, und schon immer habe er Bilanzen besser lesen können als so mancher Akademiker, sagt er, und es klingt bescheiden.
Dass das 1988 gegründete Werk acht Jahre später in die Insolvenz rutschte, erklärt er mit Managementfehlern: Acht große Eierproduzenten hatten es in Biberbach eröffnet, um überschüssige Ware nicht weiter auf Feldern entsorgen zu müssen. Da Hendln naturgemäß nach Ostern im gleichen Tempo weiterlegen, landeten einst Millionen Eier unter dem Pflug. Die zu hohen Eierpreise der früheren Eigentümer machten das Flüssigeigeschäft jedoch zu einem verlustreichen, erinnert sich Ortner. Vor 16 Jahren kaufte er 20 und der niederländische Konzern Interovo 80 Prozent der Anteile. Seither erziele die Pro Ovo Gewinne. 33 Mitarbeiter setzen mittlerweile jährlich 14 Millionen Euro um.
50 Prozent Import
Eine Million Eier schlägt der Betrieb am Tag maschinell auf. Messer schneiden sie über Blechen auf - Schlitze trennen Dotter und Eiweiß. Im Vergleich zum europäischen Mitbewerb ist Pro Ovo freilich klein: Internationale Erzeuger verarbeiten die sechsfache Menge.
Ortner sucht keine Eier, sie werden ihm angeboten. Gut die Hälfte importiert er, "weil es in Österreich zu wenig davon gibt". Eier aus Boden- und Freilandhaltung dominieren. Biologisch sind weniger als drei Prozent, den Kunden seien sie zu teuer. Fast ein Fünftel entstammt Käfigen. Er sei ein Gegner der Kleingruppenhaltung, sagt Ortner. Doch es mangle in Europa nach wie vor an Alternativen.
Für Rufe nach einer generellen Herkunftskennzeichnung auf Lebensmitteln sei es daher zu früh. Technisch hält er das ohne weiteres für machbar - auch wenn sich viele Betriebe wehrten. Er selbst bietet ab April erstmals Flüssigei unter dem AMA-Gütesiegel. "Wir wollen Importe zurückdrängen."
Gute Geschäfte macht Pro Ovo nicht nur mit dem Gelben vom Ei. Auch Teile der Schale werden zu Geld gemacht: Sie enden als biologischer Nacktschnecken-Tod. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)
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