Unterricht praxisfern

Schlechtes Zeugnis für Wiener Volksschulen

2. Februar 2012, 10:57
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    foto: apa/schneider

    Kindgemäß gestalteter Unterricht ist an Wiener Volksschulen eine Seltenheit, meinen die Studienautoren.

Studie: Anschauliche Unterrichtsmethoden werden auch dann nicht angewandt, wenn sie sich geradezu aufdrängen

Vielen Kindern ist das spielerische Erlernen von Mathematik fremd. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien. Demnach werden die Grundrechnungsarten vorwiegend über das Ausfüllen von Arbeitsblättern und das Schreiben in Buch oder Heft gelehrt. 15 von 39 der zu diesem Thema befragten Kinder geben außerdem an, von der Lehrkraft ausgeführte Rechnungen von der Tafel ins Heft abzuschreiben. Die Studie untersuchte Unterrichtsmethoden im Mathematik- und Sachunterricht. Befragt wurden insgesamt 96 SchülerInnen der 3. und 4. Klassen an 23 Wiener Volksschulen zu den Themen, die sie gerade im Unterricht behandelt hatten.

Viele Kinder wünschten sich ausdrücklich einen praxisbezogenen Unterrichtsstil. Die Kinder wollten messen und etwa eine Fläche mit Fliesen verlegen, schreibt Heribert Schopf, Mitautor der Studie: "Mit anderen Worten: Sie wollen etwas mehr tun im Unterricht, als im Heft arbeiten." Die meisten SchülerInnen lernen aber auch Flächenberechnungen mittels Rechnungen im Heft oder auf Arbeitsblättern.

Gutes Klima in Wiener Klassenzimmern

Auch im Sachunterricht wird der Lehrstoff hauptsächlich über "Erzählen", das Ausfüllen von Arbeitsblättern oder das Schreiben von Merktexten vermittelt. Lehrausgänge und Experimente empfinden die Kinder als besonders motivierend, finden nach Angaben der SchülerInnen aber selten statt.

Durchgehend als positiv empfinden die befragten SchülerInnen das Klima im Unterricht: Sie haben großes Vertrauen in ihre LehrerInnen. Die Zusammenarbeit mit KlassenkollegInnen macht den Kindern Spaß und wird vom Lehrpersonal auch ermöglicht.

Je älter die Lehrkraft, desto "geschlossener" der Unterricht

Bei der Befragung von 623 Wiener VolksschullehrerInnen im Rahmen der Studie gab ein gutes Viertel der Lehrkräfte an, den Unterricht nicht so gestalten zu können, wie sie es gerne täten. Besonders hoch ist die Unzufriedenheit des Lehrpersonals in Klassen, in denen viele Kinder sitzen, die Sprachprobleme haben, aus "bildungsfernen" oder finanziell schwachen Familien stammen.

Der Unterrichtsstil der Lehrkräfte ist sowohl von der Klassenzusammensetzung als auch vom Dienstalter abhängig: In Klassen mit vielen Kindern, die Sprachprobleme haben, pflegen LehrerInnen eher einen "geschlossenen" Unterrichtsstil, bei dem die Autonomie der SchülerInnen weniger im Vordergrund steht - dabei müsste es nach Ansicht der StudienautorInnen genau umgekehrt sein. Auch mit dem Dienstalter steigt die Tendenz zu dieser Art des Unterrichtens.

Fortbildung macht unzufrieden

Je mehr Fortbildungsveranstaltungen eine Lehrkraft besucht hat, desto unzufriedener ist sie mit den vorhandenen Unterrichtsmaterialien. Dieser Zusammenhang ist auch bei der Anzahl der Kinder mit sprachlichen oder finanziellen Schwierigkeiten in der Familie gegeben. Viele PädagogInnen versuchen, diese Defizite durch den vermehrten Besuch von Weiterbildungsveranstaltungen und das eigene Erarbeiten von Unterrichtsmaterialien auszugleichen.

Allgemein sind aber etwa 74 Prozent der befragten LehrerInnen "sehr" oder "eher" zufrieden mit der Ausstattung ihrer Schule - nur 19 Prozent ordnen sich als "eher" oder "sehr" unzufrieden ein. Die PH könne zwar vermehrte Weiterbildungsangebote zur Verfügung stellen, erklären die AutorInnen der Studie. Gebe es aber die notwendigen Materialien für die neuen Methoden an den Schulen nicht, "dann wird sich der tatsächliche Unterricht nicht entscheidend verbessern können", man würde nur den Unterschied merken.

LehrerInnen wüssten um die Notwendigkeit eines anschaulichen Unterrichts, schreibt Studienautor Schopf in den abschließenden Bemerkungen der Studie. Es liege an den verantwortlichen Stellen, diese "Leerstellen" zu füllen und LehrerInnen "jene Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie für ihren anspruchsvollen Unterricht brauchen". (sab, derstandard.at, 2.2.2012)

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alleineinemboot
01
16.2.2012, 04:54
Zusätzliche Aufgaben - Keine Erhöhung der Ressourcen

Auf die veränderte Wirklichkeit haben die politisch Verantwortlichen hauptsächlich mit Druck auf LehrerInnen geantwortet.
Verpflichtende Fortbildung, Bildungsstandards, Förderpläne, Förderkonzepte - Als ob nicht jeder Grundschullehrer (fast jeder) den Kindern so viel wie möglich vermitteln will.
Aber BertatungslehrerInnen, Leasthenie, besonderer Förderunterricht Deutsch, BE, Freigegenstände gekürzt.
Lehrpläne gehören entrümpelt!!!
Es bleibt schon in der VS keine Zeit mehr vieles begrifflich zu lernen. Viel zu Vieles wird nur mehr auswendig gelernt, verstanden wenig. Abfüllen von Flaschen - statt begreifen!
ZB Math. Soviele Maße, so wenig Erfahrung der Kinder damit.
http://www.facebook.com/pages/All... 1727222085

Mae Ellen
00
15.2.2012, 18:00
Eine furchtbare Vorstellung mit 25 Kindern zu fliesen!

hcl3
00
21.3.2012, 11:36

selbst mit 60 kein problem
nur dürfen sie keine kinder haben die "stallhaltung" gewohnt sind
die kommen mit der "freien wiesn" nicht zurecht-
weil sie sich in freiheit nicht orientieren gelernt haben

beim fliesen mit kindern besonders in altersheterogen gruppen
können sie handwerk,chemie, physik, math, wirtschaft,ästhetik-philosophie,gruppendynamik etc.ja selbst erste hilfe in fachpraxis ;-)
gemeinsam erarbeiten

miretha
00
13.2.2012, 15:52
wundert mich nicht.

Ich helfe Volkschulkindern wöchentlich bei den Hausaufgaben, und wundere mich immer wieder über die Art der Aufgaben. Bei manchen Aufgaben benötigen die Schüler Material, das sie oft zu Hause nicht zur Verfügung haben. Als Beispiel: Die Schüler sollen mit den Zahlen bis 1000 vertraut gemacht werden. Das passiert mit Hilfe von Würfeln, Stangen (=10 Würfeln), Platten (10 Stangen) und großen Würfeln (10 Platten). An sich keine so dumme Aufgabe, vorausgesetzt, das nötige Material ist vorhanden. Ich hab das selbe Spielchen einfach auf Geld umgewandelt - und siehe da, die Schülerin konnte plötzlich viel besser mit größeren Zahlen umgehen, sie addieren und subtrahieren, weil sie ja doch schon öfters mit Geld gezahlt hat.

nina yankow
00
16.2.2012, 18:25

genau!! ein schüler, der 100:2 nicht berechnen kann, kann es auf einmal doch, wenn man ihn darauf hinweist, dass er die zahl als € verstehen könnte. sogar der schwächste schüler weiß, was rauskommt, wenn man einen Hunderter durch 2 teilt.

vincent preis
11
was praxisferne bedeutet

wird man dann an der regelschule nms sehen, wenn sie flächendeckend nicht funktioniert. da wird mit höchstem aufwand, nicht finanziell, sondern arbeitsmäíg für die lehrer, ein minimum herausschauen.

Beobachter80
24
es liegt folgendes Problem vor...

Die Großteil der Schüler und Schülerinnen können das Soll bei weitem nicht erfüllen. In der Volksschule müssen ganz andere Dinge wie Ein- u. Auspacken, Höflichkeit, Umgang mit den Anderen, erlernen der deutschen Sp. etc. gelehrt werden. Zum Rechnen und Schreiben kommt man da nicht wirklich. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen aber ihr Pensum erfüllen, also schreiben sie an die Tafel und viele schreiben ab ohne zu verstehen. Ochsontisch (oder wie?) und auch unsere gelobte Bildungsministerin haben ja sehr fixe Vorstellungen. Das muss erfüllt werden. Die Noten werden dann einfach geschönt, alles ist gut, die ELtern sudern nicht, und das Problem wird in W. an die AHS abgeschoben, und wenn mann schaut, wer aller dort sitzt, dann? VolksL. hab. k S

vincent preis
15
bis schmied, auch tws. schon unter gehrer

versuchte ich im fremdsprachenunterricht während der stunde zu sprechen, dialoge zu üben und noch einmal wert auf das sprechen zu legen. aufgeschrieben habe ich nur das notwendigste. dann kamen immer mehr vorschriften, was zu tun ist und was die kinder zu können haben bei gleichzeitiger auflösung der homogenen gruppen und einführung des ganzen durcheinanders (nms).
heute schreibe ich alles auf die tafel, die schüler schreiben ab, ich achte auf schöne hefte und alles ist schön dokumentiert. keiner kann mir an den pelz rücken. so funktioniert die praxis. da können die experten mit ihren träumen nach sibirien schlittenfahren.

nina yankow
01
16.2.2012, 18:36

der gedanke, dass man ihnen bei dieser art unterricht weniger an den pelz rücken könnte, ist widersinnig, weil Sie mit dieser art von unterricht gegen die anforderungen des lehrplans verstoßen und bei standardisierten tests evtl. keine besseren ergebnisse erzielen. sprachunterricht funktioniert super mit lernprogrammen (einfach mal die vielen gratis-online-angebote durchsehen und dann ab und zu in den pc-raum), mit textproduktion (auch da haben Sie schriftliche dokumentationen und die kinder können sich nicht nur berieseln lassen) und mit OV-filmen. zB HÜ: import-dvds ansehen, lustige dialoge oder brauchbare neue phrasen aufschreiben, sätze, in denen aktuelle unterrichtsinhalte vorkamen, aufschreiben, gemeinsam besprechen.

Physikus75
01
...und das trotz Gesamtschule und der perfekten didaktischen Ausbildung an der PH

/Irony off/

sternsteinblitz
10

Die PH gibt`s in dieser Form erst seit 2007, die ältesten aktiven Lehrer/-innen haben ungefähr 1970 zu unterrichten begonnen.
So what?

Sun Zi der II
40
Der Herr hat irgendwie denn..

...Sinn der Mahlreihen nicht verstanden. Mann soll nicht verstehen wie es geht, man soll es SCHNELL anwenden können. Darum das auswendig lernen der Reihen und die Rechenzettel. Wenn man so den modernen Pädagogen zuhört müsste man glauben als 83er Jahrgang eigentlich NICHTS wissen zu können weil ja noch alles sooo pöse pöse war.

King of Cowards
02

Was ergibt ein-mahl-eins?

RoGo
13
Bitte was maHlen Sie?

nina yankow
04
Weniger polemisch:

Das 1x1 nicht (großteils) auswendig zu können, bedeutet für die meisten Schüler, dass beim schriftlichen Multiplizieren und Dividieren, beim Bruchrechnen, beim Prozentrechnen usw. der "Arbeitsspeicher" des Gehirns überlastet ist.
Das 1x1 ermöglicht Kindern, komplexere Inhalte einigermaßen schnell erarbeiten bzw. komplexere Rechenregeln einigermaßen schnell festigen zu können.

Kindern, die das 1x1 können, aber nicht wissen, was eine Multiplikation bedeutet bzw. bedeuten kann (zB beim Flächeninhalt), nützt das 1x1 aber so gut wie gar nichts (außer dass sie, wenn sie gut auswendig lernen können, womöglich die Schule ohne jegliche mathematische Kenntnisse abschließen können, sofern die Lehrer kein Verständnis einfordern).

Spinndoktor
46
Volksschullehrer

haben von jeher die Aufgabe, aus neugierigen, wissbegierigen und lebendigen Kindern ausbeutbare, ihre natürlichen Impulse unterdrückenden Teilzeitzombies zu formen. An einer weiterführenden Ausbildung, vor allem der persönlichen Talente, sind diese Systemerhaltermentalitäten nicht interessiert. Die VS Lehrer werden in ihrer gesamtgesellschaftlichen Auswirkung unterschätzt, das Zulassen dieser Schafsherdenausbildung ist ein Vergehen an der Gesellschaft. So verschütten wir Potenzial, so schleifen wir alle auf Mittelmäßigkeit, denn für die Produktion reicht es ja. Man darf sich nichts gefallen lassen und muss vehement dagegen auftreten. Glaubt Euren Kindern!

sternsteinblitz
04

Gengan`s einmal in eine Volksschule und beobachten Sie die Lehrer/-innen beim Unterrichten. Dann würden Sie sich für diesen Blödsinn schämen!

hcl3
10
21.3.2012, 12:06

vs wien 14
freischreibübung
(auswendig in korrekter rechtschreibung)
für die 3.vs
-die bundeshymne-

lehrerin grad mal 3-4jahre mit der ausbildung fertig
und will anständige gynasiumsfähige kinder nach der 4.vs "entlassen"
wir konnten es uns leisten
die kinder abzuziehen
andere eltern
würden ihr gerne einen psychiater empfehlen
nur dann
wird die gymnasiumfähigkeit ihrer kindes fraglich
--;-)

Spinndoktor
00
Nein, kein Schämen, im Gegenteil,

noch ein Schäuferl nachgelegt. Immerhin kenne ich ja nicht alle persönlich, aber die, die ich kenne, bei denen entspricht das weitgehend meiner Wahrnehmung. Und einige davon werden sich meiner bestimmt noch länger erinnern, man darf sich halt nicht zu viel gefallen lassen. O-Ton der Direktorin: "Ich weiß ja, was da läuft aber wir werden die alte Kollegin nicht mehr ändern und auch nicht wegbekommen." Da hilft nur Terror mit humorgesteuertem "Gegenterror" zu bekämpfen. Eintrag im Mitteilungsheft:"G. hat schon zum zweiten Mal das Buch XYZ nicht mit, Unterschrift" Mein Eintrag: "Ich wollte nicht, dass er so dümmliche Bücher in seiner Schultasche mit sich tragen muss." (War wirklich schändlich, der Schmarren). Grosser Bahnhof, grosse Aufregung!

Mae Ellen
00
15.2.2012, 17:57
Warum haben Sie diese Schule

und diese Lehrerin ursprünglich gewählt? - In der Stadt ist es ja möglich wählerisch zu sein, oder die Schule zu wechseln! Am Land hingegen ist die Sache eine andere.

Aber es gibt doch (auch am Land mittlerweile) genug Alternativschulen, die Systemkritikern eine gute Möglichkeit der Schulbildung bieten. Wäre es nicht für alle Beteiligten eine gute Lösung, anstatt sich gegenseitig zu provozieren?

hcl3
00
21.3.2012, 12:10

die alternativschulen kosten ab 350,-€ aufwärts ohne nachmittagsbetreuung
ansonsten sind sie auch in der stadt an die sprengelschule gebunden
sie können noch dispens vom sprengel beantragen
in wien wird das oft gewährt
in nö ist noch kaum ein antrag durchgegangen

wenn sie nicht ausreichend materiell abgesichert sind
haben sie keine wahlmöglichkeit
im schulsystem

RS69
 
00

"ansonsten sind sie auch in der stadt an die sprengelschule gebunden"

So streng ist das - zumindest in Wien - nicht.

hcl3
00

das ist ein irrtum
jederzeit kriegen sie den dispens
wenn um das mal klar beim namen zu nennen
ihre "wahlschule" einen hohen anteil an "bildungsfernen" aufweist

für beliebte schulversuche
ist die tür zu
da gehts oft nur mehr über geschwisterregelung

in der klasse meines sohnes
beginnen
8 kinder per anno-
bisweilen lauter geschwisterkinder
aber ca. 30-50 kinder melden sich jährlich aus dem sprengel für genau diese lerngemeinschaft -sprengelfremde brauchen sich noch nicht mal anmelden

RS69
 
00

So viele Geschwister gibt's in den wenigsten Familien, dass auf jahre die Versorgung mit immer neuen Geschwisterkindern dafür gegeben wäre.

Dass die Wahlschule besser ist, hatte ich unterstellt - die Idee, Kinder weiter weg in eine schlechtere Schule zu senden wär wohl eher absurd?

Spinndoktor
02
17.2.2012, 14:47
Sehen Sie, genau das ist hier das Dilemma!!

Wieso sollte man diesen Systempflöcken das Feld überlassen und flüchten? Und warum soll ich meinen Nachwuchs irgendwelchen Alternativlern überlassen wie z.B. den Waldorflern? Nein, ganz daneben, die Klotzer werden nicht von unserer Konfliktscheu profitieren, das gehört radikal geändert, nicht kosmetisch behandelt. Kinder haben nach meiner Ansicht ein Recht, ihren persönlichen Stärken entsprechend gefördert zu werden und nicht zu Marionetten herangezüchtet zu werden. Und ich rede hier nicht von antiautoritär oder unbegrenzt etc.! Es kostet Mühe aber mit dem entsprechenden persönlichen Aufwand erreicht man fast jedes Kinderherz, allerdings nicht in Tranchen von =>30 pro Klasse. Der Einsatz würde sich sogar rentieren (Anm. für die Geldesser)

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