Ein Gespräch mit dem US-Dokumentarfilmemacher Ross McElwee - Von Simon Rothöhler
Ross McElwee, geboren 1947, gilt seit seinem Südstaaten-Reisefilm Sherman's March (»A Meditation on the Possibility of Romantic Love In the South During an Era of Nuclear Weapons Proliferation») als herausragender Vertreter eines autobiografisch gewendeten Direct Cinema. In diesem Film aus dem Jahr 1986 wird eine historische Zerstörungsspur, die die Truppen des Generals William Tecumseh Sherman während des amerikanischen Bürgerkriegs durch Georgia und die Carolinas zogen, mit der Suchbewegung eines Filmemachers gekreuzt, der gerade von seiner Lebensgefährtin verlassen wurde und nicht recht weiter weiß. Die große Geschichte und die persönliche Gegenwart, eine behutsam fiktionalisierte, zwischen Ironie und Melancholie pendelnde Selbstbefragung und der aufmerksame Blick des Dokumentaristen begegnen sich auch in anderen Filmen Ross McElwees auf besondere Weise. Sie erzählen wiederholt von einer prägenden Literaturlehrerin (beginnend mit Charlene, 1980), der eigenen familiären Situation (Time Indefinite, 1993), einer Familienhistorie, in der rivalisierende Giganten der Tabakindustrie und Gary Cooper vorkommen (Bright Leaves, 1993), den Geschichten hinter den Nachrichtenmeldungen (Six o'clock news, 1997) und einmal auch von Berlin (Something to do with the wall, 1990). Zu McElwees Lehrern gehörten Richard Leacock und Ed Pincus - heute unterrichtet er selbst, an der Harvard University. Sein letzter Film mit dem auch für das Gesamtwerk programmatischen Titel Photographic Memory lief 2011 auf dem Filmfestival von Venedig. Im Gespräch mit Bert Rebhandl und SImon Rothöhler spricht Ross McElwee über seine dokumentarischen Ansatz:
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