#tweetscapes: Dauerfeuer im Netz

3. Februar 2012, 11:14
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Ein Kunstprojekt wandelt die Flut deutscher Twitternachrichten in Klänge und Bilder um - live und in Echtzeit

 

Screenshot: tweetscapes.de

Es blitzt und flackert, rauscht und poltert, aus der Dunkelheit einer Deutschlandkarte tauchen Begriffe, Pfeile und Lichtwolken auf. Unzählige Nutzer des sozialen Netzwerks Twitter setzen täglich ihre Kurznachrichten ab. Die Vielfalt dieser Textbotschaften nicht nur lesbar, sondern auch als Bilder und Klänge sinnlich erfahrbar zu machen hat sich das Kunstprojekt #tweetscapes zur Aufgabe gemacht.

Live und in Echtzeit werden auf der #tweetscapes-Website möglichst viele deutschsprachige Tweets sowie alle eindeutig innerhalb der Grenzen Deutschlands abgeschickten Nachrichten als akustische und visuelle Ereignisse interpretiert. Nicht willkürlich, sondern nach einem festen Regelwerk, das Rückschlüsse auf die Stimmung in der Twitter-Landschaft, auf dominante Diskurse und räumliche Verteilungen erlaubt. So kristallisieren sich auf Basis u. a. der gebräuchlichen #Hashtags gerade grassierende Begriffe heraus und scheinen als Wörter auf, um sich wieder zu verflüchtigen. Mittels abstrakter Lichtpunkte und Pfeile werden die Tweets auf einer schemenhaften Landkarte lokalisiert, und auch Klänge und Töne, die sich vom Grundrauschen der Twitter-Welt abheben, werden in einem räumlichen Stereo-Klangbild verortet.

Sonifikation nennen sich in Wissenschaft (Stichwort: Geigerzähler) wie Kunst gebräuchliche Verfahren, die Daten als akustische Reize darstellen. Basierend auf solchen Techniken erstellte der Klangkünstler Anselm Venezian Nehls für #tweetscapes in Zusammenarbeit mit dem Sonifikationsforscher Thomas Hermann zuerst eine rein akustische Twitter-Umsetzung, die seit Oktober 2011 regelmäßig live auf Deutschlandradio Kultur läuft und seit Jänner dieses Jahres durch eine Echtzeit-Visualisierung des Videokünstlers Tarik Barri ergänzt wird. Eine audiovisuelle Installation unter dem Titel #tweetspace soll zudem an ausgewählten Orten wie dem 100° Festival Berlin ein "vollständiges Eintauchen in die interaktiven Klänge und Bilder" erlauben. Im Netz sind die abstrakten wie konkret-anschaulichen Reize der #tweetscapes rund um die Uhr erlebbar - und via Tweets auch beeinflussbar. (red, derStandard.at, 3. Februar 2012)

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