Das angeblich zweitbeste Restaurant der Welt

Ansichtssache7. Februar 2012, 16:13
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Wenn Herr Grabenweger vom besten Lokal spricht, wird es ernst. Der Herr Grabenweger und Frau Schell fliegen schließlich schon einmal rasch zum Lunch ins Noma - und bekommen auch noch gleich einen Tisch. Genau, in dem laut San-Pellegrino-Liste weltbesten Lokal in Kopenhagen, vor Can Roca in Girona und Mugaritz in San Sebastian. Aber Grabenweger bleibt dabei: El Celler de Can Roca ist das beste. Also nichts wie nach Girona. Auch, ja, gerade Dilettanten wie der Fidler können ein kulinarisches Urmeter wie dieses gut brauchen.

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foto: katharina schell

Weltreise auf Holz: Wer das vor sich sieht, hat bei einer Schmeck's-Exkursion nach Katalonien schon einiges hinter sich.

  1. Zum Beispiel die Überlegung, ob es ökologisch wie ökonmisch gerade jetzt einen schlanken Fuß macht, von Wien nach Barcelona zu fliegen, um in kaum zwei Tagen zwei Dreisternlokale und einen womöglich doch ziemlich unterbewerteten Einsterner (Alkimia, über das Grabenweger hier schon schwärmte) abzugrasen. Schlanken Fuß vielleicht nicht, aber es nordet schon ganz gut ein, was man sonst so auf den Teller kriegt.
  2. Die Erkenntnis, dass es bei Can Roca nicht reicht, im November für Jänner schnell einmal einen Tisch für vier zu reservieren. Wir haben's dennoch geschafft. Fragen Sie bitte nicht, wie.
  3. Eine kleine Tour durch die Küche, wo 35 bis 40 offenkundig kundige Menschen daran arbeiten, uns glücklich zu machen.
  4. Sich von Herrn Grabenweger überzeugen lassen, dass wir die Weinbegleitung von Josep Roca i Fontané freundlich, aber bestimmt ablehnen und stattdessen die Neigungsgruppe Grabenweger/Hlavicka, mit sachdienlichen Hinweisen Rocas, für ein gutes halbes, dreiviertel Stündchen die drei Bücher durchforsten lassen, die hier die Weinkarte bilden. Worauf wir mit ständig zumindest vier Gläsern vor uns selbst entscheiden dürfen, welcher Gang nun mit Manzanilla, Riesling Spätlese, weißem Burgunder oder einer auch nicht ganz schlechten roten Cuvee aus dem Bierzo am besten funktioniert. Man wächst mit seinen Aufgaben. 
  5. Eine Flasche wirklich ziemlich sensationeller Cava (Gran Juve von Juve Y Camps) stand zum Glück bereit, um das eindrucksvoll stirnensynchronrunzelnde Pow-wow der drei Herren über den Weinkarten mehr als nur pragmatisch zu überbrücken.

Und zum Glück reißt in dieser doch recht langen Zeit die Versorgung nicht ab: Joan Roca i Fontané begrüßt uns, wie passend, mit einer Weltreise auf einem Holzstück. Den Geschmack von Mexiko, von Peru, dem Libanon, Marokko und Südkorea packt er da in kleine Kügelchen. Warum ihm gerade die wichtig sind, habe ich nicht herausgefunden. Bin viel zu beschäftigt mit Staunen, aus dem ich erst einmal ein paar Stunden nicht herauskomme. Staunen, wie schön essen sein kann (das immerhin können Katharina Schells Bilder auch Ihnen vermitteln). Staunen, wie überraschend, abgedreht, fantasievoll, verspielt man Essen basteln kann - und sich dabei doch nicht völlig zu versteigen, dabei doch meist schlüssig und präzise zu bleiben. Sapperlot. Und das war erst der Anfang einer Batterie von Küchengrüßen auf den nächsten Seiten ...

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