Verhandlungen im Finale

Warten auf Schluss­akkord zum Griechen-Paket

2. Februar 2012, 18:56

Ein Konfliktpunkt in den Gesprächen mit privaten Gläubigern ist die Frage, ob sich auch Staaten und die Europäische Zentralbank an der Entlastung beteiligen

Berlin/Athen - Die Anzeichen für einen baldigen Abschluss der Verhandlungen über eine Rettung Griechenlands mehren sich - doch der letzte Federstrich fehlt noch immer. Ein Konfliktpunkt in den weit fortgeschrittenen Gesprächen mit privaten Gläubigern des Landes über einen Forderungsverzicht ist nach Angaben des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos die Frage, ob sich auch öffentliche Gläubiger - also Staaten und die Europäische Zentralbank - an der Entlastung beteiligen. Dies lehnte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag im Fernsehsender n-tv mit dem Argument ab, die öffentlichen Gläubiger hätten bereits hinreichend zur Stabilisierung des Landes beigetragen. Deutschland lehne eine solche Beteiligung ab.

Sowohl die Gespräche über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger wie auch die Verhandlungen der Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und EZB über ein zweites Rettungspaket stehen nach Angaben Beteiligter kurz vor dem Abschluss. So sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn, er rechne mit einer Vereinbarung über einen Schuldenschnitt bis zum Ende der Woche. Ähnlich äußerte sich der Internationale Bankenverband IIF, der für die Kreditinstitute die Verhandlungen führt, und dessen Vorsitzender, der scheidende Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann. Derzeit zeichnet sich laut Ackermann ein Forderungsverzicht von 70 Prozent und mehr ab. Mit Blick auf den größten Griechenland-Gläubiger EZB forderte er, alle müssten sich an der Entlastung beteiligen.

Auf eine nahe Einigung deutet zudem ein Treffen der Finanzminister der Euro-Länder am Montag in Brüssel hin. Damit könnte sich die wochenlange Hängepartie zur Rettung des überschuldeten Landes dem Ende neigen.

Ackermann warnte vor einer ungeordneten Pleite Griechenlands, von der hohe Ansteckungsgefahren ausgehen würden. "Wenn Griechenland fallen sollte, ist nicht auszuschließen, dass Portugal der nächste Kandidat auf dieser langen Liste ist", sagte er. EU-Kommissar Rehn allerdings bescheinigte Portugal wie auch Irland gute Fortschritte auf dem Weg zurück zu nachhaltigen Finanzen und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Von den Verhandlungen über ein neues Rettungspaket für Griechenland kamen aus Investorensicht positive Signale. Dabei seien nur noch drei oder vier Punkte offen, sagte ein Sprecher der griechischen Regierung. Allerdings verwies Finanzminister Venizelos auf einen Klärungsbedarf in der Frage der Rekapitalisierung griechischer Banken.

Entlastung um 100 Milliarden

Durch den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger soll Griechenland nach bisherigen Plänen um rund 100 Milliarden Euro entlastet werden. Das zweite Paket von Euro-Ländern und IWF umfasst zusätzlich eine Summe von 130 Milliarden Euro, die aber wahrscheinlich nicht ausreicht. Von Griechenland fordern die Partnerländer weitere Reformen und Einsparungen als Eigenbeitrag, um die Schulden langfristig tragfähig zu machen. Derweil bemüht sich der griechische Übergangsregierungschef Lukas Papademos, Widerstände in den Spitzen der Parteien des Landes gegen weitere Einschnitte zu brechen. Nur wenn sich alle Seiten verpflichten, den Reformkurs zu unterstützen, wollen die ausländischen Partner dem Land weiteres Geld geben.

Mit den erwarteten Ergebnissen der Verhandlungsrunden wollen sich am Montag die Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel befassen. Das Programm des Europäischen Rates sieht das jedenfalls vor. Die Minister könnten dabei den Weg für ein umfassendes Griechenland-Rettungspaket und mögliche Ergänzungen und Änderungen ebnen, etwa beim Gesamtvolumen.

Die Schuldenkrise war auch ein wichtiges Thema am ersten Tag des Besuches von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Peking. Dabei stellte Chinas Regierungschef Wen Jiabao ein stärkeres finanzielles Engagement seines Landes zur Stabilisierung der Euro-Länder in Aussicht. Sein Land erwäge eine größere Beteiligung am den Rettungsschirmen EFSF und ESM, sagte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel. Wen appellierte an die Europäer, ihre Schulden zurückzufahren und Reformen vorzunehmen. Auch Merkel betonte, China sehe zunächst die Europäer selbst in der Pflicht.(Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2
Denkwerkstatt
00
Das Schlimmste an Griechenland sind nicht die Schulden

In der Ease to do Business Liste (Wertung von wirtschaftfreundlichen Rahmenbedingungen) der Weltbank liegt Griechenland auf Platz 100. Hinter Vietnam und Jemen, vor Papua-Neuguinea (101), Paraguay (102) und zB Pakistan (105). Im BIP pro Kopf bringen es die Griechen aber immerhin auf Rang 26 mit 30.000$ p.a. Paraguay kommt auf 2.300$ p.a. Das wird so nicht funktionieren. Entweder die Beamtenburgen sprengen, 3/4 der Beamten abbauen, dem Rest die Hälfte zahlen und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen ohne Korruption mit funktionierender Verwaltung (auch Steuereintreibung) herstellen, dann kann auch eine gesunde Wirtschaft entstehen oder zum 3. Welt Land mutieren. In Papua-Neuguinea fahren sie auch nicht BMW.

Denkwerkstatt
12
Die EU schafft Nation von Bettlern

Es sollte irgendwie zu denken geben, dass die ganzen EU Mrd., die mittels des Strukturfonds verteilt werden, die Empfängernationen offensichtlich zu Bettlern macht. Herr Hahn und seine weisen Beamten verteilen 360 Mrd. in der 6 jährigen Planungsperiode. Hauptempfänger (ohne neue Mitgliedsstaaten in Osteuropa) sind Griechenland, Portugal und Spanien. Die sind alle pleite, weil man von den Subventionen viel besser leben kann als vom Arbeiten und alle Gescheiten der Nation sich nur mehr darum kümmern, die Fördertöpfe auszuräumen statt produktiv tätig zu sein. Wenn die Planwirtschaft nicht bald abgeschafft wird, endet es wie die UDSSR: in Armut und Unterdrückung.

falsa demonstratio non nocet
00
Was Rehn sagt und was die Realitität ist,...

.. das sind mehr als 2 Paar Schuhe. Rehn dreht es sih immer so wie er es braucht.

MMn,einer der Hauptschuldigen für die Krise und unfähigsten EU Politiker

Wirtschaftskenntnis bei Rehn = 0

Metal Heini_
10
wie kann man noch weitere 130 Mrd. Schulden den Griechen aufbürden. Das ist doch unmenschlich. Ich dachte sie wären schon bankrott.

roli_roli
00

Dann kann man ihnen die für den ordentlichen Wirtschaftsbetrieb erforderlichen 130 Mrd. Euro auch SCHENKEN. Die Alternative ist ein Verzicht auf diese finanziellen Mittel, das heisst den griechischen Staat herunterfahren.

mike sierra
00
Das sind nicht "neue" Schulden

GR machte 2010 ein Defizit von 24 Mrd EUR, das waren 10,6% vom BIP.
Das Defizit sinkt, das BIP auch. (darum sinkt der %-Satz vom BIP nur leicht)

Die 130 Mrd EUR stellen zum Großteil sicher, dass die Tilgungen alter Anleihen bedient werden können; sind also eine Refinanzierung der Schulden.

Welcher Anleihen? Der von den Verhandlungen nicht betroffenen Anleihen, also im Besitz griechischer Pensionsfonds, der EZB (soweit die nicht auch teilweise verzichtet), ...

Ökonomix
00
Sie sind wieder einmal total daneben

Die 130 Mrd sollen GR 3 Jahre lang von 2012-2014 unterstützen. Das Defizit von 24 Mrd hat GR in einem Jahr erwirtschaftet.

Wenn GR nun umgeschuldet wird, hat es in den Jahren 2012-2014 kaum Schulden zurückzuzahlen. Die Kredite der €-Staaten werden erst später fällig, und die umgeschuldeten Anleihen werden erst in 30 Jahren fällig. Bleiben also nur jene Anleihen, welche nicht umgeschuldet werden.

http://www.spiegel.de/fotostrec... 391-5.html

Angenommen es werden 2/3 aller Anleihen umgeschuldet, so bleiben etwa 35 Mrd. für die Jahre 2012-2014.

Nicht zum ersten mal enthält ihr Posting Halbwahrheiten, aus denen dann falsche Schlüsse gezogen werden.
Meine Empfehlung: informieren - denken - posten

mike sierra
00

24 x 3 = 72
... und nicht 130 oder gar 150

Ökonomix
00

Und wieder machen Sie einen Fehler. 24 Mrd. waren das Defizit von 2010. Sie können nicht einfach hergehen, dieses Defizit mit 3 multiplizieren, und so das Defizit von 2012-2014 ermitteln.

Wenn es so einfach wäre, gäbe es die Unsicherheiten bezüglich des Finanzbedarfs von GR nicht. Was relativ sicher ist, sind jedoch die Kreditrückzahlungen - und die liegen etwa bei 35 Mrd.

mike sierra
00

Die Erwartungen für die Defizite 2011-2013 für GR sind:
-8,9% / -7,0% / -6,8% (urspr Ziel 2011 7,6%)
Ist-Defizite 2009 u 2010:
-15,8% / -10,6%

Gleichzeitig sinkt das BIP.

Ergo: 24 (2010) x 3 = 72 Mrd
wäre eher die Obergrenze
(zB 2011: 8,9% vom BIP 2010 wären 20,2 Mrd)

Horrorszenario: durch fortschreitende Rezession (und falsche Reformmaßnahmen) brechen die Einnahmen weg und mit zusätzlichen Ausgaben muss die Wirtschaft wieder komplett aufgebaut werden.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
[ACT!] Stoppt die EU-Schuldenunion » http://youtu.be/d6JKlbbvcu0

Waran
00
Schlussakkord trifft nicht den Punkt,

letzter Akt ist der zutreffende Terminus!

Einbahnfahrer
00

Was ist mit dem Marktprinzip? Risiko? Haftung?

Wieso muss "jeder seinen Beitrag leisten", wenn den Banken Verluste bevorstehen, Hr. Ackermann??

Eduard van Hinten
24
dazu passt die meldung:

http://www.spiegel.de/wirtschaf... 58,00.html

griechenland ist nicht zu trauen. es hat sich selber abgewirtschaftet und durch hilfe von außen kommt kein mentalitätswechsel, nein es wird lieber die schuld bei den bösen nordeuropäern gesucht.

griechenland ist kaputt. sozialbetrug inklusive!

system1
00
Jeder, und nicht nur die privaten (Gläubiger), muss einen Beitrag leisten

ICH NICHT lieber herr ackermann! ich sicher nicht! solange SIE auch nur einen einzigen cent in der tasche haben werde ich nichts für solch einen nonsens spenden! und wenn ichs zwangsweise doch muss werde ich wege finden es mir wiederzuholen!

Postingname*1
04
Jedenfalls...

...hat der "freiwillige" Schuldenschnitt die Folge, dass der Markt für PIGS-Staatsanleihen auf sehr lange Zeit zerstört ist. Somit bleiben nur mehr Großbanken als Käufer, die das Geld großzügig (Ende Februar vorauss. 1 Billion Euro zusätzlich) von der EZB nachgeschmissen bekommen. Diese Finanztricks haben nichts mehr mit nachhaltiger Staatsfinanzierung zu tun!

Thomas turnbichler
04
Abgehackt

Alle wissen es schon längst. Griechenland ist pleite, bei einem Schuldenschnitt der die Restschulden bei 120% des BIP lässt, fängt die Retterei erst recht an.

Griechenland ist politsich, ökonomisch und kulturell nicht fähig, bereit oder willens, den Euro als Währung zu halten. Alles andere ist Augenwischerei.

Es geht ja nur darum, dass die italienischen, französischen und deutschen Grossbanken noch eine Weile über Wasser gehalten werden, bis der ESM kommt.

Die Tragödie und das Drama um Griechenland wird so lange anhalten, solange sie den Euro halten. Das grosse Paradoxum dazu, die Griechen fahren damit am besten, denn sie wissen die grossen Euroländer fürchten den totalen Kollaps.

Der wird kommen, nur ein bisschen später!

öl - ölölö
12
Es ist schon lustig, wie Politiker und Banker versuchen den Anschein zu erwecken, als würden sie an nachhaltigen Lösungen basteln.

In Wirklichkeit sind Griechenland und Portugal hoffnungslos Pleite, da wird es kein "Ruder herumreißen" mehr geben. Die einzige "Lösung" ist, dass die EZB die Notenpresse anwirft, um ein bisschen Zeit zu gewinnen.

Postingname*1
12
Wenn man einen Fehler gemacht hat...

...dann muss man ihn einsehen, beheben und die Konsequenzen tragen. Der gemeinsame Euro für alle WAR EIN FEHLER. Daher kann es nur heißen: mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und Solidarität aber OHNE Währungsunion! Solange dieser grundlegende Fehler nicht erkannt wird, gibt es auch keine Lösungen.

der burli
00
1. naja was sollen sie "schnell" machen, alle schulden zahlen? 2. ja klar sind die pleite.

3. doch, ein ruder herumreissen ist das einzig sinnvolle. nur hat das reformieren in PIIGSnoch gar nicht richtig begonnen! gekürzt wurde bisher...
4. gerade zum zeitgewinnen ist gelddrucken das falsche, aber a bissl gelddrucken zum überbrücken BIS zum reformieren UND die staaten zahlen, efsf, das richtige.

kurti von kuhnewald
02
Postingname*1 hat recht

die währungsunion war ein fehler. sie sollte modifiziert bzw. teilweise aufgelöst werden. das zu sagen, ist aber politisch offenbar nicht opportun, denn die überbringer der schlechten nachricht werden als erstes gehängt. daher ist das derzeitige gelddrucken KEINE sinnvolle notmaßnahme bishin zu reformen, denn diese reformen werden nicht angegangen bzw. werden erst kommen, wenn die lage so katastrophal ist, dass es keinen anderen weg mehr gibt.

andreas-s
Andi Sator
 
01

Wenn man sich mit Griechenland etwas einfallen lässt und alle anderen "gefährdeten" Länder vor zu hohen Zinsen schützt, dann kann man in der Eurozone das Ruder noch herumreißen. Der IWF hat unlängst für 2012 eine milde Rezession vorausgesagt. Es ist höchste Zeit zu handeln! Eine Analyse dazu: http://zuwi.at/themen/eu... ion-kommt/

kurti von kuhnewald
10
"sich etwas einfallen lassen"

was denn bitte? leider gibt es keine passablen lösungen. entweder wir drucken geld um zeit zu gewinnen, oder wir lösen die euro-zone auf. die tolle analyse in dem artikel zeichnet auch kein szenario einer realistischen lösung.

Tintifax der ... Druide!
00

Zu sagen es gibt keine passablen Lösungen halte ich für verfehlt. Zugegeben: Die bisherigen Ansätze haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht, aber auch hier sind bereits Fortschritte sichtbar.

Der Fehler den viele machen ist, eine allumfassende Lösung über Nacht zu erwarten - die wird es nicht geben. Einen Schuldenberg, wie ihn GR heute hat, abzubauen ist kein Sprint, sondern ein Marathon, und einiges ist auf dem Weg ja schon geschehen: Abschilden der GR Staatsanleihen vom Marktzins, Liberalisierung zB bei den LKW-Fahrern und den Stromlieferanten, Erhöhung der Exporte (stiegen um 50 % in den letzten 12 Monaten), ...

Bis all das als positive Entwicklung spürbar wird kann es Jahre dauern, aber Besserungen und Lösungen gibt es jedenfalls.

kater bruno
04

Wenn ich lese, dass griechische Kinder hungern, ist Schluss mit lustig. Die EU soll endlich bei den Reichen, Banken und Spekulanten sparen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.