Am Wochenende wird es noch kälter

2. Februar 2012, 10:43
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Klirrend kalter Start in die Semesterferien - Bis zu minus 30 Grad - Lebhafter Nordostwind steigert Kälteempfinden

Wien - Die sibirische Kältewelle hat ganz Österreich fest im Griff. Auf der Jubiläumswarte im Westen Wiens wurden laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Donnerstagfrüh minus 16,5 Grad gemessen, weniger als in jeder anderen Landeshauptstadt Österreichs. Mit minus 7,4 Grad war es knapp 700 Kilometer weiter westlich, in Bregenz, noch am "wärmsten".

Damit ist der Höhepunkt aber noch nicht erreicht: "Zu Beginn der Semesterferien in Wien und in Niederösterreich muss man sich in allen Landesteilen auf klirrend kaltes Winterwetter einstellen", kündigt Alexander Radlherr vom Wetterdienst UBIMET an. Im Flachland liegen die Tageshöchstwerte am Freitag und Samstag nur noch zwischen minus 10 und minus 5 Grad.

In 2.000 m Höhe sinken die Temperaturen unter minus 20 Grad, in den Gletscherskigebieten muss man sich sogar auf bis zu minus 25 Grad einstellen. Zudem verstärkt der teils lebhafte Nordostwind das Kälteempfinden noch deutlich. "Minus 20 Grad fühlen sich bei nur 15 km/h Wind bereits wie minus 29 Grad an", so Radlherr.

Wetter wie in Sibirien

Dass es sich bei der derzeitigen Witterung tatsächlich um sibirische Kälte handelt, bestätigt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik: "Die Front kommt aus Westsibirien und wird noch ein paar Tage anhalten. In Russland liegt im Moment sehr viel Schnee, der natürlich alles noch mehr abkühlt."

Der Flachland-Spitzenreiter in der Nacht auf Donnerstag war Zwettl (NÖ) mit minus 18,9 Grad vor seinen geografischen Nachbarn Weitra (minus 18,5) und Litschau (minus 17,6). Das nördliche Niederösterreich stellte meteorologisch gesehen den Rest Österreichs in den Schatten - zum Vergleich: Gars am Kamp mit einer Meereshöhe von 267 Metern lag mit minus 16,9 Grad noch vor dem 2.247 Meter hoch gelegenen Patscherkofel (minus 16,6).

Kälteschutz gegen Erfrierungen

Bei solchen Temperaturen sei das Risiko von Erfrierungen der Haut ausgesprochen hoch, warnt UBIMET-Experte Radlherr. "Nase, Fingerspitzen und Ohren sind besonders gefährdet, einen Kälteschaden zu erleiden, aber auch Wangen und Kinn können in Mitleidenschaft gezogen werden." Neben herkömmlicher Winterbekleidung bieten vor allem Wind- und Wettercremes einen guten Kälteschutz für die Gesichtshaut.

Wer im Freien arbeitet, muss in diesem Fall vom Arbeitgeber zweckmäßige Kleidung und Aufwärmmöglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, teilte die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich am Donnerstag mit. In Büros darf das Thermometer nicht unter 19 Grad fallen. Für Hallen, in denen mit hoher körperlicher Belastung gearbeitet wird, gilt eine Mindesttemperatur von zwölf Grad.

Tiefstwerte abhängig von Wolken

Die weitere Abkühlung in der Nacht ist stark abhängig von der Bewölkung, die durch ein Mittelmeertief immer wieder über Österreich zieht. "Bei bewölktem Himmel kann der Boden nur wenig Wärmeenergie abgeben, daher bleiben die Tiefstwerte auf gemäßigtem Niveau", erklärt Radlherr. "Wenn der Himmel jedoch über Nacht klar ist, wird viel Energie in das Weltall abgestrahlt, und die Temperaturen können besonders in den Alpentälern deutlich unter minus 20 Grad, örtlich auch gegen minus 30 Grad fallen."

Am Wochenende werden weniger Wolken erwartet, damit steigt die Wahrscheinlichkeit von extremen Tiefstwerten, wie sie nur selten vorkommen: Zuletzt wurden im Dezember 2001 verbreitet Tiefstwerte zwischen minus 15 und minus 25 Grad registriert. (APA/red)

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    Am Wochenende werden Tiefstwerte wie zuletzt vor zehn Jahren erwartet.

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