Die Gunst der Evolution

2. Februar 2012, 17:28
  • Die 70 Inseln von Ngerukewid sind heute ein Nationalpark und dürfen weder betreten noch betaucht werden. Der Blick aus der Luft, wie ihn etwa Aba Sky anbietet, ist die beste Möglichkeit, sich den grünen Gugelhupfen zu nähern.
-> Ansichtssache mit Bildern von Palau
    vergrößern 645x430
    foto: keren su/corbis

    Die 70 Inseln von Ngerukewid sind heute ein Nationalpark und dürfen weder betreten noch betaucht werden. Der Blick aus der Luft, wie ihn etwa Aba Sky anbietet, ist die beste Möglichkeit, sich den grünen Gugelhupfen zu nähern.

    -> Ansichtssache mit Bildern von Palau

  • Anreise: China Airlines ist die einzige Fluglinie, die von Wien aus mit 
nur einem Zwischenstopp via Taipeh nach Palau fliegt. Zwei Flüge pro 
Woche. Sam's Tours ist die größte Tauchbasis auf
 Palau. Rundflüge über die 70 Inseln von Ngerukewid 
bietet Aba Sky an. Weitere Infos zu Palau allgemein.
    grafik: der standard

    Anreise: China Airlines ist die einzige Fluglinie, die von Wien aus mit nur einem Zwischenstopp via Taipeh nach Palau fliegt. Zwei Flüge pro Woche. Sam's Tours ist die größte Tauchbasis auf Palau. Rundflüge über die 70 Inseln von Ngerukewid bietet Aba Sky an. Weitere Infos zu Palau allgemein.

Eintauchen zwischen Götterspeise und Gugelhupf: Der pazifische Inselstaat Palau bietet eine Artenvielfalt, wie sie nur noch selten anzutreffen ist

Manche fühlen sich an wie eine Handvoll Marmelade. Andere, etwas festere Kollegen vermitteln den Eindruck von sich rhythmisch bewegender Götterspeise. Doch im Gegensatz zu den meisten Quallen auf der Welt sind die durchsichtigen Wackelpuddingtiere im Jellyfish Lake, die bis zu 25 Zentimeter groß werden können, völlig ungefährlich.

"Ihr braucht keine Angst zu haben", sagt Richard Barnden, Divemaster bei Sam's Tours. Der wasserliebende Brite lebt hier schon seit fünf Jahren und entführt Taucher und Schnorchler regelmäßig zu den schönsten Plätzen im Inselparadies. "Nachdem die Quallen in diesem eingeschlossenen Salzwassersee ohne natürliche Feinde leben, haben sich ihre giftigen Tentakel in den letzten Jahrtausenden ganz zurückgebildet. Nutzt die Gunst der Evolution! So nah wie hier werdet ihr euch einer Medusa ohne Nesselung nie wieder nähern können." Und rein ins Gewurl. Der Ongeim'l Tketau, auch Jellyfish Lake genannt, wird von rund sechs Millionen Quallen bevölkert und zählt zu den beliebtesten Destinationen Palaus. Rund tausend Kilometer östlich von den Philippinen und ebenso weit von Indonesien und Papua-Neuguinea entfernt, bietet der mikronesische Kleinstaat ökologische Lebensbedingungen, wie sie nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind. "Ich tauche schon seit einer halben Ewigkeit", sagt der 32-jährige Sonnyboy Richard. "Aber so eine Artenvielfalt und solche einzigartigen Bedingungen wie auf Palau habe ich noch nie zuvor gesehen."

Der Grund ist einfach: Palau hat keinerlei Industrie und nur wenig Viehzucht und Landwirtschaft. Bis auf Fisch, Meeresfrüchte und einige wenige Gemüsesorten wie etwa Maniok oder Süßkartoffeln müssen praktisch alle Produkte und Nahrungsmittel für die 21.000 Einwohner und rund 90.000 Touristen pro Jahr vom Festland importiert werden. Das ist aufwändig und teuer, doch dafür ist das Ökosystem weitestgehend intakt. Hinzu kommt, dass vor den Küsten Palaus viele japanische und amerikanische Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Die zerbombten Flugzeuge und Schiffe dienen den Fischen und Korallen als künstliches Riff.

Es ist ausgerechnet die Natur, die den 356 tropischen Inseln Palaus am meisten zu schaffen macht. Die größte Gefahr ist El Niño. Schon einmal, im Dezember 1998, waren die überaus temperaturempfindlichen Medusen im Jellyfish Lake fast ausgestorben. Um die fragile Balance zwischen Fauna und Flora aufrechtzuerhalten, stehen große Teile des Landes unter Naturschutz. Die 70 Inseln von Ngerukewid, die wie samtig grüne Gugelhupfe aus dem Wasser ragen, wurden 1981 zum Wildlife-Nationalpark ernannt. Der Zutritt ist strengstens verboten. In der 2005 initiierten "Micronesia Challenge", einem Naturschutz-Abkommen der westpazifischen Länder, verpflichtete sich Palau zudem zum Schutz von Wald und Küste. Und im September 2009 wurde das nationale Gewässer rund um den Inselstaat zum Hoheitsgebiet für Haie erklärt. Derzeit bemüht sich Palau um die Aufnahme in die Liste des Unesco-Weltnaturerbes. Das Verfahren ist im Laufen.

Dschungelcamp

Eine australische Studie, die vor einigen Monaten veröffentlich wurde, hat ergeben, dass der Erhalt von Großfischen den Palauanern deutlich mehr Geld einbringt als der Verkauf des Fleisches. Als Tourismusmagnet sind Haie lukrativer als auf dem Suppenteller. Schon heute machen Haitouren rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus. "Die meisten Touristen, die hierher kommen, sind Taucher", bestätigt Denius Rengiil, 43 Jahre alt, einer der wenigen Taxifahrer auf der Hauptinsel Babelthuap. "Es gibt immer mehr Gäste aus dem Ausland, was sehr gut ist, weil wir dadurch viel Geld einnehmen. Die meisten kommen aus Japan, Südkorea und Taiwan sowie aus den USA. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie reden alle nur von Mantas und von Haien."

"Der Tourismus ist in der Tat die wichtigste Einnahmequelle für uns", sagt Browny Salvador, Gouverneur und Abgeordneter im palauanischen Parlament. "Von der Fischerei alleine werden wir nicht reich, denn die reicht gerade mal, um uns selbst zu versorgen. Nur ein ganz kleiner Bruchteil wird exportiert. Daher sind wir auf die Tauchtouristen angewiesen." Zufällig begegnen wir dem 60-jährigen Politiker - Hemd, Krawatte, kurze Hose - mitten im Dschungel. Er sitzt auf einem Stein vor dem Parlament, ein Teller Muschelsuppe in der Hand, und blickt in die Landschaft. "Ja, ich weiß, wir sind eine kleine, lustige Demokratie. Und ich wette, wir sind das einzige Land der Welt, dessen Hauptstadt unbewohnt ist!"

Und das ist kein Witz. Früher befand sich der Regierungssitz in der Wirtschafts- und Tourismusmetropole Koror im Süden der Insel. 10.000 Menschen leben hier. Doch nachdem die 35 Kilometer lange Anfahrt für die wenigen Abgeordneten aus dem Norden den Palauanern eines Tages nicht mehr zumutbar schien (kein Wunder bei einer zugelassen Höchstgeschwindigkeit von 25 Meilen pro Stunde auf offener, asphaltierter Landstraße), verlegten sie die Hauptstadt prompt ins Landesinnere, mitten in den Dschungel. Die 2006 errichtete Melekeok City besteht aus einem riesigen Parlamentsgebäude mit einem unendlich großen Parkplatz rundherum. Null Einwohner. Das war's. Das vanillegelbe Haus wurde mit EU-Geldern erbaut und ist ein etwas fantasievoll interpretierter Nachbau des Washingtoner Capitols. Der größte Unterschied: Das gesamte Gebäude ist aus Holz. "Ich weiß nicht, ob es sehr klug war, die Hauptstadt zu verlegen", sagt Salvador. "Jetzt pendeln die ganzen Südpalauaner mit dem Auto Tag für Tag nach Norden. Eine gute Ökobilanz sieht jedenfalls anders aus."

Papageienfischpaarung

Richard Barnden schüttelt den Kopf. "Ich lebe hier schon seit fünf Jahren, aber bis zum heutigen Tag muss ich lachen, wenn ich daran denke, wie sich Palau über Wasser hält. Ich verstehe dieses Land nicht." Richards Welt ist unter Wasser. Erst vor vier Monaten hat er durch Zufall einen Tauchplatz entdeckt, an dem bei jedem Neumond Tausende von Büffelkopf-Papageifischen zum Paarungszeremoniell zusammentreffen. Das Spektakel der bis zu 1,30 Meter großen Männchen und Weibchen ist atemberaubend. Es ist weltweit der einzig bekannte Ort, an dem das Balzritual regelmäßig beobachtet werden kann. Und es geht deutlich wilder zu als bei den langsam zuckenden Tieren aus Marmelade. (Wojciech Czaja/DER STANDARD/Rondo/03.02.2012)

Share if you care
19 Postings
Evolution und Artenvielfalt ...

... ein Widerspruch in sich: Entweder Evolution (der oder das Stärkste setzt sich durch), ODER (!) Artenvielfalt.

Sie haben Evolution nicht verstanden

Evolution bedeutet natürlich keineswegs das "Überleben des Stärksten".

das habens leider völlig falsch verstanden

erstens ist "the fittest" nicht der stärkste, und zweitens bezieht sich de spruch auf die jeweilige population eier art, nicht auf die gesamte flora und fauna

sie dürfen die (mehr oder weniger absichtsvolle) tendenz von homo sapiens, alle spezies außer der eigenen auszurotten, nicht für das wesen der evolution ansich halten

hin will!

warum dauert denn das posten so lange, sie ma da etwa bei da stasi.......

Ein weißer hai war mal mein urururururgroßvater....
......an schaß....cool

Bild vom Parlament

http://www.travelblog.org/Photos/4948106

mir wurde dort aber gesagt, dieses Parlament wurde von der letzten Rate der US-Entwicklungshilfe gebaut.

Es steht allerdings eine Tafel davor mit EU Logo, diese dürfte sich allerdings nur auf ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt beziehen.

warum zum kuckuck finanziert die eu ein parlamentsgebäude in palau???

ich war vor kanpp zehn jahren mal dort und enttaeuscht was 'el nino' dort tw angerichtet hatte. hoffe die natur hat sich wieder erholt. war aber trotzalledem noch 'spektakulaer'!

Tolles Video, den pardon! einfach ignorieren. Irgendwann würde ich dort auch gerne tauchen.

haben sie auch was in akzeptablem englisch und ohne werbung? postings wie dieses erscheinen mir in einem "forum" deplatziert. wenn sie werbung machen wollen, fahren sie doch zur "boot" oder ferienmesse oder sonstwohin.

Ich habs nciht wegen der Werbung gepostet sondern wegen der schönen Bilder.
Aber es gibt das ganze auch verkürzt und ohne Werbung (außer der für den Taucher selbst, aber der ist wohl eh nicht verkäuflich)

http://vimeo.com/11950662

gegen schöne bilder gibt es absolut nichts einzuwenden.

Im Artikel nicht erwähnt, aber auch nicht uninteressant: in Palau, also dem Land in welchem es keine Industrie und mit Ausnahme vom Tourismus kaum größere Einnahmsquellen gibt, gibt es ca. 20 Dollar Millionäre. Die Bevölkerung beträgt ca. 15.000 Menschen, und für sie arbeiten an die 6.000 Expats, davon allein an die 5.000 Philippinos, die extrem schlecht bezahlt und behandelt werden. Aber schön sind die Inseln, wenn auch nicht billig. Vielleicht auch von Interesse: in Palau gibt es neben dem Dollar auch noch lokales Geld, um das sich die ganze Gesellschaft dreht, die per se als rein kapitalistisch angesehen werden kann.

" die per se als rein kapitalistisch angesehen werden kann."

Was, die nehmen Geld an? Und Millionäre gibt's auch?
Pfui gack aber auch!

Palau war traditionell eine kapitalistische Gesellschaft in welcher zwei Arten von Geld zirkulierten, wobei das Geld von den Frauen aus den Familien, in welche sie eingeheiratet hatten, zu ihren Brüdern geleitet wurden. Alle Handlungen der Palauer waren finanziell orientiert und es gibt zahllose Geschichten, was alles unternommen wurde um an Geld, von dem nur eine begrenzte Menge zirkulierte, zu gelangen (Kopfjagden, Prostitution, etc). Rudimentär ist dieses System noch heute aktuell (erste Geburt einer Frau, Hausparty, Begräbnisse), allerdings müssen heute Männer nicht mehr ihre Ehefrauen für Sex bezahlen - sagen sie zumindest.

Wunderschön

War und ist schon lange mein Ziel.

Ich freu mich schon aufs tauchen...!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.