Protest gegen rechten Theaterdirektor

2. Februar 2012, 10:18
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Ernennung trotz massiver Proteste im In- und Ausland - Dörner will verstärkt ungarische Werke auf die Bühne bringen

Budapest - Am Mittwochabend haben mehrere hundert Menschen in Budapest gegen den rechtsradikalen Direktor des "Neuen Theaters", György Dörner, protestiert, berichtet der Radiosender Ö1. Dörner wurde vom Budapester Oberbürgermeister István Tárlos gegen den Rat einer Expertengruppe zum neuen Direktor ernannt. Am Mittwoch hat Dörner sein neues Amt angetreten. Dörner hat nach Bekanntgabe seiner Bestellung die Schwerpunkte seiner Arbeit folgendermaßen umrissen: Er wolle mit der "krankhaften liberalen Hegemonie" aufräumen und "der liberalen Anspruchslosigkeit der Unterhaltungsindustrie den Krieg erklären". Dörner unterstützt die rechtsradikale Partei Jobbik.

Zu der Kundgebung hatte der Ungarische Bund der Widerstandskämpfer und Antifaschisten (MEASZ) aufgerufen. Gleichzeitig wurde in über hundert europäischen Theatern ein Manifest verlesen, in dem gegen die Amtsübernahme Dörners protestiert und zu mehr Toleranz aufgerufen wurde.

Schreiduelle

Laut einem Bericht des Ö1-"Morgenjournals" gab es bei der Demo Handgemenge und Schreiduelle zwischen Rechtsradikalen ("Ihr seid Idioten") und Antifaschisten ("Nazis raus"). Jene mehr als 100 Rechtsextremisten, unter ihnen uniformierte Angehörige der verbotenen Ungarischen Garde, die versuchten, die Veranstaltung mit antisemitischen Parolen zu stören, wurden von der Polizei zurückgedrängt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI wurden mehrere Personen festgenommen.

Sturm der Entrüstung

Der Budapester Bürgermeister Tárlos hatte mit seiner Entscheidung, Dörner zum Direktor und den bekannten Rechtsextremisten Istvan Csurka zum Intendanten zu ernennen, einen Sturm der Entrüstung im In- und Ausland ausgelöst. Während die Ernennung Csurkas später zurückgezogen wurde, hielt Tárlos an Dörner fest, trotz massiven Protests von Künstlern im In- und Ausland.

Völlige Änderung des Repertoires

Dörner hat seinen Posten angetreten - und ein leeres Haus übernommen. Denn das Ensemble des Theaters ist auf Tournee. Der bisherige langjährige Leiter des Hauses, Istvan Marta, der trotz Unterstützung des zuständigen Fachausschusses aus dem Amt gedrängt wurde, übergab Dörner den Schlüssel. Der Schauspieler Dörner, oft kritisiert für seine rechtsradikalen Ansichten, bezeichnete die Übergabe als "korrekt".

Wie MTI berichtete, hat der neue Chefregisseur Zsolt Pozsgai kritisiert, dass die neue Leitung wegen des Gastspiels ihre Arbeit in einem leeren Haus beginnen muss. Immerhin müsse das "Repertoire des Theaters völlig verändert werden, was keine kleine Aufgabe ist", so Pozsgai. Das Theater stehe vor eine "Profiländerung", ungarische Werke kämen nun auf die Bühne. Laut Pozsgai müssen sich die Mitglieder des Ensembles jetzt dazu äußern, ob sie die neuen Rollen übernehmen und ihre Verträge ab 1. August verlängern.

Proteste auch in Österreich

Mittwochabend wurde anlässlich Dörners Amtsantritt in zahlreichen Theatern in Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Holland, Polen, Tschechien, Finnland, Slowenien, Griechenland und Serbien ein Manifest gegen jene politische Kräfte verlesen, "die Hass, Verachtung und Neid zwischen den Menschen schüren".

Im Burgtheater verlas ein Schauspieler nach der Vorstellung von Handkes "Immer noch Sturm" das Memorandum, ähnliches fand vor oder nach den Vorstellungen in Akademietheater, Volkstheater, Theater in der Josefstadt, Schauspielhaus und zahllosen kleineren und mittleren Bühnen Wiens statt. "Es war wichtig zu zeigen, dass Widerstand gegen die Kräfte, die einen Keil in die Gesellschaft treiben wollen, möglich ist und sich lohnt", sagte Kupferblum. Es sei wichtig, dass die Sensibilität für derartige gesellschaftliche Vorgänge erhöht werde. (APA/red)

  • Die Demonstranten fürchten die Umwandlung des Theaters in eine Propagandamaschine der Regierung.
    foto: epa/zsolt szigetvary

    Die Demonstranten fürchten die Umwandlung des Theaters in eine Propagandamaschine der Regierung.

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    Protest gegen den neuen Direktor vor dem Eingang zum "Neuen Theater".

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    Die Polizei versucht, Demonstranten vor Angriffen von Dörner-Sympathisanten zu schützen.

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