Architekturzentrum Wien

"Wir sind zum Erbsenzählen verurteilt"

Jasmin Al-Kattib, 2. Februar 2012, 11:08
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    ma shi po village, new territories in hongkong, foto: shu-mei huang

    Die Wechselausstellungen in diesem Jahr sind dem Sparstift noch nicht zum Opfer gefallen: Ab 15. März zeigt das Az W die Ausstellung "Hands-On Urbanism 1850-2012. Vom Recht auf Grün", die die bereits lange Tradition von Landnahmen im urbanen Raum aufgreift.

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    neues museum berlin © stiftung preussischer kulturbesitz / david chipperfield architects, foto: jörg von bruchhausen

    Im Sommer gibt es mit "Europas beste Bauten. Mies van der Rohe Award 2011" rund 50 innovative zeitgenössische Architekturprojekte aus Europa zu sehen, die anhand von Modellen, Plan- und Fotomaterial präsentiert werden.

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    transportministerium, 1974, tbilisi, georgien, foto: simona rota

    Die Herbstausstellung "Sowjetmoderne. Unbekannte Meisterwerke 1955-1991" widmet sich den Republiken der ehemaligen Sowjetunion und ihrer bisher kaum erforschten Parallelwelt der Architektur des Modernismus.

Die finanzielle Krise des Architekturzentrums Wien reißt nicht ab: Nach dem abgesagten Architekturkongress fallen nun auch die Sonntags-Exkursionen den Budgetnöten zum Opfer

Schwierige Gespräche beginnt man am besten mit einer guten Nachricht. So macht das auch Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrums Wien (Az W). Er und sein Team sind stolz darauf, dass im letzten Jahr das Archiv und die Sammlung des Museums erneut sehr gewachsen sind. Die drei Wechselausstellungen hatten mehr Besucher, als sie es sich erträumt hatten, und auch sonst war 2011 ein durchaus erfolgreiches Jahr. Dennoch sei der Ausblick auf die Zukunft des österreichischen Architekturmuseums bitter.

Wie bereits in den letzten Jahren immer wieder kommuniziert wurde, steckt das Az W in schweren finanziellen Nöten, die sich weiterhin verschärfen. "Gerade weil Archiv und Sammlung angewachsen sind und die Tätigkeitsfelder im Architekturzentrum zugenommen haben, sind wir an ein ökonomisches Limit gelangt", schildert Steiner bei der Jahrespressekonferenz die Situation. Trotz strikten Einsparungsprogramms musste im letzten Jahr der traditionelle Wiener Architekturkongress abgesagt werden, zu Jahresbeginn "mussten wir noch einen Einschnitt im Programm tätigen und die seit 1996 sehr erfolgreiche Reihe der Sonntags-Exkursionen komplett streichen".

500.000 Euro fehlen

Die finanziellen Mittel der Stadt Wien für das Az W wurden seit dem Jahr 2001 nicht erhöht, die des Bunds seien seit 1995 die gleichen. Mittlerweile spricht das Az W von rund 500.000 Euro, die es aufgrund der Inflation jährlich weniger bekommt - und die eindeutig fehlen: "Wenn man bedenkt, dass sich das Programm und das Aufgabengebiet des Az W seit 2001 sehr gesteigert haben, ist das umso gravierender", so Hannes Pflaum, Präsident des Vorstands.

Zusätzlich zu den stetig wachsenden Aufgaben des Az W, etwa dem Aufbau eines umfassenden österreichischen Architekturarchivs oder der Vermittlertätigkeit mit Kinder- und Jugendprogrammen, brauche auch die Bezahlung der Mitarbeiter mehr Geld als bisher verfügbar. "Wir bemühen uns redlichst, eine faire Entlohnung für die hochwertige Arbeit, die unsere engagierten Mitarbeiter erledigen, zu zahlen", sagt Geschäftsführerin Karin Lux. "Wie wir aber alle wissen, sind auch die Lohnkosten in den letzten 15 Jahren dramatisch gestiegen. Darum ist klar, dass sich das nicht ausgehen kann, wenn das Budget immer gleich bleibt."

Forderung: Bekenntnis zur Architektur

"Dass wir trotzdem bis jetzt irgendwie über die Runden gekommen sind, ist auf unsere äußerste Sparsamkeit zurückzuführen", so Pflaum. "Ich bin hier als Vorstand und Präsident zur Rolle eines Erbsenzählers verurteilt, das ist nicht mein Wesen, aber ich muss es sein. Ich kontrolliere sogar die Spesenabrechnungen der Geschäftsführung." Mit Nachdruck fordert Pflaum die öffentliche Hand dazu auf, endlich ein Bekenntnis zur Architektur abzugeben. "Und wenn sie das tut, dann muss sie uns auch die Mittel zur Verfügung stellen, um unsere Aufgaben zu erledigen. Mit unserem Vermittlungsprogramm machen wir eigentlich genau das, was auf der Linie der Ministerin (Bildungsministerin Claudia Schmied, Anm.) läge, und trotzdem bekommen wir dafür nicht die geringste zusätzliche Unterstützung."

Trotz der schwierigen Zeiten präsentiert das Az W auch dieses Jahr wieder ein spannendes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm. Ein langfristiges Ziel wird aber nicht aus den Augen verloren: "Wir wollen irgendwann das österreichische Architekturmuseum im Semperdepot umsetzen." Bevor dieser Wunsch allerdings in greifbare Nähe rücken könne, sei man ohnehin mit anderen Problemen beschäftigt: "Wir kämpfen ums Überleben", so Pflaum. "Wir wollen nicht irgendwie dahinvegetieren und als Platzhalter dienen, sondern unsere Aufgaben erfüllen. Dazu brauchen wir mehr Geld, und dafür werden wir kämpfen." (Jasmin Al-Kattib, derStandard.at, 2.2.2012)

Nachlese

"Rosskur": Wiener Architektur Kongress abgesagt

Alle Infos zu Ausstellungen, Veranstaltungen und der Forschungsarbeit zum Thema Architektur finden sich auf der Website des Architekturzentrums Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
TAO
 
12
Sprengt das Sofitel!

Elio Ambrosi
 
00
18.2.2012, 20:01
das Haus ist

wirklich schrecklich, beklemmend, aufgeblasener Schein

TAO
 
00
18.2.2012, 20:35

Vom 1. Bezirk (Schwedenplatz) aus sieht man noch die "Schokoladeseite"! Vom 2. Bezirk (Taborstraße) aus ist es einfach ein schwarzer Sch...klotz, der den Himmel verstellt.

ich anonym
03
wirklich sehr schade

um die einrichtung der sonntagsexkursion! es war immer sehr abwechslungsreich und interessant! RIP

Solemnly Soliloquising Somnambulist
54
sog. moderne architektur

ist wesentlich am moralverfall der gesellschaft beteiligt.

deshalb ist es wichtig diesen verdammten kulturleninisten das geld zu entziehen.

klassische musik ist der erste schritt zur ästhetischen heilung des durch die unmenschliche moderne befremdeten menschen.

jun...the rat
03

"klassische musik ist der erste schritt zur ästhetischen heilung des durch die unmenschliche moderne befremdeten menschen."?????
klassische musik ist nix andres als popmusik einer längst vergangenen zeit- darunter gibts haufenweise schund. also herr oberlehrer- stecken sie sich ihre lektionen bitte in die ohrwaschln, haltens mund und augen verschlossen und lassens ihnen endlich schwanz und fell wachsen damit ihre äußerliche erscheinung ihrem postinginhalt ebenbürtig wird. u a aaa u aaaaa a a u a...

Kayjay _
02

leere Worthülsen als Provokation.
Sie könnten ja mal konstruktive Kritik liefern, und nicht irgendwelche Phrasen in den Raum stellen.

Übrigens, nicht die Architektur prägt die Gesellschaft, sondern umgekehrt.

ABC Guy
01

Hast du auch Argumente und Beweise für deine wahnwitzigen Aussagen?

Es schaut für den aufmerksamen Beobachter nämlich ganz so aus, als ob du deine "Weisheiten" alle frei erfinden würdest! Ist das möglich?
Aber da irre ich mich bestimmt...

Solemnly Soliloquising Somnambulist
10
lektion 1 ihrer musiktherapie

http://www.youtube.com/watch?v=0... re=related

hilft schon nach einmaliger anwendung

ABC Guy
00

Ich kann bei bestem Willen noch immer kein Argument lesen, naja...
Hübsche Musik btw

Verpestungs-Profi ("Werbefachmann")
10
Auch wenn fernsehgetunte Zeitgenossen Ihre Ansicht für altbacken halten mögen. Sie ist buchstäblich wahr.

Ich sehe die (Post-)Moderne durwegs als notwendiges Krisenstadium, durch das wir durchgehen müssen.
Es muss sich zuerst das Allerabsurdeste und Unmenschliche herausarbeiten, so wie das die Architekten derzeit auf Hochdampf tun, bis wir - am Boden des Strudels angekommen - schließlich den Entschluss fassen, uns wieder nach oben zu arbeiten.

Die Erfahrung an dem Geschaffenen Hässlichen und Trostlosen: Sinnlosigkeitsgefühle und Depression wird uns beflügeln, wieder Menschengerechtes und Ästhetisches zu schaffen.
Es hat also auch seinen Nutzen (auch wenns schon längere Zeit unerträglich ist).

das ende ist nah
00

atomkrieg?

Easy Rawlins
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"dann muss sie uns auch die Mittel zur Verfügung stellen"

Genau an diesem Anspruchsdenken krankt unser Förderwesen. Jeder, der irgendein seiner Meinung nach wichtiges Projekt initiiert, schreit sofort nach Geld vom Staat, das im zur Verfügung gestellt werden "muss", weil das alles so wichtig ist.

In letzter Konsequenz wird dann jede Trachtenkapelle und jedes Projekterl mit öffentlichen Mitteln gesponsert. Und kaum hat man einmal Förderungen bekommen, leitet man den Anspruch ab, jedes Jahr mehr bekommen zu müssen, weil man das Programm erweitert und überhaupt alles teurer wird.

Wenn das Architekturzentrum tatsächlich so bedeutend ist, kann es doch sicherlich auch private Geldgeber aufstellen bzw die Preise erhöhen. Und wenn man das Geld nicht hat, darf auch die Leistungen nicht ausweiten.

tschortsch
27
erschreckend

sind in diesem forum permanent die aggressiven stimmen der besserwissenden, profund fachspezifisch gebildeten architektenhasser, die offensichtlich nicht zwischen bauherr, auftraggeber, (wohnbau- und sonstiger) politik, bauindustrie, und architektur differenzieren können.
deshalb ein lob auf einen s-d altbundeskanzler und ex-bankdirektor, der schon meinte "i brauch kan architekten"....

Bankdirektor Hummelbrummer
21
Ich pflichte Ihnen bei, dass Architektur eine eminente Wichtigkeit hätte, was die Wirkung auf den Menschen betrifft.

Die Architektur ist heute jedoch, glaube (wohl nicht nur) ich, zum überwiegenden Teil in der vollkommenen Dekadenz gekommen. Getarnt freilich durch diverse raffinierte Eitelkeiten und Theoreme, welche den Anschein von Kultur und Wissenschaftlichkeit geben sollen.

Die traurige Wahrheit ist: Uns wird heute bereits in der Schule jede Kreativität ausgetrieben. Zu mehr reicht die Gestaltungsfähigkeit dann nicht, als kubische Klötze aneinanderzusetzen, ein Zuckerguss aus irgendeiner glänzenden Fassade drüber -fertig ist das Meisterwerk, das dann in div. Fachzeitschriften auch noch beweihräuchert werden darf.
Und in dem dann Familien und Kinder ihr Dasein fristen müssen.

m+m
02

ich gebe ihnen recht, dass in unseren Schulen schon jede Kreativität unerwünscht ist und de facto nicht am Lehrplan steht. Folglich glauben viele falscher Weise, dass Kreativität entbehrlich ist.

sollte das umfangreiche Wissen und die Kreativität der Architekten nicht ein begehrtes Gut sein?

Statt dessen ist Kreativität suspekt und die kreativen Köpfe werden verschmäht.

Nur noch traurig wie dumm und unwissend hier agiert wird

forchristssake
63
Um heutige

Architekten ists nicht schad´! Können nix, wollen nur Gebäude deren Hülle sie schmücken, koste es was es wolle und pfeifen auf des Bauherren Bedürfnisse sowie auf dessen Budget.

tschortsch
04
spezialist, womit

zeichnen Sie sich beruflich aus ?
schönheitsoperationen ?

forchristssake
31
wodurch heißt das nicht womit

Geoffrey of Monmouth
11

Die 2 Millionen Förderung für den Bauernbund dem Architekturmuseum geben, Problem gelöst.

sibsi
00
für wen?

emily_morin
01
ÖGFA

hat die Bauvisiten erfunden und sie sind kostenlos.
www.oegfa.at

Entfesselter Prometheus
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Absurd hässliche Gebilde

An dieser "Architektur" kann man am besten erkennen, daß die Menschen vollkommen den Verstand verloren haben.

Hausverstandshasser
05
Das Transportmuseum

in Tiflis finde ich aber sehr gelungen!

sibsi
00

wenn man/frau nur in schön-schiach schubladen denkt, vielleicht. aber eigentlich auch dann nicht.

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