OPEC lässt Förderquoten unverändert

11. Juni 2003, 15:55
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Sondertreffen wegen irakischer Ölexporte Ende Juli in Wien - Dann möglicherweise Förderkürzung

Doha - Trotz der Wiederaufnahme irakischer Ölexporte wird die OPEC ihre Förderquoten vorerst beibehalten. Allerdings sollen die Mitglieder des Kartells ihre vorgegebenen Quoten strikter einhalten, hieß es nach dem Treffen der OPEC-Minister am Mittwoch in Doha in Katar. Gleichzeitig wurde eine Sondersitzung für den 31. Juli in Wien anberaumt, um erneut über die Irak-Frage zu beraten. Bagdad will seine Ausfuhren in der kommenden Woche anlaufen lassen. Einige OPEC-Mitglieder befürchten, dass dies die Preise auf dem Weltmarkt drücken wird. Im Gespräch war deshalb eine Fördersenkung. Der Öl-Preis gab nach dem Beschluss leicht nach.

Auf der Sondersitzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) Ende Juli sei eine Förderkürzung möglich, um auf die Rückkehr Iraks auf den Markt zu reagieren, sagte Venezuelas Energieminister Rafael Ramirez. Das irakische Öl-Ministerium hatte am Montag angekündigt, seine Exporte in der dritten Juni-Woche wiederaufzunehmen. Nach Angaben von OPEC-Präsident Abdullah el Attijah will das Land dann mindestens eine Mio. Barrel pro Tag auf den Markt bringen. Regulär sollten sich die OPEC-Minister erst wieder am 24. September treffen.

"Werden den Markt beobachten"

Gegen eine von OPEC-Präsident el Attijah vorgeschlagene Fördersenkung sprachen sich am Mittwoch erneut Kuwait und Iran aus. Der iranische Öl-Minister Bidschan Namdar Sangeneh räumte zwar ein, dass es schon jetzt eine Überversorgung auf dem Markt gebe. Die Preise bewegten sich aber noch in dem von der OPEC gewünschten Rahmen zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel OPEC-Öl (159 Liter). Er sprach sich deshalb für Abwarten aus. "Wir werden den Markt beobachten, wenn der Irak seine Produktion wiederaufnimmt."

Die von der OPEC offiziell genehmigte Förderhöchstmenge liegt derzeit bei 25,4 Mio. Barrel pro Tag. Diese wird von den Mitgliedern aber regelmäßig überschritten. Die tatsächliche tägliche Fördermenge bezifferte Sangeneh für den vergangenen Monat auf 26,5 Mio. Barrel. Appelle der OPEC an ihre Mitglieder, die Quoten strikter einzuhalten, hatten sich in der Vergangenheit regelmäßig als fruchtlos erwiesen.

Öl-Preis fällt

Der von der OPEC beschlossene Status quo bei den Quoten ließ den Öl-Preis an den internationalen Märkten fallen, wo teilweise zunächst auf eine Förderkürzung spekuliert worden war. In London wurden für Juli-Lieferungen der Nordsee-Referenzsorte Brent am Nachmittag (14.30 Uhr) 27,92 Dollar (23,77 Euro) gezahlt. Dies waren 18 Cent weniger als am Vortag. Im vorbörslichen Handel in New York gab der Preis für die Sorte Light Sweet Crude um 14 Cent auf 31,59 Dollar nach.

Der Irak durfte seit dem Golfkrieg Anfang der 90-er Jahre nicht mehr am Quotensystem der OPEC teilnehmen. Die Ausfuhr von Öl war Bagdad nur im begrenzten Rahmen innerhalb des UN-Programms "Öl für Lebensmittel" erlaubt. Irakische Vertreter nahmen an dem Treffen in Doha nicht teil. Noch ist nicht klar, ob das Land nach dem Regimewechsel überhaupt in der OPEC bleibt, die es vor 43 Jahren mitgegründet hatte. Dies soll nach dem Willen der USA und Großbritanniens eine neue irakische Regierung entscheiden.(APA)

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