Bahnunglück in Deutschland: Auslöser menschliches Versagen

12. Juni 2003, 19:09
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Unfall forderte sechs Todesopfer - Fahrdienstleiter erteilte für einen Zug zu frühe Freigabe

Das schwere Zugunglück in Baden-Württemberg mit sechs Todesopfern ist laut Staatsanwaltschaft durch menschliches Versagen verursacht worden. Der Fahrdienstleiter im Bahnhof Schrozberg habe zu früh die Freigabe für einen der beiden Züge gegeben, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Ellwangen, Uwe Schlosser, am Donnerstag vor Journalisten. Weshalb der Mann so handelte, konnte zunächst nicht geklärt werden.

Sechs Tote, 25 Verletzte

Bei dem Zusammenstoß zweier Regionalzüge auf der eingleisigen Strecke Bad Mergentheim-Crailsheim zwischen Schrozberg und Niederstetten waren am Mittwochmittag sechs Menschen getötet und 25 verletzt worden. Die Signalanlage im Bahnhof Schrozberg sei defekt gewesen, und der Fahrverkehr hätte nach 11.45 Uhr per Telefon geregelt werden müssen, sagte der Leiter der Polizeidirektion Schwäbisch Hall, Alfred Oschmann. Zum Zeitpunkt der Fahrtfreigabe habe der andere Regionalexpress noch nicht den Bahnhof erreicht. Es sei dann 800 Meter vom Bahnhof entfernt zu dem folgenschweren Zusammenstoß gekommen.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung

Da der 27-jährige Fahrdienstleiter bisher die Aussage verweigere, gebe es keine weiteren Angaben zu seinem Verhalten, sagte Oberstaatsanwalt Schlosser. Es werde gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Unter den Todesopfern waren ein 33-jähriger Lokführer aus Miltenberg und ein 35-jähriger Lokführer aus Aschaffenburg. Weiter sei eine 39-jährige Mutter aus dem Raum Dillingen mit ihren drei Kindern im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren getötet worden. Der Familienvater befand sich weiterhin in Lebensgefahr. Schwer verletzt wurde auch ein Zugbegleiter. Die anderen Verletzten wurden inzwischen aus den Krankenhäusern entlassen. (APA/AFP)

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